Finale im LĂ€nder-Tarifstreit - Gewerkschaften machen Druck
07.12.2023 - 07:20:04Verdi-Chef Frank Werneke forderte die LĂ€nder dazu auf, ein ausreichendes Angebot vorzulegen. "Das Versteckspiel muss jetzt ein Ende haben", sagte Werneke der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Die Entschlossenheit der LĂ€nderbeschĂ€ftigten, fĂŒr ihre Forderungen ernsthaft zu kĂ€mpfen, ist im Rahmen der aktuellen Warnstreiks mehr als deutlich geworden", mahnte Werneke. Die Arbeitgeber mĂŒssten den Unmut in den Belegschaften ernst nehmen.
In den vergangenen Wochen waren unter anderem BeschĂ€ftigte von Unikliniken, Hochschulen und dem Justizwesen fĂŒr mehr Einkommen in Warnstreiks getreten. Allein in DĂŒsseldorf waren am Dienstag rund 15 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in DemonstrationszĂŒgen durch die Innenstadt gezogen. Die dritte Verhandlungsrunde der Gewerkschaften mit den LĂ€nder-Arbeitgebern startet an diesem Donnerstag in Potsdam.
Weitere Streiks möglich
Auch der Vorsitzende des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, betonte die Kampfbereitschaft der Gewerkschaften, die auch in den LĂ€ndern mobilisierungsfĂ€hig seien. "Die Kolleginnen und Kollegen sind auch im LĂ€nderbereich an vielen zentral wichtigen Stellen zu Erzwingungsstreiks in der Lage", sagte Silberbach. Solche Streiks wĂŒrden eine Urabstimmung voraussetzen. Wahrscheinlicher ist nach Ansicht von Beobachtern, dass es in Potsdam bis zum Wochenende zu einem Durchbruch kommt oder die Verhandlungen noch einmal vertagt werden. In diesem Fall wĂ€ren neue Warnstreiks wahrscheinlich.
"Wir erwarten, dass die LĂ€nderarbeitgeber in Potsdam endlich ein Angebot vorlegen, das nicht hinter den TVöD-Abschluss zurĂŒckfĂ€llt", forderte Werneke. Damit spielte er auf den Abschluss fĂŒr Bund und Kommunen vom April an. Wie im aktuellen Tarifstreit hatten die Gewerkschaften 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr gefordert. Der damalige Abschluss hatte steuer- und abgabenfreie Sonderzahlungen von insgesamt 3000 Euro, einen Sockelbetrag von 200 Euro sowie anschlieĂend 5,5 Prozent mehr umfasst. Die LĂ€nder hatten die Gewerkschaftsforderungen als zu teuer zurĂŒckgewiesen.
Gemischte Signale
Werneke sagte: "AuĂerdem mĂŒssen hunderttausende studentisch BeschĂ€ftigte endlich tarifiert werden." Insgesamt hĂ€tten die LĂ€nder die Verantwortung dafĂŒr, eine ordnungsgemĂ€Ăe Versorgung der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mit öffentlichen Dienstleistungen und eine angemessene Bezahlung ihrer BeschĂ€ftigten zu gewĂ€hrleisten.
Silberbach zufolge hatten die Gewerkschaften in den vergangenen Tagen gemischte Signale von der LĂ€nderseite erhalten. Die LĂ€nderfinanzminister sĂ€hen zwar langsam ein, dass sie bei der Bezahlung mit Bund und Kommunen auf Augenhöhe bleiben mĂŒssten. Gleichzeitig wollten sie die BeschĂ€ftigten zur Haushaltssanierung der LĂ€nder heranziehen. Reallohnverluste wĂŒrden die Gewerkschaften aber nicht in Kauf nehmen.

