Selenskyj will baldige EU-BeitrittsgesprĂ€che - Die Nacht im Ăberblick
10.05.2024 - 06:35:03PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warb einmal mehr fĂŒr einen schnellen Beitritt der Ukraine zur EuropĂ€ischen Union. "Unser Staat, unser Volk haben es verdient, und auch die EuropĂ€ische Union braucht diesen Schritt ? nicht nur politisch", sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner tĂ€glichen Videoansprache. Die EU beziehe ihre Kraft auch daraus, niemanden vor der TĂŒr sitzen zu lassen, der an die europĂ€ischen Werte glaube. Kiew baue darauf, dass im Juni die eigentlichen Beitrittsverhandlungen beginnen werden. Es wird erwartet, dass die EU-Mitglieder nach der Europawahl im Juni ĂŒber einen möglichen Beginn der GesprĂ€che entscheiden.
Selenskyj bedankte sich in seiner Botschaft auch bei der PrĂ€sidentin des Europaparlaments Roberta Metsola. Dass sie am Europatag nach Kiew gereist sei, um ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr das Land zu demonstrieren, sei ein wichtiges Signal. Er habe mit Metsola ĂŒber politische, aber auch militĂ€rische Hilfe fĂŒr die Ukraine gesprochen.
Dass die gemeinsame Pressekonferenz durch einen von Russland verschuldeten Luftalarm unterbrochen werden musste, zeugt nach Darstellung Selenskyjs davon, dass Moskau im Gegensatz zu BrĂŒssel nur Gewalt anzubieten habe. Er deutete an, dass Russland weitere militĂ€rische VorstöĂe vorbereite. Die Ukraine werde aber darauf antworten, kĂŒndigte er an.
Selenskyj will mit westlichen Waffen Initiative zurĂŒckerlangen
Seiner EinschĂ€tzung nach werde die Ukraine mit Ankunft der westlichen Waffen die Initiative an der Front zurĂŒckerlangen, sagte Selenskyj bei einer Pressekonferenz mit Metsola in Kiew. Derzeit seien die russischen StreitkrĂ€fte im Osten der Ukraine in der Offensive, das sei kein Geheimnis. "Sobald die Waffenlieferungen ankommen, stoppen wir ihre Initiative", versprach Selenskyj. Um die Oberhand zu gewinnen, brauche sein MilitĂ€r "etwas KrĂ€ftiges". Die Pressekonferenz im Freien vor dem PrĂ€sidialamt musste kurz darauf wegen des Luftalarms abgebrochen werden.
Laut Selenskyj bereitet das russische MilitĂ€r derzeit eine GroĂoffensive vor. Dazu wĂŒrden KrĂ€fte im Norden und Osten der Front gesammelt. Trotzdem laufe bei den Russen lĂ€ngst nicht alles so gut, wie sie glaubten. "Es ist nicht so, dass ich damit Ihre Stimmung heben will. Das ist die RealitĂ€t", versicherte Selenskyj bei dem Auftritt.
Deutschland kauft in den USA Raketenartillerie fĂŒr die Ukraine
Einer der wichtigsten UnterstĂŒtzer der Ukraine - auch im militĂ€rischen Bereich - ist Deutschland. Und Berlin legt nun noch einmal nach. Die Bundesregierung werde die Lieferung von drei weiter reichenden Raketenartilleriesystemen aus den USA an die Ukraine bezahlen, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Washington nach GesprĂ€chen mit seinem Amtskollegen Lloyd Austin. "Die stammen aus BestĂ€nden der US-StreitkrĂ€fte und werden von uns bezahlt." Die Systeme kosten einen höheren zweistelligen Millionenbetrag.
Russland hatte zuletzt verĂ€rgert auf die Waffenlieferungen und die UnterstĂŒtzungsbekundungen des Westens an die Ukraine reagiert. PrĂ€sident Wladimir Putin ordnete eine Atom-Ăbung an, die - wie auch die MilitĂ€rparade auf dem Roten Platz - weithin als Machtdemonstration des Kremls wahrgenommen wurde. Immer wieder wurden aus Moskau auch Drohungen laut, die Atomwaffen im Notfall einzusetzen.
Der ukrainische Justizminister Denys Maljuska sagte am Rande eines G7-Justizministertreffens in Venedig: "Dies sind leere Drohungen, die sich an ein westliches Publikum richten, nicht an die Ukraine." Das Ganze habe keinen militĂ€rischen Nutzen und wĂ€re fĂŒr Russland selbst zerstörerisch, weil es durch einen Atomwaffeneinsatz einige VerbĂŒndete verlieren wĂŒrde.
Selenskyj entlÀsst Chef der Leibgarde
Nach angeblich vereitelten AnschlagsplĂ€nen gegen ihn entlieĂ Selenskyj den Chef seiner Leibgarde, Serhij Rud. Das berichteten am Donnerstag mehrere ukrainische Medien ĂŒbereinstimmend unter Berufung auf ein PrĂ€sidentendekret. Der Grund fĂŒr die Entlassung wurde nicht genannt. Am Dienstag hatte allerdings der ukrainische Geheimdienst SBU die Aufdeckung von russischen AnschlagsplĂ€nen gegen Selenskyj bekannt gegeben. Dabei wurden auch zwei hochrangige Offiziere aus dem Staatsschutz festgenommen. Das ist die Abteilung, die Rud fĂŒhrte.
Was am Freitag wichtig wird
In Moskau erwarten Beobachter am Freitag die Ernennung des Regierungschefs. Nachdem PrĂ€sident Putin am Dienstag offiziell seine fĂŒnfte Amtszeit angetreten hat, ist die Regierung erwartungsgemÀà zurĂŒckgetreten, um dem Kremlchef freie Hand bei der Neubesetzung des Kabinetts zu lassen. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass Regierungschef Michail Mischustin seinen Posten behĂ€lt.

