Warnstreiks, Küchenmöbelindustrie

Warnstreiks in der Küchenmöbelindustrie: IG Metall fordert fünf Prozent

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Warnstreiks in Ostwestfalen-Lippe legen die Produktion lahm, während Hersteller wie Himolla unter Schutzschirmverfahren stehen.

Küchenmöbelindustrie: Streiks und Insolvenzen belasten die Branche
Moderne Küchenmöbel in einer Ausstellungshalle vor dem Hintergrund einer Produktionsstätte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die deutsche Küchenmöbelindustrie steckt in einer doppelten Krise. Während Warnstreiks die Produktion in Ostwestfalen-Lippe lahmlegen, kämpfen namhafte Hersteller mit Insolvenzen und explodierenden Energiekosten.

Warnstreiks im Kernland der Küchenproduktion

Anfang des Jahres legten Beschäftigte bei pronorm Einbauküchen in Vlotho die Arbeit nieder. Die IG Metall forderte in den Tarifverhandlungen für die Holz- und Kunststoffindustrie in Nordrhein-Westfalen fünf Prozent mehr Lohn. Die Aktion war der Auftakt zu einer ganzen Streikwelle.

Auch bei SieMatic und Danielmeyer in Löhne standen die Bänder still. Beim Verpackungsspezialisten Wellcarton unterbrach die Nachtschicht die Produktion – mit klarer Forderung: zwölf Monate Laufzeit, fünf Prozent mehr Gehalt. Die Gewerkschaft machte ernst.

Interlübke gerettet – Himolla wackelt

Parallel zu den Tarifkonflikten prägen Übernahmen und Insolvenzen die Branche. Der Möbelhersteller Interlübke aus Rheda-Wiedenbrück ist gerettet. Die Langhorst-Gruppe übernahm das Unternehmen nach einem Insolvenzantrag im Frühjahr. 87 Arbeitsplätze bleiben erhalten, rund 15 Mitarbeiter schieden freiwillig aus.

Hauptgrund für die Schieflage: der Iran-Krieg. Die internationalen Konflikte ließen die Heizölkosten explodieren – monatliche Mehrkosten von 50.000 Euro für Interlübke. Trotzdem gelang eine Trendwende: Waren es 2022 noch 1,5 Millionen Euro Verlust, lag das Minus 2025 bei 250.000 Euro.

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Weniger optimistisch sind die Aussichten bei Himolla. Der Polstermöbelhersteller beantragte vor rund einem Monat ein Schutzschirmverfahren, das bis Ende August läuft. 32 Lastkraftwagen mit ungarischen Kennzeichen auf dem Werksgelände nähren Spekulationen über eine Produktionsverlagerung. Die Geschäftsführung schweigt zu Gerüchten über den möglichen Abbau von bis zu 250 Arbeitsplätzen.

Streikbereitschaft wächst – auch in anderen Branchen

Die angespannte Stimmung beschränkt sich nicht auf die Möbelindustrie. In Nordrhein-Westfalen legte die Süßwarenindustrie die Produktion für 24 Stunden still. Bei Intersnack in Schwerte und Grevenbroich forderte die Gewerkschaft NGG 5,8 Prozent mehr Lohn – mindestens 230 Euro monatlich. Das Arbeitgeberangebot lag weit darunter.

Auch für die Metall- und Elektroindustrie zeichnet sich ein harter Herbst ab. Die Gewerkschaftsführung schließt eine Nullrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten kategorisch aus. Die Arbeitgeberseite verweist auf 270.000 verlorene Arbeitsplätze seit 2018. Die Arbeitnehmer setzen auf Wachstumspotenziale in der Rüstungsindustrie und bei erneuerbaren Energien.

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Tesla-Beschwerde zurückgewiesen

Zusätzliche Spannungen gibt es zwischen Unternehmen und Arbeitnehmervertretern. Die Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg wies eine Beschwerde von Tesla gegen die IG Metall zurück. Der Automobilhersteller hatte der Gewerkschaft vorgeworfen, bei einer Betriebsratssitzung im Februar heimlich abgehört zu haben. Ein Gutachten des Landeskriminalamts konnte die Vorwürfe nicht bestätigen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Tarifparteien einen Kompromiss finden – oder ob die Streikwelle weiterrollt.

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