Wachstumsprognose 2026: Bundesregierung hebt Erwartung auf 1,3 Prozent
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesregierung hat ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 spürbar nach oben korrigiert und rechnet nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,3 Prozent. In ihrer Frühjahrsprojektion im April war die Regierung noch von einem Zuwachs von 0,5 Prozent ausgegangen.
Trotz der verbesserten Konjunkturaussichten warnte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor erheblichen Risiken für den Standort: Ohne tiefgreifende Reformen drohe ein Anstieg der Sozialbeiträge von gegenwärtig 42 Prozent auf mehr als 47 Prozent.
Staatsausgaben und Exportgeschäft treiben das Wachstum
Wie Wirtschaftsministerin Reiche am 8. Oktober 2026 erläuterte, lassen sich rund zwei Drittel der positiven Prognoseanpassung auf Investitionen in die Infrastruktur sowie auf Verteidigungsausgaben zurückführen. Das restliche Drittel entfalle auf den Außenhandel.
Zudem wies das Bundeswirtschaftsministerium am 8. Oktober 2026 darauf hin, dass deutschlandweit durchschnittlich 2,4 zusätzliche Arbeitstage mit 0,3 Prozentpunkten zum prognostizierten Wachstum für 2026 beitragen.
Für das Jahr 2027 stellt die Bundesregierung ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent in Aussicht, nachdem zuvor 0,9 Prozent veranschlagt worden waren. Für das Jahr 2028 rechnet die Regierung mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies jedoch darauf, dass der weitere konjunkturelle Pfad stark von den Entwicklungen der Konflikte im Nahen Osten und in der Ukraine abhänge.
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Trotz des Iran-Kriegs und erhöhter Energiepreise habe sich die Wirtschaft robuster gezeigt als zunächst angenommen. Stützend wirken nach Regierungsangaben neben dem Außenhandel auch Lageraufstockungen sowie eine anhaltende Nachfrage nach Ausrüstungen für Rechenzentren.
Für die deutschen Exporte wird 2026 nach einem Rückgang von 0,9 Prozent im Jahr 2025 ein Zuwachs von 3,7 Prozent erwartet. Zuletzt verlief die Entwicklung allerdings verhalten: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sanken die kalender- und saisonbereinigten Ausfuhren im August um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro.
Fragile Erholung bei schwacher privater Nachfrage
Die Bundesregierung stuft die konjunkturelle Belebung weiterhin als fragil ein, da ein nachhaltiger Aufschwung ungewiss bleibe. Während der Staatskonsum im Jahr 2026 voraussichtlich um 2,6 Prozent zulegen wird, fällt die Dynamik im privaten Sektor gering aus.
Für den privaten Konsum wird 2026 ein preisbereinigtes Plus von lediglich 0,3 Prozent und für 2027 ein Zuwachs von 0,5 Prozent erwartet. Die privaten Investitionen sollen 2026 preisbereinigt nur um 0,2 Prozent wachsen.
Die anhaltende Zurückhaltung der Unternehmen belegt auch eine Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unter rund 1.200 Firmen, der zufolge die Investitionsbereitschaft den niedrigsten Stand seit 20 Jahren erreicht hat.
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Gleichzeitig dämpft die Teuerung die Kaufkraft: Nachdem die Inflationsrate im September bei 3,3 Prozent lag, Assets im prognostiziert die Bundesregierung für das Gesamtjahr 2026 durchschnittlich 2,7 Prozent. Für 2027 werden 3,0 Prozent und für 2028 2,2 Prozent Teuerung erwartet.
Mahnungen vor hohen Lohnnebenkosten
Angesichts dieser Gemengelage forderte Reiche umfassende Strukturreformen und mehr private Investitionsanreize. Andernfalls sei die Wettbewerbsfähigkeit durch den drohenden Anstieg der Sozialabgaben auf über 47 Prozent gefährdet. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag mahnte, die konjunkturelle Besserung sei teuer erkauft und habe ohne Reformschritte nur eine kurze Dauer.
Auf der steuerlichen Seite plant die Bundesregierung Entlastungen: Vorgesehene Einkommensteueränderungen sollen bei voller Wirksamkeit ab 2028 ein Volumen von jährlich rund 5,5 Milliarden Euro erreichen. Zudem ist vorgesehen, das Kindergeld ab 2028 auf monatlich 272 Euro festzusetzen.
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