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GESAMT-ROUNDUP / Nach Tauziehen mit Hamas: Freilassung weiterer Geiseln

26.11.2023 - 18:22:44

WÀhrend der mehrtÀgigen Feuerpause im Gaza-Krieg sind seit Freitag insgesamt 58 Geiseln aus der Gewalt der Terrororganisation Hamas freigekommen.

Eine dritte Gruppe traf am Sonntag in Israel ein. Im Gegenzug zu den 17 Freigelassenen sollten wie am Vortag erneut 39 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. Der Austausch ist Teil der von Katar vermittelten Vereinbarung ĂŒber eine viertĂ€gige Feuerpause, die mindestens bis Dienstagmorgen dauern soll. Am Montag wird die Freilassung weiterer Geiseln erwartet, die am 7. Oktober von den Islamisten verschleppt wurden.

Die Freude ĂŒber die Freilassung war am Wochenende groß, wurde allerdings getrĂŒbt durch die Sorge um die weiter in Gefangenschaft verbleibenden Menschen. In Israel wird davon ausgegangen, dass noch knapp 180 Geiseln in den HĂ€nden der Hamas sind. Unter den seit Freitag Freigelassenen waren 40 Israelis, darunter auch acht deutsche DoppelstaatsbĂŒrger sowie andere mit einem zweiten Pass.

US-StaatsbĂŒrgerin freigelassen

Zum ersten Mal war am Sonntag mit einem vierjÀhrigen MÀdchen auch eine Geisel dabei, die die US-Staatsangehörigkeit besitzt, wie US-Medien berichteten. Bei dem Terrorangriff vor sieben Wochen waren beide Eltern von Terroristen getötet worden. Das MÀdchen wurde in den Gazastreifen verschleppt. Am Freitag wurde es vier Jahre alt.

ZusĂ€tzlich zu den 40 Israelis wurden seit Beginn der Feuerpause insgesamt 18 AuslĂ€nder, darunter 14 thailĂ€ndische, ein philippinischer StaatsbĂŒrger sowie am Sonntag auch ein Russe freigelassen. Diese AuslĂ€nder kamen unabhĂ€ngig von dem Geiseldeal zwischen der Hamas und Israel frei.

Im Rahmen dieser Vereinbarung entließ Israels Regierung eine grĂ¶ĂŸere Zahl palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge aus dem GefĂ€ngnis - am Freitag und Samstag jeweils schon 39 Frauen und MinderjĂ€hrige. Eine dritte Gruppe sollte am Sonntagabend noch freikommen.

Auf den Straßen im israelisch besetzten Westjordanland und in Ost-Jerusalem wurden die 39 am Samstag entlassenen palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge von einer Menschenmenge mit Jubel begrĂŒĂŸt. Dabei wurden Hamas-Fahnen geschwenkt, wie "The Times of Israel" berichtete.

Biden schaltet sich ins diplomatische Ringen ein

Die Freilassungen waren am Samstag zunĂ€chst ins Stocken gekommen, weil die Hamas die Übergabe der zweiten Gruppe in letzter Minute stoppte. Als Grund nannte die Terrororganisation, dass Israel aus ihrer Sicht gegen einen Teil des Geisel-Deals verstoßen habe. Sie warf Israel unter anderem vor, nicht ausreichend Hilfslieferungen in den nördlichen Teil des Gazastreifens ermöglicht zu haben. Israel wies das zurĂŒck und drohte mit einer AufkĂŒndigung des Abkommens.

US-PrĂ€sident Joe Biden schaltete sich daraufhin am Samstag persönlich ein, wie eine Sprecherin seines Nationalen Sicherheitsrats berichtete. Der 81-JĂ€hrige habe mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, und dem katarischen Premier- und Außenminister, Mohammed bin Abdulrahman Al Thani telefoniert. Am Ende lenkte die Hamas nach Einschreiten des vermittelnden Golfemirats am spĂ€ten Samstagabend ein und ließ die Geiseln doch frei.

Weitere deutsche Doppelstaatler frei

Bei den vier am Samstag freigekommenen Deutschen handelt es sich nach Angaben ihrer Familien um eine 67-jĂ€hrige Frau sowie ihre 38-jĂ€hrige Tochter und deren Kinder im Alter von 3 und 8 Jahren. "Ich denke an sie und an die, die noch in den HĂ€nden der Hamas sind. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, dass auch sie bald in Freiheit sind", schrieb Außenministerin Annalena Baerbock auf X, ehemals Twitter. Schon am Freitag waren vier Deutsch-Israelis als Teil einer Gruppe von 24 Geiseln freigekommen.

Die laufende Feuerpause soll mindestens vier Tage bis DienstagfrĂŒh dauern. GemĂ€ĂŸ der Vereinbarung sollen in dieser Zeit insgesamt 50 israelische Geiseln freigelassen werden. Eine VerlĂ€ngerung der Feuerpause auf bis zu zehn Tage und weitere Freilassungen sollen möglich sein, wie Katar mitteilte.

Steinmeier besucht Israel

Zu einem SolidaritĂ€tsbesuch trafen am Sonntag die beiden höchsten ReprĂ€sentanten des deutschen Staates - BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) - in Israel ein. In einer Videobotschaft zuvor hatte Steinmeier die Freilassungen begrĂŒĂŸt und betont: "Der Weg zur Beendigung des Kampfes wird und kann nur ĂŒber die Freilassung der Geiseln fĂŒhren. Aller Geiseln!" Auch ein Treffen mit Angehörigen stand auf seinem Programm.

Auslöser des jĂŒngsten Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen hatten. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche.

Israel reagierte mit massiven Luftangriffen, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der islamistischen Hamas fast 15 000 Menschen getötet. Mehr als 36 000 wurden demnach verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Tot geglaubtes MĂ€dchen kommt frei

Nach 50 Tagen Gefangenschaft kam am Samstag auch ein ursprĂŒnglich einmal fĂŒr tot gehaltenes, neunjĂ€hriges israelisch-irisches MĂ€dchen frei. "Wir finden keine Worte, um unsere GefĂŒhle nach 50 schwierigen und komplizierten Tagen zu beschreiben. Wir sind ĂŒberglĂŒcklich, Emily wieder in die Arme schließen zu können", erklĂ€rte die Familie. Emily Hand war wĂ€hrend ihrer Geiselhaft neun Jahre alt geworden, was in Dublin vor anderthalb Wochen mit einer Party gefeiert worden war.

Ihr Vater hatte in einem emotionalen TV-Interview unter TrĂ€nen seine Erleichterung darĂŒber geĂ€ußert, dass sie nicht in die HĂ€nde der Hamas gefallen sei, weil das noch "schlimmer als der Tod" gewesen wĂ€re. SpĂ€ter hieß es, seine Tochter sei womöglich doch als Geisel in den Gazastreifen verschleppt worden. Am Samstagabend war sie in Freiheit.

@ dpa.de