Weihnachten, Geschenke

Lahmes WeihnachtsgeschĂ€ft – aber das Finale kommt erst noch

24.12.2025 - 04:30:06 | dpa.de

Volle InnenstÀdte, aber sparsame Kunden: Das WeihnachtsgeschÀft frustriert viele EinzelhÀndler. Nicht nur Spekulatius und Lebkuchen wurden verschmÀht. Doch in einigen Branchen lief es deutlich besser.

  • Viele Kunden schauten im WeihnachtsgeschĂ€ft stark auf Preise und Rabatte. - Foto: Andreas Arnold/dpa
    Viele Kunden schauten im WeihnachtsgeschÀft stark auf Preise und Rabatte. - Foto: Andreas Arnold/dpa
  • Der Lamberti-Markt in Oldenburg zieht viele Besucher an. - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Der Lamberti-Markt in Oldenburg zieht viele Besucher an. - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Im WeihnachtsgeschĂ€ft mĂŒssen EinzelhĂ€ndler manchmal das tun, was vor allem Fußballtrainer machen. LĂ€uft es nicht rund, werfen sie in der Schlussphase alles nach vorn. So startete die Modekette Peek & Cloppenburg zum letzten Adventswochenende eine große Werbekampagne – mit bis zu 50 Prozent Rabatt auf MĂ€ntel, Jacken und Pullover. Auch Otto, Galeria und andere lockten mit NachlĂ€ssen. Auf den letzten Metern versuchten die Unternehmen, das WeihnachtsgeschĂ€ft noch zu retten. Ob das reicht?

Bis zum vierten Advent zeigte sich nur jeder sechste HĂ€ndler mit dem bisherigen Verlauf zufrieden, zwei Drittel waren unzufrieden. Das zeigt eine Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 300 Unternehmen. Auch die traditionell umsatzstĂ€rkste Woche vor dem vierten Advent blieb hinter den Erwartungen zurĂŒck. Die bisherige Bilanz fĂ€llt laut HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth schwach aus. «Das haben wir in dieser Form in den vergangenen Jahren noch nicht erlebt.»

Sinkende Nachfrage nach WeihnachtsgebÀck

Wie spendierfreudig waren die Verbraucherinnen und Verbraucher in dieser Weihnachtszeit? Eine am 22. Dezember durchgefĂŒhrte YouGov-Umfrage zeigt: 30 Prozent gaben weniger Geld fĂŒr Geschenke, WeihnachtsmĂ€rkte, Essen, Baum und Kalender aus als 2024, 16 Prozent mehr und 44 Prozent genauso viel wie im Vorjahr. 10 Prozent machten keine Angabe. 

Nach Angaben von Rolf BĂŒrkl ist die Sparneigung in diesem Monat auf den höchsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 gestiegen. «Das hat das WeihnachtsgeschĂ€ft in diesem Jahr stark beeintrĂ€chtigt», sagt der Konsumexperte vom NĂŒrnberg Institut fĂŒr Marktentscheidungen. Grund dafĂŒr sei eine zunehmende Verunsicherung, etwa durch steigende InflationsĂ€ngste. Obwohl vielerorts mit Rabatten geworben wurde, empfinden viele Menschen die allgemeinen Kosten rund um Weihnachten in diesem Jahr als deutlich oder etwas teurer als 2024. Zwei Drittel geben das in einer YouGov-Befragung an. 

Sinnbildlich zeigt sich die Lage bei WeihnachtssĂŒĂŸwaren. Die Nachfrage nach GebĂ€ck wie Spekulatius und Lebkuchen, Stollen oder Schoko-WeihnachtsmĂ€nnern war diesmal deutlich geringer als 2024. Nach Angaben des Marktforschers NIQ lagen die verkauften StĂŒckzahlen bis Anfang Dezember rund 15 Prozent niedriger. Die gestiegenen Preise schreckten Verbraucher ab, Packungen kosteten im Schnitt rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als zwei Drittel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft, 2024 lag der Anteil noch bei etwa der HĂ€lfte.

Konkurrenz durch Temu und Shein

Dabei war in den deutschen FußgĂ€ngerzonen im November und Dezember durchaus viel los – mehr als im Vorjahr, wie Daten von NIQ zeigen. Die Besucherzahlen in 283 gemessenen Innenstadtlagen stiegen demnach um mehr als 10 Prozent auf 507 Millionen. Am besten besucht waren die Friedrichstraße und der Alexanderplatz in Berlin.

FĂŒr den Einzelhandel sei dies nicht spĂŒrbar gewesen, sagt HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Genth. StĂ€rker frequentierte InnenstĂ€dte fĂŒhrten nicht automatisch zu einem schwungvollen WeihnachtsgeschĂ€ft. Zwar erfreuten sich die WeihnachtsmĂ€rkte vielerorts guter Resonanz. Über 70 Prozent der Unternehmen berichteten dem HDE zufolge jedoch von schlechteren Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr.

Frust verursachten auch die ursprĂŒnglich chinesischen Shoppingportale Temu, Shein oder AliExpress, die den HĂ€ndlern betrĂ€chtliche UmsĂ€tze wegnahmen. Laut einer YouGov-Befragung kaufte jeder fĂŒnfte Verbraucher in Deutschland dort Weihnachtsgeschenke. Der Handelsverband schĂ€tzt, dass Temu und Shein im November und Dezember hierzulande bis zu einer Milliarde Euro Umsatz erzielen.

Wo die Menschen sparen und wo nicht

Der Modehandel ist davon besonders betroffen. «Wir liegen definitiv unter dem Vorjahr», sagt Axel Augustin, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Branchenverbandes BTE. Im vergangenen Jahr profitierte die Branche von einem Wintereinbruch im November. «Das sorgte fĂŒr BedarfskĂ€ufe, weil die Menschen warme Jacke brauchten.» Diesmal blieb der Wetter-Effekt aus. 

Auch Douglas spĂŒrte die KaufzurĂŒckhaltung. Im wichtigen letzten Quartal litt das GeschĂ€ft darunter, dass Kunden stĂ€rker auf Preise achteten und der Rabattdruck hoch gewesen sei, berichtete die ParfĂŒmeriekette kĂŒrzlich.

Doch gespart wird nicht ĂŒberall gleichermaßen. «Bei Reisen sind die BĂŒrger in Deutschland derzeit bereit, Geld auszugeben, um in diesen unsicheren Zeiten dem Alltag zu entfliehen und gemeinsam Zeit zu verbringen», sagt HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Genth. Die gestiegenen Ticketpreise wĂŒrden dabei offensichtlich akzeptiert. 

Welche Geschenke liegen unter dem Weihnachtsbaum?

In einigen Branchen lief das GeschĂ€ft besser. Laut Handelsverband zĂ€hlten Gutscheine und Spielwaren erneut zu den beliebtesten Geschenken. BĂŒcher, Uhren und Schmuck waren Genth zufolge ebenfalls begehrt. Eine große Nachfrage verzeichneten nach NIQ-Angaben auch technische KonsumgĂŒter. Deutlich besser als im Vorjahr verkauften sich unter anderem Roboterstaubsauger (+24?Prozent), Heißluftfritteusen (+15?Prozent), Desktop-PCs (+18 Prozent) und Laptops (+13 Prozent). Der Onlinehandel profitierte zum Jahresende besonders, begĂŒnstigt durch die Rabattaktion Black Friday.

Mit dem Heiligabend ist das WeihnachtsgeschÀft nicht abgeschlossen. Nach den Feiertagen beginnt eine kurze, aber wichtige Nachspielzeit, die dem Handel Hoffnung macht. Viele Kunden nutzen die freien Tage zwischen Weihnachten und Neujahr zum Einkaufen, geben Geldgeschenke aus und lösen Gutscheine ein. HÀufig belassen sie es nicht dabei, sondern legen noch etwas obendrauf. Immerhin 14 Prozent der HÀndler gaben in einer HDE-Umfrage an, dass die Zeit nach den Feiertagen die umsatzstÀrkste Phase im WeihnachtsgeschÀft ist. 

Der Einzelhandel rechnet im November und Dezember hierzulande mit Erlösen von 126,2 Milliarden Euro. Dies entsprĂ€che einem nominalen Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, bliebe der Umsatz damit jedoch allenfalls auf einem Ă€hnlichen Niveau. Eine abschließende Bilanz will der Verband erst im Januar ziehen.

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