VW-Krise, Betriebsrat

VW-Krise: Betriebsrat fordert Klarheit über 120.000 Jobabbau

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 00:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Volkswagen-Aufsichtsrat vertagt Entscheidung über Sparpläne. Betriebsratschefin Cavallo fordert von CEO Blume Klarheit zu möglichen Werksschließungen und Massenentlassungen.

Volkswagen-Krise: Betriebsrat stellt Blume Ultimatum zu Werksschließungen
Betriebsratsvorsitzende spricht vor besorgten VW-Mitarbeitern in einer Fabrikhalle, mit Maschinen im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Juli in Wolfsburg – ohne Ergebnis. Betriebsratschefin Daniela Cavallo fordert nun von Vorstandschef Oliver Blume Klarheit über drohende Werkschließungen und den Abbau von zehntausenden Jobs.

Stillstand im Aufsichtsrat – Ultimatum der Arbeitnehmer

Der Vorstand präsentierte in der Sitzung ein „Zielbild 2030“ mit zwölf Initiativen zur Umstrukturierung. Konkrete Angaben zu den Folgen für die Belegschaft blieb er schuldig. Laut Kreisen aus dem Aufsichtsrat scheiterte Blume mit dem Versuch, den Plan in erster Abstimmung durchzusetzen. Sowohl Arbeitnehmervertreter als auch das Land Niedersachsen verweigerten die Zustimmung.

Cavallo setzte dem Vorstandschef eine Frist bis zum 10. Juli. Sie verlangt eine verbindliche Stellungnahme zu den kursierenden Berichten über Massenentlassungen. Ohne Klarheit droht die Arbeitnehmerseite mit außerordentlichen Betriebsversammlungen nach der Sommerpause.

Bereits am Tag der Sitzung protestierten hunderte Mitarbeiter in Wolfsburg. Die IG Metall organisierte Aktionstage an über einem Dutzend Standorten.

Sparprogramm historischen Ausmaßes

Offizielle Zahlen zu Entlassungen nannte der Vorstand nicht. Doch die Gerüchte verdichten sich: Weltweit könnten bis zu 120.000 Stellen wegfallen – rund 16 Prozent der gesamten Belegschaft. Allein in Deutschland stehen vier Standorte zur Disposition: Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Rund 40.000 Mitarbeiter arbeiten dort.

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Der Zeitplan reicht bis Mitte des nächsten Jahrzehnts. Laut Branchenberichten könnte die Produktion in Zwickau und Emden 2031 enden, in Hannover 2032 und in Neckarsulm 2034.

Flankiert wird der Stellenabbau durch eine radikale Straffung des Portfolios. Außerhalb Chinas soll die Modellpalette um 50 Prozent schrumpfen, die Ausstattungsoptionen sogar um 75 Prozent. Investitionskürzungen von 45 bis 50 Milliarden Euro stehen im Raum, zudem der Abbau von 5.500 Management-Stellen.

Machtkampf zwischen Vorstand, Betriebsrat und Eigentümern

Die wirtschaftliche Lage des Konzerns hat sich dramatisch verschlechtert. 2025 brach der operative Gewinn um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ein.

Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch drängen darauf, den Einfluss von Betriebsrat und Land Niedersachsen zu beschneiden. Die Arbeitnehmervertreter verweisen dagegen auf bestehende Vereinbarungen: Eine Beschäftigungssicherung bis 2030 untersagt betriebsbedingte Kündigungen. Ein Verstoß würde Strafzahlungen von einer Milliarde Euro auslösen.

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Die IG Metall und das Land Niedersachsen lehnen Werksschließungen kategorisch ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner stimmte die Belegschaft auf eine schwere Zeit ein. Sie kritisiert, dass Stellenstreichungen nicht pauschal vorgenommen werden dürften.

Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung ist für September angesetzt. Bis dahin zeichnet sich ein monatelanger Machtkampf ab – zwischen dem Vorstand, der den Umbau in Etappen forcieren will, und den Arbeitnehmervertretern, die um jeden Standort kämpfen werden.

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