Wartezeiten, Notaufnahmen

Wartezeiten in Notaufnahmen: Bei leichten Beschwerden bis zu zehn Stunden

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine bundesweite Befragung zeigt überfüllte Notaufnahmen; Personalmangel und fehlende Betten verzögern Verlegungen und verlängern Wartezeiten.

Notaufnahmen in Deutschland: Überlastung, Bettenmangel und lange Wartezeiten
Ein leerer, ruhig wirkender Klinikflur mit geschlossenen Türen und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin vom 2. Juni 2026 beleuchtet die angespannte Arbeitssituation in den Notaufnahmen bundesweit. An der Blitzumfrage beteiligten sich 271 Notaufnahmen aus allen 16 Bundesländern.

Die Ergebnisse verdeutlichen das Ausmaß des täglichen Drucks auf das medizinische Personal: Laut der Umfrage ist fast jede zweite Notaufnahme in Deutschland überlastet und meldet eine akute Überfüllung.

Bettenmangel und stockende Verlegungen belasten den Betrieb

Ein wesentlicher Faktor für die Engpässe in den Einrichtungen ist die verzögerte Weiterleitung von Patienten. Wie RTL über die Erhebung unter den 271 Notaufnahmen berichtete, führt ein vorherrschender Bettenmangel dazu, dass Verlegungen auf reguläre Stationen stocken.

Verschärft wird diese Entwicklung durch den anhaltenden Mangel an Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten und Risiken abzufedern, haben Kliniken in Baden-Württemberg nach Angaben eines Berichts vom 24. September 2026 bereits Vorkehrungen zum Schutz der Patienten getroffen.

Die Folgen für die Abläufe vor Ort sind gravierend. Der Chefarzt des Notaufnahmezentrums Diakovere in Hannover wies darauf hin, dass Patientinnen und Patienten bei leichteren Beschwerden mittlerweile Wartezeiten von bis zu zehn Stunden in Kauf nehmen müssten.

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Früher hätten die Wartezeiten bei solchen Fällen in der Regel meist höchstens 15 Minuten bis eine Stunde betragen. Neben den zeitlichen Verzögerungen belasten auch zwischenmenschliche Spannungen den Arbeitsalltag: Der Chefarzt berichtete von häufigen verbalen Aggressionen sowie von zunehmender körperlicher Gewalt gegenüber dem Klinikpersonal.

Geplante Reformen und Diskussionen über Patientensteuerung

Auf politischer Ebene stehen strukturelle Anpassungen im Fokus, um die Notaufnahmen künftig zu entlasten. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann erklärte, dass nach seiner Einschätzung 20 bis 30 Prozent der Hilfesuchenden in den Notaufnahmen keine Notfälle seien.

Im Bundestag verwies er auf Vorhaben für eine gezieltere Steuerung der Patientinnen und Patienten. Einen entsprechenden Regierungsentwurf für ein Primärversorgungssystem kündigte Linnemann für November 2026 an.

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Die umfassende Reform der Notfallversorgung soll nach Angaben des Ministers noch im Jahr 2026 abgeschlossen werden und innerhalb der darauffolgenden zwei Jahre in Kraft treten. Kernstück dieser Planungen ist die Einrichtung sogenannter Integrierter Notfallzentren.

Parallel dazu stehen weitere Finanzierungsfragen im Gesundheitswesen zur Debatte: Nach dem beschlossenen Sparpaket für gesetzliche Krankenkassen sollen laut Linnemann auch Einsparungen bei Beihilfeleistungen für Beamte geprüft werden. Dieser Debatte um mögliche Einschränkungen des dualen Versicherungssystems widersprach PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther.

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