Volkswirte kritisieren Forschungspolitik: EU bei Hightech abgehÀngt
10.04.2024 - 11:47:02Der NobelpreistrÀger Jean Tirole von der Toulouse School of Economics sagte am Mittwoch: "Die EU verliert den Wettlauf um Innovationen." Ihre völlige Abwesenheit in der Gruppe der Top-20-Tech-Unternehmen und der Top-20-Start-ups sei bedrohlich. Das gehe zulasten von Wohlstand und geopolitischem Einfluss.
Im EuropĂ€ischen Innovationsrat (EIC) sĂ€Ăen zu viele Beamte und zu wenige Wissenschaftler. FĂŒr bahnbrechende Innovationen aus Europa sollte die EU die politische Kontrolle ĂŒber wissenschaftliche Entscheidungen verringern, mehr fĂŒhrende Wissenschaftler einbeziehen und diesen mehr Ermessensspielraum einrĂ€umen, fordern die Volkswirte in ihrem am Mittwoch in BrĂŒssel veröffentlichten Bericht. Bisher gebe die EU nicht nur zu wenig fĂŒr Forschung und Entwicklung aus, sondern konzentriere sich zudem auf Mid-Tech-Branchen. In wachsenden Hightech-Branchen wie der digitalen Wirtschaft dagegen werde Europa "immer weiter abgehĂ€ngt", sagte Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest.
Mehr Geld könnte durch die Umverteilung eines GroĂteils des Budgets des EuropĂ€ischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT) zur VerfĂŒgung gestellt werden - das habe bisher offenbar nur wenig erreicht, kritisierten die Volkswirte. Im Vergleich zu den USA seien "die Bewerbungs- und Auswahlverfahren in der EU extrem bĂŒrokratisch und unterliegen einem starren, komplizierten Regelwerk."
Um die WettbewerbsfĂ€higkeit der EU zu verbessern, mĂŒsse sie ihre Forschungspolitik stĂ€rker auf bahnbrechende Innovationen konzentrieren, sagte Fuest. Der Bericht "EU Innovation Policy - How to Escape the Middle Technology Trap?" wurde unter der Leitung von Tirole, Fuest und dem MailĂ€nder Wirtschaftswissenschaftler Daniel Gros erstellt.

