Beobachter, VerstĂ¶ĂŸe

Beobachter beklagen beispiellose VerstĂ¶ĂŸe bei Russland-Wahl

18.03.2024 - 13:16:32

Wahlbeobachter der unabhĂ€ngigen russischen Organisation Golos haben bei der PrĂ€sidentenwahl nie dagewesene VerstĂ¶ĂŸe beklagt.

Es habe sich um eine "Imitation" gehandelt, aber nicht um eine Abstimmung, bei der WĂ€hler ihr Rechte gewahrt sahen, teilte die in Russland verfolgte Organisation am Montag mit.

Kremlchef Wladimir Putin hatte sich 87,3 Prozent der Stimmen fĂŒr seine fĂŒnfte Amtszeit zusprechen lassen - mehr als je zuvor bei einer russischen PrĂ€sidentenwahl. "Wir haben noch nie eine PrĂ€sidentenwahl gesehen, die so wenig den Standards der Verfassung entsprochen hat", teilte Golos mit.

Der gesamte Staatsapparat habe auf Propaganda, auf Zwang und Kontrolle der WĂ€hler umgeschaltet. Zudem sei mithilfe von Angstmache und Gewalt eine Kriegszensur eingefĂŒhrt worden, hieß es weiter in der Mitteilung. Besonders am Sonntag, dem letzten Tag der dreitĂ€gigen Abstimmung, hĂ€tten SicherheitskrĂ€fte WĂ€hler fĂŒr das "nicht richtige" AusfĂŒllen von Stimmzetteln bestraft. Menschen seien auch zum Bruch des Wahlgeheimnisses gezwungen worden. "So etwas hat es bei keiner Wahl vorher gegeben", hieß es.

Laut Golos taten die Organisatoren außerdem alles, um eine Beobachtung der Wahl zu verhindern. UnabhĂ€ngige Beobachter seien nicht in die Wahllokale gelassen worden, und es habe keinen Zugang zu den Aufnahmen der VideoĂŒberwachung gegeben. Bei vergangenen Wahlen waren die im Internet veröffentlichten Videos wichtige Beweise etwa fĂŒr das verbreitete Vollstopfen von Urnen mit vorab ausgefĂŒllten Stimmzetteln. Es sei fĂŒr WĂ€hler unmöglich gewesen, einen freien Willen zu bilden und diesen auszudrĂŒcken. Deshalb könnten die Ergebnisse auch nicht die Stimmungslage widerspiegeln, hieß es.

Schon vorher sei der in der russischen Verfassung verankerte Schutzmechanismus gegen eine Machtergreifung demontiert worden, hieß es in der Golos-Mitteilung weiter. Putin hatte die Verfassung 2020 Ă€ndern lassen, um sich zusĂ€tzliche Amtszeiten zu verschaffen. UrsprĂŒnglich waren zwei Amtszeiten zulĂ€ssig, Putin hatte nach deren Ende und einer vierjĂ€hrigen Pause bereits ab 2012 zwei weitere Perioden lang regiert. Er darf 2030 nach nun gĂŒltiger Verfassung zur sechsten und letzten Amtszeit antreten.

Zur Wahl waren diesmal keine Beobachter der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eingeladen, deren Bewertung wichtig ist fĂŒr die internationale Anerkennung eines Ergebnisses. Die zentrale Wahlkommission in Moskau hatte am Montag mitgeteilt, es gebe keine Beschwerden ĂŒber VerstĂ¶ĂŸe bei der Wahl.

@ dpa.de