VW-Tarifkonflikt: IG Metall droht mit Streiks für 130.000 Beschäftigte
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm Tarifkonflikt bei der Volkswagen AG verschärft sich die Lage deutlich. Die Gewerkschaft IG Metall bereitet sich auf einen umfassenden Arbeitskampf vor, sollte der Automobilkonzern die Kündigung von zehn Tarifverträgen nicht zurücknehmen. Verhandlungsführer Thorsten Gröger forderte das Unternehmen auf, diesen Schritt bis Ende Oktober 2026 zu revidieren.
Andernfalls werde die Gewerkschaft konkrete Vorbereitungen für Streikmaßnahmen einleiten. Da die tarifliche Friedenspflicht am 31. Dezember 2026 endet, wären ab Januar 2027 ganztägige Warnstreiks sowie eine Urabstimmung über unbefristete Streiks rechtlich möglich.
Kündigungswelle beendet jahrzehntelange Tarifabsicherung
Der Automobilhersteller hatte Ende September 2026 zehn von 13 Haustarifverträgen zum Jahresende aufgekündigt, darunter nach Gewerkschaftsangaben auch den zentralen Manteltarifvertrag. IG-Metall-Bezirksleiter Gröger kritisierte diesen Schritt scharf und erklärte, das Unternehmen habe damit die bewährte Sozialpartnerschaft aufgekündigt.
Die Zeichen stünden auf einer Auseinandersetzung, die größer ausfallen könnte als alles, was der Konzern bislang erlebt habe. Der Haustarifvertrag regelt die Arbeitsbedingungen für rund 130.000 Beschäftigte. Die Arbeitnehmerseite verlangt in der anstehenden Runde eine Entgelterhöhung um fünf Prozent.
Trotz der verhärteten Fronten verständigten sich beide Seiten auf Verhandlungstermine. Die Gespräche sollen am 24. November 2026 in Emden beginnen und am 15. Dezember 2026 in Zwickau fortgesetzt werden; eine Schiedsvereinbarung sah einen Beginn bis spätestens 3. Dezember 2026 vor.
Das Management hält unterdessen an der Tarifkündigung fest und verfolgt das Ziel, die Arbeitskosten im Rahmen des sogenannten Zukunftsplans 2030 schnellstmöglich zu senken.
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Geplante Einschnitte und Sparziele des Konzerns
Die wirtschaftlichen Pläne der Unternehmensführung sehen weitreichende Einschnitte vor. Der Aufsichtsrat beschloss Anfang September das Programm Zukunftsplan 2030. Damit soll der operative Gewinn von zuletzt 3,80 Euro je 100 Euro Umsatz auf 9 Euro bis zum Jahr 2030 steigen. Weltweit sollen 50.000 Stellen abgebaut werden, wovon schätzungsweise rund 25.000 auf deutsche Standorte entfallen könnten.
Nach Berichten von Medien und Agenturen stehen intern noch weitergehende Überlegungen im Raum, die einen Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von bis zu vier Standorten in Deutschland umfassen könnten. Zudem ist die Zukunft der Werke in Emden, Hannover, Zwickau sowie von Audi in Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus ungesichert.
Dem Betriebsrat zufolge plant der Vorstand darüber hinaus, die Gehälter der weltweit rund 660.000 Mitarbeiter bis zum Jahr 2030 einzufrieren. Bis Mitte 2027 soll zudem ein Konzept für die künftige europäische Produktionsstruktur ausgearbeitet werden. Im Bereich der operativen Exzellenz strebt der Konzern eine Kostenreduktion von rund 20 Milliarden Euro bis 2030 an, ergänzt um Einsparungen bei den Gemeinkosten in Höhe von etwa 11 Milliarden Euro.
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Debatte über Transfergesellschaften und Werksschließungen
Um den Stellenabbau abzufedern, setzt das Management auf maximal freiwillige Abgänge sowie die Einrichtung förderfähiger Transfergesellschaften unter Einbindung des Transfer-Kurzarbeitergeldes der Bundesagentur für Arbeit. Die IG Metall wies dieses Modell zurück und bezeichnete es als Sanierungsversuch auf Kosten der Steuerzahler; auch der Betriebsrat lehnte den Vorstoß ab.
Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies bewertete das vorgehen differenzierter. Die Kündigung der Tarifverträge schaffe zwar neue Verhandlungsoptionen, und viele Mitarbeiter schieden ohnehin altersbedingt und sozialverträglich aus dem Unternehmen aus.
Gleichzeitig warnte der Politiker jedoch vor einem dauerhaften Substanzverlust bei industriellen Arbeitsplätzen. Kommt es bis zum Ablauf des Ultimatums Ende Oktober zu keinem Einlenken der Unternehmensseite, rückt ein harter Tarifkonflikt zum Jahreswechsel unausweichlich näher.
