VW-Zukunftsplan, Konzern

VW-Zukunftsplan 2030: Konzern plant massive Kapazitätsanpassungen

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die IG Metall nominiert neue Arbeitnehmervertreter für VW, während Sparziele, mögliche Stellenreduzierungen und Standortfragen den Konzern prägen.

Volkswagen: IG Metall stellt Weichen für Aufsichtsratswahl 2027
Ein weitläufiges Industriegelände eines Automobilwerks bei Dämmerung mit moderner Architektur und Backsteinfassaden. Illustration mit AI erstellt.

Die Weichen für die künftige Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat der Volkswagen AG sind gestellt. In Wolfsburg haben rund 400 Delegierte der IG Metall den Wahlvorschlag für die Arbeitnehmerbank des Kontrollgremiums beschlossen. Die Liste sieht für die im Frühjahr 2027 anstehende Neuwahl signifikante personelle Veränderungen vor, während der Konzern vor tiefgreifenden Umstrukturierungen steht.

Personelle Neuausrichtung und Kontinuität

Angeführt wird der Wahlvorschlag erneut von der Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo. Neu in das Gremium einziehen sollen nach dem Willen der Delegierten der Porsche-Betriebsratschef Ibrahim Aslan, der Bezirksleiter der IG Metall, Thorsten Gröger, sowie Manfred Wulff. Wulff steht seit 2018 an der Spitze des Betriebsrats im Werk Emden, das rund 7.700 Beschäftigte zählt. Sein Einzug in das Kontrollorgan ist für das Jahr 2027 geplant.

Die Wahl im kommenden Frühjahr umfasst neun der insgesamt zehn Arbeitnehmermandate, die turnusgemäß alle fünf Jahre neu besetzt werden. Erstmals zeichnet sich dabei ein verstärkter Wettbewerb ab, da der AfD-nahe Verein Zentrum angekündigt hat, mit einer eigenen Liste bei der Aufsichtsratswahl anzutreten.

Kritik an fehlender Repräsentanz sächsischer Standorte

Trotz der breiten Zustimmung der Delegierten in Wolfsburg stieß die Zusammensetzung der Liste regional auf Widerspruch. Kritik wurde insbesondere an der fehlenden Berücksichtigung sächsischer Standorte laut. Erneut befindet sich kein Kandidat aus Sachsen unter den Nominierten, was zu Diskussionen über die angemessene Repräsentanz der ostdeutschen Werke innerhalb der Konzernmitbestimmung führte.

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Strategische Herausforderungen und der Zukunftsplan 2030

Die personelle Neuaufstellung fällt in eine phase massiven wirtschaftlichen Drucks. Anfang September hatte der Aufsichtsrat bereits einstimmig den sogenannten Zukunftsplan 2030 gebilligt. Dieser sieht vor, die operative Umsatzrendite bis zum Ende des Jahrzehnts auf 9 % zu steigern und das operative Ergebnis auf rund 31 Mrd. Euro zu heben. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 lag die Marge bei 3,8 %, bei der Kernmarke VW sogar lediglich bei 2,4 %.

Der Sparkurs ist mit erheblichen Kapazitätsanpassungen verbunden. Der Vorstand hat rechnerisch einen Bedarf zum Abbau von weltweit 50.000 Arbeitsplätzen abgeleitet, wovon etwa die Hälfte auf Standorte in Deutschland entfallen soll.

Betroffen sind vor allem die Werke Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm, für die laut Konzernangaben zwischen 2031 und 2034 keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gesichert ist. In diesen Werken sollen die Kosten innerhalb eines Jahres um 1,5 Mrd. Euro gesenkt werden.

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Politische Einordnung und industrieller Umbau

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete die Einigung auf den Sparkurs als Beginn eines langen und schmerzhaften Weges. Er stellte klar, dass der Aufsichtsrat keinen konkreten Abbauplan für 50.000 Stellen beschlossen habe, sondern es sich um eine rechnerische Ableitung des Vorstandes handle. Für das Werk Osnabrück ist laut dem Ministerpräsidenten ein Verkauf vorgesehen.

In Sachsen forderte Wirtschaftsminister Dirk Panter unterdessen zeitnah ein Konzept für das Werk Zwickau, um die Fahrzeugproduktion langfristig zu sichern. Einem kurzfristigen Umbau zu einem Rüstungsstandort erteilte er eine Absage.

Christiane Benner, die Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von VW, betonte, dass das Vertrauen in Konzernchef Oliver Blume wiederhergestellt werden müsse. Sie erklärte zudem, dass es keine Standortgarantien über das Jahr 2030 hinaus gebe.

Die Arbeitnehmerseite habe über fast ein Jahr hinweg für Alternativkonzepte gekämpft. Berichte über bereits beschlossene Werksschließungen wies sie als unzutreffend zurück. Zur Untermauerung ihrer Forderungen hat die Gewerkschaft für den 21. September zu einem Aktionstag für alle Automobilwerker aufgerufen.

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