VW-Krise: Betriebsrat fordert Zusagen bei 50.000 gefÀhrdeten Jobs
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts des verschÀrften Sparkurses beim Volkswagen-Konzern fordert die Arbeitnehmervertretung des Werks in Kassel-Baunatal verbindliche Zusagen der Unternehmensleitung.
Nach einer auĂerordentlichen Betriebsversammlung am 28. August 2026 betonte der Betriebsrat des Standorts, an dem rund 15.000 BeschĂ€ftigte tĂ€tig sind, die Notwendigkeit, zu den Vereinbarungen aus dem Tarifabschluss 2024 zu stehen. Der Konzern ringt derzeit um ein umfassendes Sparpaket, wĂ€hrend die Sorge um die Sicherheit der ArbeitsplĂ€tze wĂ€chst.
Massive Stellenstreichungen und finanzielle EngpÀsse
Die Lage im Konzern hat sich nach Angaben der Arbeitnehmervertreter deutlich zugespitzt. VW-Chef Oliver Blume strebt eine massive Senkung der Kosten an, wobei nach EinschÀtzung der Betriebsratschefin Daniela Cavallo zusÀtzlich bis zu 50.000 ArbeitsplÀtze gefÀhrdet sein könnten.
Davon entfielen etwa 25.000 Stellen auf Standorte in Deutschland. Insgesamt rechnet der Betriebsrat in einem weitreichenden Szenario mit bis zu 115.000 betroffenen Stellen, wobei auch WerkschlieĂungen nicht mehr ausgeschlossen werden.
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Der Vorstand begrĂŒndet den harten Sparkurs mit der mangelnden RentabilitĂ€t. Technik-Vorstand Thomas Schmall verdeutlichte die angespannte Finanzlage mit dem Hinweis, dass von 100 Euro Umsatz derzeit weniger als 4 Euro als Gewinn verbleiben wĂŒrden.
WĂ€hrend Oliver Blume erklĂ€rte, dass eine endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber mögliche WerkschlieĂungen noch nicht getroffen worden sei, kĂŒndigte er bereits Einschnitte im Management an. Hier ist ein Stellenabbau von 25 Prozent vorgesehen.
GefÀhrdete Standorte und internationale WettbewerbsfÀhigkeit
Besonders kritisch wird die Situation fĂŒr vier spezifische Standorte bewertet: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Laut Unternehmensangaben gebe es fĂŒr diese Werke derzeit keine wettbewerbsfĂ€hige Belegung fĂŒr die 2030er-Jahre. In Emden, wo 7.700 Menschen beschĂ€ftigt sind, liegen die Arbeitskosten nach Konzernberechnungen mehr als doppelt so hoch wie an vergleichbaren europĂ€ischen Standorten.
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Auch im Werk Zwickau ist die Entwicklung rĂŒcklĂ€ufig. Die Zahl der BeschĂ€ftigten sank dort bereits von ehemals 11.000 auf aktuell 8.000. FĂŒr das Jahr 2027 ist zudem die Stilllegung einer Fertigungslinie geplant.
In Dresden wurde eine geplante Betriebsversammlung bereits abgesagt, da dort keine Automobilproduktion mehr stattfindet. Die Unsicherheit ĂŒber die Zukunft der Standorte spiegelte sich auch am Kapitalmarkt wider, wo die VW-Aktie zeitweise Kursverluste von zwei Prozent verzeichnete.
Gewerkschaft und Politik fordern Zukunftsstrategien
Die IG Metall kritisierte das Vorgehen des Vorstands scharf. Bezirksleiter Thorsten Gröger wies darauf hin, dass die BeschÀftigten bereits einen Beitrag zu den Arbeitskosten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro geleistet hÀtten. Er forderte die Einhaltung bestehender VertrÀge und mahnte an, dass reines Sparen keine tragfÀhige Zukunftsstrategie darstelle. Die entscheidenden Fragen zur langfristigen Ausrichtung seien vom Vorstand bislang nicht beantwortet worden.
UnterstĂŒtzung kommt aus der Politik. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies forderte die GeschĂ€ftsfĂŒhrung auf, ein tragfĂ€higes Zukunftskonzept vorzulegen.
Das Land Niedersachsen prĂŒft unterdessen konkrete MaĂnahmen zur Standortsicherung und stellt einen Einstieg beim Werk in OsnabrĂŒck mit einem Investment von mindestens 200 Millionen Euro in Aussicht. Ziel ist es, den industriellen Kern und die damit verbundenen ArbeitsplĂ€tze in der Region zu stabilisieren.
