Israel testet Flutung von Hamas-Tunneln - Nacht im Ăberblick
13.12.2023 - 06:00:00Es werde Meerwasser in einige Tunnel gepumpt, um herauszufinden, ob sich die Methode zur groĂflĂ€chigen Zerstörung des unterirdischen Systems eigne, berichteten der US-Fernsehsender CNN und die Zeitung "The Wall Street Journal" am Dienstag (Ortszeit).
Eine von Ăgypten eingebrachte Resolution fĂŒr einen humanitĂ€ren Waffenstillstand erreichte am Dienstag bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York die notwendige Zweidrittelmehrheit. 153 LĂ€nder stimmten dafĂŒr, 10 dagegen. 23 LĂ€nder enthielten sich, darunter auch Deutschland. Resolutionen der UN-Vollversammlung sind nicht rechtlich bindend, sondern gelten als symbolisch.
Hamas-Tunnel sollen 500 Kilometer lang sein
Zuletzt hatte Israels Generalstabschef Herzi Halevi die Ăberlegung, das ausgedehnte Hamas-Tunnelsystem mit Meerwasser zu fluten, als gute Idee bezeichnet. Die Hamas hat nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs unter dem Gazastreifen ein weit verzweigtes Tunnelsystem angelegt. Es wird auf rund 500 Kilometer LĂ€nge geschĂ€tzt. Die israelische Armee geht allerdings davon aus, dass auch viele der noch 135 aus Israel entfĂŒhrten Geiseln in den Tunneln festgehalten werden.
Bei einer Pressekonferenz wurde US-PrĂ€sident Joe Biden am Dienstag zu den Flutungen befragt. Er antwortete: "Es ist sehr schwierig, was die Flutung der Tunnel angeht: Es wird behauptet, dass es ganz sicher keine Geiseln in diesen Tunneln gibt. Aber das weiĂ ich nicht mit Sicherheit." Dann fĂŒgte er hinzu: "Was ich sicher weiĂ: Jeder Tod von Zivilisten ist eine absolute Tragödie.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verĂŒbt hatten. Auf israelischer Seite sind in der Folge mehr als 1200 Menschen getötet worden, darunter mindestens 850 Zivilisten.
Enthaltung bei UN: Deutschland "vor schwerer Entscheidung"
Die UN-Resolution stellte Deutschland "vor eine schwere Entscheidung", wie das AuswĂ€rtigen Amt auf dem Kurznachrichtendienst X, vormals Twitter, mitteilte. "Wir wollen das unertrĂ€gliche Leid der Menschen beenden - in Israel und in Gaza". Die Resolution fordere einen "pauschalen Waffenstillstand, sagt aber nicht, warum Israel gezwungen ist, sich zu verteidigen: Weil die Hamas Israel am 7.10. barbarisch angegriffen hat. Und weil die Hamas Israel weiterhin vernichten will." Deswegen habe Deutschland nicht zustimmen können - aber weil man sich dafĂŒr einsetzen wolle, das Leid der PalĂ€stinenser zu beenden, habe man auch nicht dagegen stimmen können.
Nach Beschuss: Israel greift Ziele im Libanon und in Syrien an
Die israelische Luftwaffe griff nach eigenen Angaben Stellungen der Schiiten-Miliz Hisbollah im Nachbarland Libanon an. Ein Kampfflugzeug habe eine Abschussbasis und militÀrische Infrastruktur bombardiert, nachdem von dort Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert worden seien, teilte das MilitÀr in der Nacht auf Mittwoch mit. Als Reaktion auf Beschuss aus Syrien feuerten israelische Flugzeuge und Panzer zudem auf Stellungen der syrischen StreitkrÀfte.
Biden will VerÀnderung der israelischen Regierung
US-PrĂ€sident Joe Biden forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zugleich auf, er mĂŒsse die israelische Regierung verĂ€ndern, um eine langfristige Lösung fĂŒr den israelisch-palĂ€stinensischen Konflikt zu finden. Die "konservativste Regierung in der Geschichte Israels" wolle keine Zweistaatenlösung. Israel beginne, in der ganzen Welt an UnterstĂŒtzung zu verlieren. Zuvor hatte Biden Israel weitere UnterstĂŒtzung im Kampf gegen die Hamas zugesagt. Sein "Engagement fĂŒr die Sicherheit des jĂŒdischen Volkes" sei unerschĂŒtterlich.
Kanadischer Premier fĂŒr dauerhaften Waffenstillstand im Gaza-Krieg
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau setzt sich im Gazakrieg fĂŒr einen dauerhaften Waffenstillstand ein. Das habe er dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu am Dienstag (Ortszeit) in einem Telefonat gesagt, teilte Trudeaus BĂŒro mit. Trudeau habe seine UnterstĂŒtzung fĂŒr dringende internationale BemĂŒhungen um einen dauerhaften Waffenstillstand zum Ausdruck gebracht. DarĂŒber hinaus habe er das Recht Israels unterstrichen, sich im Einklang mit dem Völkerrecht zu verteidigen.
UN: Menschen flehen um Sicherheit
Nach einem Besuch in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen postete der Generalkommissar des PalĂ€stinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, am Dienstag auf X (ehemals Twitter): "Menschen sind ĂŒberall, sie leben auf der StraĂe, sie brauchen alles." Sie flehten um Sicherheit. "Von unseren Kollegen wird verlangt, dass sie in einer unmöglichen Situation das Unmögliche tun.". Laut Vereinten Nationen hungert inzwischen die HĂ€lfte der Bevölkerung im Gazastreifen.
WHO: Krankenhaus ist eine "humanitÀre Katastrophenzone"
Das Al-Ahli-Krankenhaus in der Stadt Gaza gleicht nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einer humanitĂ€ren Katastrophenzone. Das Krankenhaus könne nur noch 40 seiner 80 Betten belegen, habe aber mehr als 200 Patienten, berichtete Richard Peeperkorn, der WHO-Vertreter fĂŒr die von Israel besetzten palĂ€stinensischen Gebiete. Ărzte behandelten Schwerverletzte teils auf dem Boden und auf dem BĂŒrgersteig.
Ministerium: Zahl der Toten steigt auf 18 400
Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser stieg seit Kriegsbeginn nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza auf 18 412. Mehr als 50 000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Die Zahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht prĂŒfen, die UN und andere Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂŒrdig herausgestellt hĂ€tten.
Was am Mittwoch wichtig wird
CSU-Chef Markus Söder reist an diesem Mittwoch zu einem Kurzbesuch nach Israel. Vor Ort will er sich unter anderem mit StaatsprÀsident Izchak Herzog zu politischen GesprÀchen treffen.

