Wie erfolgreich ist der TikTok-Shop?
24.03.2026 - 03:00:04 | dpa.deSeit MĂ€rz 2025 ist TikTok nicht mehr nur ein soziales Netzwerk. Nutzer in Deutschland können in der Video-App seitdem auch einkaufen. Welche Relevanz hat der Shop zwölf Monate nach dem Start? Ein Ăberblick:
Wie viele Menschen kaufen bei TikTok ein?
Laut Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ haben gut 15 Prozent der erfassten Online-KĂ€ufer in Deutschland zwischen dem 31. MĂ€rz 2025 und dem 1. MĂ€rz dieses Jahres schon mindestens einmal im TikTok-Shop gekauft. Im Herbst 2025 hatte der Anteil noch bei 10,5 Prozent gelegen. Die Entwicklung deute darauf hin, dass der Shop von Kunden zunehmend in die regelmĂ€Ăigen Einkaufsroutinen integriert werde, sagt NIQ-Marktforscher Stefan Heidenreich. Ein Jahr nach seinem Start belegt der TikTok-Shop in der Umsatz-Rangliste der erfassten OnlinehĂ€ndler in Deutschland derzeit den 15. Platz.Â
Das Angebot wird offenkundig nicht nur von jĂŒngeren Menschen genutzt. Der KĂ€uferanteil verteilt sich relativ gleichmĂ€Ăig auf die Altersgruppen bis 66 Jahre. Ăltere bestellen deutlich seltener. Laut NIQ ist Mode im TikTok-Shop mit einem Anteil von 17 Prozent die umsatzstĂ€rkste Warengruppe, gefolgt von Computer? und Elektronikprodukten (16 Prozent) sowie der Kategorie Wohnen und HaushaltsgerĂ€te (14 Prozent). Heidenreich zufolge haben zuletzt auch Lebensmittel und Tierbedarf an Bedeutung gewonnen.Â
Laut einer YouGov-Umfrage kaufen sieben Prozent der Menschen in Deutschland einmal pro Woche oder hÀufiger bei TikTok ein, jeder Zweite kennt den Shop noch gar nicht. Das Institut hat mehr als 2.000 Menschen reprÀsentativ befragt.
Wie zufrieden sind die Verantwortlichen selbst?
Der Leiter des deutschen TikTok-Shop, Max Burianek, sagt: «Wir sehen seit dem Start eine starke Entwicklung in allen Bereichen.» Jeden Monat kĂ€men neue VerkĂ€ufer und Creator hinzu, die das Produktangebot fĂŒr Kunden erweiterten. Konkrete Umsatz- oder Nutzerzahlen fĂŒr den Shop nennt das Unternehmen nicht. Die tĂ€glichen UmsĂ€tze der VerkĂ€ufer hĂ€tten sich in den letzten sechs Monaten nahezu verdoppelt, sagt Burianek. Er sieht groĂes Wachstumspotenzial. TikTok wird nach eigenen Angaben pro Monat von mehr als 27 Millionen Menschen in Deutschland genutzt.
Laut Burianek gibt es bereits mehr als 25.000 VerkĂ€ufer. Dazu zĂ€hlen neben kleinen und mittleren Unternehmen auch groĂe Marken wie L'OrĂ©al, Nivea, Philips, Samsung, Tefal, The Body Shop, Tonies, Triumph und WMF. Zu den meistgekauften Produkten gehören demnach unter anderem Damen-Sneaker, drahtlose TĂŒrklingel-Kameras, LaufbĂ€nder, Koffersets, Katzen-KratzbĂ€ume sowie Sandalen und Ăbungshefte fĂŒr Kinder.
Wie funktioniert der Shop?
Auf TikTok werden Inhalte und Produkte auf Basis des Nutzerverhaltens angezeigt. Der Algorithmus analysiert, was Menschen anschauen, liken oder kommentieren, und spielt passende Inhalte aus. Produkte aus Videos oder Livestreams lassen sich direkt in der App kaufen. Der gesamte Bestellprozess ist in die Plattform integriert. TikTok erhĂ€lt fĂŒr jeden Kauf eine Provision von bis zu neun Prozent.Â
Eine zentrale Rolle spielen Influencer, sogenannte Content Creator, die mit HĂ€ndlern zusammenarbeiten und von ihnen beauftragt werden. Sie produzieren Inhalte, stellen Artikel vor und bewerben sie - und fungieren dabei als Vermittler. Das erinnert an Teleshopping-Sender wie QVC. TikTok will mit seinem Marktplatz Trends setzen und ein neues Genre begrĂŒnden. «Discovery commerce» soll Unterhaltung, Community und Entdeckung verbinden und ein neues Einkaufserlebnis schaffen.Â
Der Sprecher des E-Commerce-Verbandes BEVH, Frank DĂŒssler, sagt: «TikTok hat dem Handel eine Formel prĂ€sentiert, wie man Menschen auch in Zeiten allgemeiner KaufzurĂŒckhaltung wieder zum Impulskauf bringen kann.» Die Plattform stehe fĂŒr Dynamik in einem Markt, in dem viele klassische Onlineshops aktuell stagnierten.
Welche Wirkung Portale wie TikTok entfalten können, zeigte sich kĂŒrzlich auch bei Skyr. Weil Rezepte in den sozialen Medien stark gepusht wurden und einen Hype auslösten, ist das Milchprodukt bei SupermĂ€rkten und Discountern seit Wochen teilweise vergriffen.
Warum ist TikTok umstritten?
TikTok steht öffentlich in der Kritik. Die EU-Kommission geht gegen die Plattform vor - wegen möglicher suchtfördernder Mechanismen und schĂ€dlicher Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Dem Unternehmen droht eine heftige Strafe. Eine von der Kommission beauftragte Expertengruppe soll bis Ende des Sommers VorschlĂ€ge erarbeiten, wie Kinder und Jugendliche online besser geschĂŒtzt werden können. TikTok weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck.Â
Aktuelle Untersuchungen belegen den negativen Einfluss sozialer Medien wie TikTok, Snapchat oder Instagram. Laut einer Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit nutzen mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen Social Media in riskantem oder sogar krankhaftem AusmaĂ. TikTok erklĂ€rt auf Nachfrage, neue Forschungen hĂ€tten keine eindeutigen Belege dafĂŒr geliefert, dass soziale Medien negative Auswirkungen haben, und verweist auf bestehende Sicherheits- und Datenschutzeinstellungen fĂŒr Teenager-Konten.Â
In der Politik wird derzeit ĂŒber strengere Vorgaben diskutiert. CDU und SPD befĂŒrworten ein komplettes Social-Media-Verbot fĂŒr Kinder unter 14 Jahren.
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