Keine Einigung in Finanzstreit ĂŒber Deutschlandticket
12.10.2023 - 12:05:07Die LĂ€nder sind weiterhin bereit, die erwarteten zusĂ€tzlichen Mehrkosten fĂŒr das Deutschlandticket im kommenden Jahr zu finanzieren - der Bund bislang nicht. Die Verkehrsministerkonferenz (VMK) in Köln ging am Donnerstag ohne eine Einigung in der Sache zu Ende.
Der VMK-Vorsitzender und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne) sagte nach den Beratungen, es habe von Seiten des Bundes keine unmittelbare Finanzzusage gegeben. Die Frage soll nun auf Ebene der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, also zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und den Regierungschefs der LĂ€nder geklĂ€rt werden.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), der an den Beratungen der Verkehrsministerinnen und -minister am Mittwoch und Donnerstag in Köln teilgenommen hatte, betonte am Rande eines Besuchs in einem ICE-Werk in Köln im Anschluss an die Konferenz: «Wir verhalten uns hier vollkommen vertragstreu.» Was bisher seitens seines Ministeriums in Haushaltsfragen und in finanziellen Fragen gemacht worden sei, entspreche eins zu eins den Vereinbarungen, die mit den LÀndern getroffen worden seien.
Wissing sprach von einer Aufregung, die in keiner Sache weiterfĂŒhre: «Wir haben ein Ticket, wir haben eine Vereinbarung, die Vereinbarung wird umgesetzt. Und wenn Dinge sich aus der Sicht der LĂ€nder Ă€ndern, dann mĂŒssen sie das klĂ€ren.» Bund und LĂ€nder schieĂen 2023 und 2024 jeweils 1,5 Milliarden Euro fĂŒr die Kosten des Deutschlandtickets zu. Umstritten sind aber zusĂ€tzliche Gelder, die wegen gestiegener Kosten fĂŒr Personal und Energie nötig werden.
Krischer: Der Bund ist am Zug
Krischer Ă€uĂerte die Erwartung, dass der Kanzler und die Regierungschefs den Streit bei ihrer kommenden Konferenz am 6. November lösen: «Ich denke, damit ist auch klar, wo jetzt die Verantwortung fĂŒr die Zukunft liegt», sagte er. «Wir als LĂ€nder haben unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist der Bund am Zug, die Entscheidungen zu treffen.» Er betonte, dass es aus Sicht der LĂ€nder kurzfristig zu einer Entscheidung kommen mĂŒsse. Sonst hĂ€tten die Verkehrsunternehmen keine Planungssicherheit, was Probleme fĂŒr die Zukunft des Tickets brĂ€chte.
Kritik am Handeln der Bundesregierung gab es aus der Bundestagsopposition. Unionsverkehrsexperte Ulrich Lange (CSU) warf Wissing vor, sich aus der Verantwortung zu stehlen: «Erst hat er die Umsetzung den LĂ€ndern und Kommunen aufgedrĂŒckt und jetzt lĂ€sst er sie auch bei der Finanzierung noch mehr im Regen stehen.» Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einer gestrigen Verkehrspolitik: «FĂŒr Verkehrsminister Wissing scheint es selbstverstĂ€ndlich, viele Milliarden in noch mehr Autobahnen zu stecken, aber er ist nicht bereit, den beispiellosen Erfolg des Deutschlandtickets fĂŒr ein Bruchteil solcher Summen fortzuschreiben.»
Auch bei einem möglichen bundesweiten Semesterticket fĂŒr Studierende im Rahmen des Deutschlandtickets kam die Verkehrsministerkonferenz mit dem Bund am Donnerstag zu keinem Ergebnis. Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) betonte, das Semesterticket sei ein Wunsch aller 16 LĂ€nder. Vorher brauche es aber eine langfristige Perspektive des Deutschlandtickets.
Fortschritte sahen die LĂ€nder bei den HandlungsspielrĂ€umen fĂŒr Kommunen bei der Ausweisung von Tempo-30-Zonen. Hier habe das Bundesverkehrsministerium angekĂŒndigt, bei der Ănderung der StraĂenverkehrsordnung mehr EntscheidungsspielrĂ€ume zu schaffen, unter anderem an SpielplĂ€tzen, hochfrequentierten Schulwegen oder fĂŒr kurze Streckenabschnitte. Die LĂ€nder begrĂŒĂten diesen Schritt, forderten aber noch mehr FlexibilitĂ€t. «Die Kommunen wollen selbst entscheiden, wie sie ihren Verkehr vor Ort organisieren und lenken», sagte Krischer.







