VW-Krise: 55.000 bis 70.000 Stellenstreichungen geplant
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehr als 4.000 Beschäftigte werden heute vor den Werkstoren in Neckarsulm erwartet. Die IG Metall und der Betriebsrat haben zu der Protestaktion gegen die Sparpläne des Volkswagen-Konzerns aufgerufen. Die Arbeitnehmervertreter rechnen mit einer hohen Beteiligung.
Audi kappt Umsatzprognose
Der Audi-Vorstand hat die Erwartungen für 2026 nach unten korrigiert. Statt 63 bis 68 Milliarden Euro Umsatz peilt die Tochter nun 58 bis 63 Milliarden an. Auch die operative Rendite sinkt: Statt 6 bis 8 Prozent sind nur noch 5 bis 7 Prozent drin. Im zweiten Quartal brach der Gewinn um 21 Prozent auf 563 Millionen Euro ein.
Besonders das Chinageschäft bereitet Sorgen. Im ersten Halbjahr fiel das Ergebnis dort von 292 auf 73 Millionen Euro. Die Folgen treffen Neckarsulm hart: Ab November fällt die Nachtschicht weg. Die jährliche Produktionskapazität sinkt von 225.000 auf 150.000 Fahrzeuge.
Im Werk laufen ausschließlich Verbrenner der Baureihen A5, A6, A7 und A8 vom Band. Für den A8 gibt es bislang keinen Nachfolger, andere Modelle laufen perspektivisch aus. Bis 2029 sollen insgesamt 7.500 Stellen wegfallen – trotz einer Beschäftigungsgarantie bis in die 2030er Jahre.
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Porsche baut 8.900 Stellen ab
Auch die Schwestertochter Porsche verschärft den Sparkurs. Der Aufsichtsrat bestätigte ein Paket mit 8.900 wegfallenden Stellen bis 2035. Das sind 5.000 zusätzliche Streichungen zu den bereits bekannten 3.900. Die Standorte Zuffenhausen und Weissach sind bis 2035 gesichert, betriebsbedingte Kündigungen sollen ausgeschlossen bleiben.
Für Investitionen von 2,1 Milliarden Euro müssen die Mitarbeiter ran: Tariferhöhungen von 3,5 Prozent werden teilweise einbehalten, das Weihnachtsgeld sinkt auf 60 Prozent. Führungskräfte verzichten 2027 und 2028 auf Gehaltserhöhungen. Porsche begründet das mit dem Absatzeinbruch in China, neuen US-Zöllen und hohen Kosten für die E-Mobilität. Für 2026 rechnet der Sportwagenbauer mit 250.000 verkauften Fahrzeugen – ein deutlicher Rückgang zu 2023.
VW-Konzern in der Krise
Der gesamte Volkswagen-Konzern steht massiv unter Druck. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Gewinn um 33 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Konzernchef Blume will bis Ende des Jahres ein umfassendes Sparpaket durch den Aufsichtsrat bringen. Im Gespräch sind 55.000 bis 70.000 Stellenstreichungen konzernweit.
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Die Schließung von bis zu vier Werken – darunter Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm – wurde geprüft, fand aber zunächst keine Mehrheit im Aufsichtsrat. Branchenexperten warnen vor Dominoeffekten für die Zulieferindustrie, besonders in Baden-Württemberg. Bei einer weiteren Verschärfung könnten bis zu 200.000 Jobs bei Zulieferern gefährdet sein.
Der Konzern kämpft mit Überkapazitäten von rund 500.000 Fahrzeugen in Europa. Hoffnung ruht auf neuen Modellen wie dem elektrischen ID.Polo, der ab Herbst 2026 ausgeliefert werden soll. Die entscheidende Aufsichtsratssitzung zur Standortstruktur ist für den 4. September geplant.
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