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Waffenruhe in Gaza hÀngt an Hamas-Chef Sinwar

07.08.2024 - 05:51:03

WĂ€hrend die USA auf eine Deeskalation im Konflikt zwischen dem Iran und Israel drĂ€ngen, erschwert die Ernennung von Israels Staatsfeind Nummer Eins zum AnfĂŒhrer der Hamas die BemĂŒhungen um eine Waffenruhe im Gaza-Krieg.

Die Ernennung von Jihia al-Sinwar sei ein "weiterer zwingender Grund, ihn schnell zu beseitigen und diese abscheuliche Organisation vom Antlitz der Erde zu tilgen", schrieb Israels Außenminister Israel Katz auf der Plattform X.

Nach Ansicht von US-Außenminister Antony Blinken hĂ€ngt es jedoch maßgeblich von Sinwar ab, ob ein Abkommen ĂŒber eine Waffenruhe in Gaza gelingt. Der bisherige AnfĂŒhrer der Islamisten im Gazastreifen sei schon vor seiner Ernennung zum Nachfolger des getöteten Hamas-Auslandschefs Ismail Hanija der wesentliche Entscheider der Hamas in dieser Frage gewesen, sagte Blinken. "Das unterstreicht nur die Tatsache, dass es wirklich an ihm liegt, zu entscheiden, ob ein Waffenstillstand vorangetrieben wird."

Sinwar gilt als Drahtzieher des Terrorangriffs der Hamas und anderer Gruppen in Israel vom 7. Oktober 2023. Dabei wurden rund 1.200 Menschen getötet und 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt. Der beispiellose Überfall löste den Gaza-Krieg aus.

Bericht: Sinwar fĂŒr enge Abstimmung mit dem Iran

Die Hamas vermittele mit Sinwars Ernennung zu ihrem alleinigen AnfĂŒhrer die Botschaft, "dass sie strategisch hinter dem Ansatz des bewaffneten Widerstands steht", zitierte das "Wall Street Journal" Jehad Harb, politischer Analyst beim Palestinian Center for Policy and Survey Research, einer im Westjordanland ansĂ€ssigen Denkfabrik. Das bedeute, dass sich die Hamas von der Rolle als politische Einheit, die regieren will, entferne, schrieb die US-Zeitung. Sinwar befĂŒrworte zudem eine enge Abstimmung mit dem Hamas-UnterstĂŒtzer Iran, der das Existenzrecht Israels bestreitet. Er scheine jene Stimmen in der Hamas ĂŒbertrumpft zu haben, die dem Ansatz skeptisch gegenĂŒberstanden.

Sinwars vor knapp einer Woche in Teheran getöteter VorgĂ€nger Hanija residierte in Katars Hauptstadt Doha und galt als Chefdiplomat der Hamas. Der Iran und die Hamas machen Israel fĂŒr Hanijas Tod verantwortlich und drohen mit einem harten Vergeltungsschlag gegen den jĂŒdischen Staat.

Blinken warnt vor Eskalation

Blinken warnte mit eindringlichen Worten vor einer Eskalation des Konflikts. Jeder in der Region sollte verstehen, "dass weitere Angriffe nur das Risiko gefĂ€hrlicher Folgen erhöhen, die niemand vorhersagen und niemand vollstĂ€ndig kontrollieren kann", sagte der US-Außenminister bei einem gemeinsamen Auftritt vor der Presse mit seiner australischen Kollegin Penny Wong sowie den Verteidigungsministern beider LĂ€nder im US-Bundesstaat Maryland.

Bei den indirekten Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe in Gaza, bei denen Katar, Ägypten und die USA vermitteln, sei der "entscheidende Moment" erreicht, sagte Blinken. "Wir sind der festen Überzeugung, dass sie sehr, sehr bald zum Abschluss kommen sollten", sagte er. Sinwar habe wie bisher schon die Macht, darĂŒber zu entscheiden, ob die Hamas einwilligt.

Bericht: Sinwar setzt auf Sieg

Es wird vermutet, dass sich Sinwar in einem der Tunnel der Hamas unter dem von Israel abgeriegelten Gazastreifen versteckt hĂ€lt. Er setze darauf, dass die Hamas den Sieg erringt, indem sie als Gruppe ĂŒberlebt, schrieb das "Wall Street Journal". Sinwar habe sich denn auch dem Druck widersetzt, einer Waffenruhe und einem Geiselabkommen zuzustimmen und habe den Vermittlern erklĂ€rt, dass der Tod palĂ€stinensischer Zivilisten ihm zum Vorteil gereiche. "Wir haben die Israelis genau da, wo wir sie haben wollen", habe Sinwar Hamas-Vertretern gesagt, die mit katarischen und Ă€gyptischen Vertretern ein Abkommen aushandeln wollten.

Der ChefanklĂ€ger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag beantragte im Mai Haftbefehl gegen Sinwar, Hanija und Sinwars frĂŒheren Stellvertreter Mohammed Deif. Er warf ihnen unter anderem "Ausrottung" sowie Mord, Geiselnahme, Vergewaltigungen und Folter als Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Sinwars frĂŒherer Stellvertreter Deif, Chef des militĂ€rischen FlĂŒgels der Hamas, wurde im Juli zum Ziel eines israelischen Raketenangriffs. In der vergangenen Woche erklĂ€rte ihn die israelische Armee fĂŒr tot. Zum Tod Hanijas in der iranischen Hauptstadt Teheran hat sich die israelische FĂŒhrung bislang nicht geĂ€ußert.

Blinken: Niemand will eine Eskalation

Angesichts drohender VergeltungsschlĂ€ge des Irans und seiner VerbĂŒndeten gegen Israel ist die Sorge vor einer Eskalation in der ganzen Region groß. Die USA arbeiteten weiterhin intensiv an einer EntschĂ€rfung der Lage und stĂŒnden dazu in stĂ€ndigem Kontakt mit Partnern in der Region und darĂŒber hinaus, sagte Blinken. "Ich glaube, dass eigentlich niemand eine Eskalation will, niemand will eine Ausweitung des Konflikts, aber es ist sehr wichtig, dass es dazu kommen könnte, selbst wenn es unbeabsichtigt ist."

Zugleich bekrĂ€ftigte Blinken die "eiserne" UnterstĂŒtzung Israels bei der Selbstverteidigung. Auch das US-MilitĂ€r ergreife weiterhin Schritte, eine Eskalation durch den Iran und seine VerbĂŒndeten abzuwehren, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin.

Austin wies auf den jĂŒngsten Angriff auf einen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt im Irak hin, bei dem mehrere US-Soldaten verwundet worden seien. "TĂ€uschen Sie sich also nicht: Die Vereinigten Staaten werden keine Angriffe auf unser Personal in der Region dulden", betonte der US-Verteidigungsminister. Man habe die militĂ€rische PrĂ€senz in der Region angepasst, um den Schutz der eigenen StreitkrĂ€fte zu stĂ€rken und fĂŒr alle denkbaren Szenarien vorbereitet zu bleiben. Auch Austin betonte dabei die UnterstĂŒtzung der USA fĂŒr Israels Verteidigung.

Auch Biden vermittelt

US-PrĂ€sident Joe Biden telefonierte derweil separat mit dem Ă€gyptischen PrĂ€sidenten Abdel Fattah al-Sisi und dem katarischen Emir Tamim bin Hamad al-Thani. In den GesprĂ€chen sei es auch um die Verhandlungen zu einem Geisel-Deal zwischen Israel und der Hamas gegangen, die "nun eine letzte Phase erreicht" hĂ€tten, teilte das Weiße Haus mit. Die GesprĂ€chspartner seien sich einig gewesen, dass dieser Prozess "so schnell wie möglich" abgeschlossen werden mĂŒsse.

@ dpa.de