Thema des Tages, Konjunktur

Trump droht EU mit Zöllen von 50 Prozent

23.05.2025 - 16:57:51

WASHINGTON/BRÜSSEL - Im Handelsstreit mit der EuropĂ€ischen Union setzt US-PrĂ€sident Donald Trump auf maximale Konfrontation und droht mit Strafzöllen in Höhe von 50 Prozent.

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WASHINGTON/BRÜSSEL (dpa-AFX) - Im Handelsstreit mit der EuropĂ€ischen Union setzt US-PrĂ€sident Donald Trump auf maximale Konfrontation und droht mit Strafzöllen in Höhe von 50 Prozent. Er "empfehle", dass die Abgabe fĂŒr Waren aus der EU am 1. Juni in Kraft trete, schrieb der Republikaner auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social. Ausgenommen seien Produkte, die in den USA hergestellt wĂŒrden, fĂŒgte er hinzu. Der US-PrĂ€sident begrĂŒndete den drastischen Schritt mit festgefahrenen Verhandlungen. Von der EU gab es zunĂ€chst keine offizielle Reaktion auf die AnkĂŒndigung aus Washington. Der Dax DE0008469008 sackte auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen ab.

Ist Trumps Drohung nur Verhandlungstaktik?

Ob die von Trump angedrohten Strafzölle in Höhe von 50 Prozent ab Juni wirklich in Kraft treten, ist unklar. Trump hat in der Vergangenheit regelmĂ€ĂŸig hohe Zöllen angekĂŒndigt - und im Anschluss eine Kehrtwende vollzogen. HĂ€ufig dienen Trumps Zolldrohungen als Druckmittel, um in Verhandlungen ZugestĂ€ndnisse zu erzwingen. Gerade erst haben die USA mit Großbritannien einen Handelspakt geschlossen, um hohe Zölle abzuwenden. Auch mit China hat die US-Regierung eine Senkung der gegenseitigen Zölle ausgehandelt.

Am spÀten Freitagnachmittag sollte es ein Telefonat zwischen dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer und EU-Handelskommissar Maros Sefcovic geben. Wie eine Sprecherin der EuropÀischen Kommission mitteilte, war das GesprÀch allerdings bereits vor der neuen Nachricht von Trump geplant. Demnach stellt sich die Frage, ob der US-PrÀsident mit der Drohung womöglich nur Druck machen will. Beide Seiten hatten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in den vergangenen Tagen Positionspapiere ausgetauscht. Bei dem GesprÀch zwischen Greer und Sefcovic sollte es nun um mögliche nÀchste Schritte gehen.

Trump vollzog bereits vor einigen Wochen Kehrtwende

Trump hatte Anfang April mit der AnkĂŒndigung neuer Zölle auf Importe aus aller Welt Handelspartnern den Kampf angesagt. Nach großen Turbulenzen an den Aktien- und FinanzmĂ€rkten entschied er aber ĂŒberraschend, vielen Staaten 90 Tage lang eine Pause von bestimmten Zöllen zu gewĂ€hren. Dieses Zeitfenster soll fĂŒr Verhandlungen genutzt werden. Die EU hatte damals ebenfalls angekĂŒndigt, geplante Gegenzölle auf US-Produkte vorerst fĂŒr 90 Tage auszusetzen. Dieses Zeitfenster soll fĂŒr Verhandlungen genutzt werden. Als Frist galt bisher der Monat Juli.

Die US-Regierung erhebt allerdings weiter einen pauschalen Zollsatz von 10 Prozent auf nahezu alle Einfuhren, einschließlich solcher aus der EU. Hinzu kommen branchenspezifische Zölle - etwa auf Autos sowie Stahl und Aluminium.

EU setzt auf Abkommen als Lösung im Streit

Um den aktuellen Handelsstreit zu entschĂ€rfen, hat die EU den USA bereits eine Vereinbarung zur gegenseitigen Aufhebung aller Zölle auf IndustriegĂŒter angeboten. Die Trump-Regierung ist darauf bislang aber nicht eingegangen. Neben Zolldeals gelten neue Abkommen als Option. Nach EinschĂ€tzung der EU-Kommission könnten die EU und Trump etwa einen neuen Deal zum Ausbau amerikanischer Exporte von FlĂŒssiggas (LNG) schließen. Zudem wĂ€re es möglich, mehr MilitĂ€rtechnik und AgrargĂŒter zu importieren, um das US-Handelsdefizit mit der EU abzubauen.

Die EU sieht Trumps Zölle als nicht gerechtfertigt und unvereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) an. Sie betont, dass sie entschiedene Maßnahmen gegen US-Zölle einfĂŒhren wird, sollten die Verhandlungen scheitern. Dazu sollen unter anderem Gegenzölle gehören.

Ministerin Reiche: "Brauchen mehr Handel, nicht weniger"

In Deutschland hofft man weiter auf eine Verhandlungslösung. "Zollkonflikte kennen keine Sieger. Wir mĂŒssen alles dafĂŒr tun, dass die EuropĂ€ische Kommission mit den USA zu einer Verhandlungslösung kommt. Zölle schaden den USA und der EU gleichermaßen", teilte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit. "Wir brauchen mehr Handel, nicht weniger."

Trump hatte sich zuletzt eigentlich optimistisch gezeigt, mit den EuropĂ€ern eine Lösung zu finden. Umso ĂŒberraschender ist daher seine 50-Prozent-Zolldrohung. Die EuropĂ€ische Union sei in erster Linie zu dem Zweck gegrĂŒndet worden, die USA im Bereich des Handels zu ĂŒbervorteilen, monierte Trump nun auf Truth Social. Er kritisierte "mĂ€chtige Handelsschranken, Mehrwertsteuern, lĂ€cherliche Unternehmensstrafen, nicht-monetĂ€re Handelshemmnisse, WĂ€hrungsmanipulationen, unfaire und ungerechtfertigten Klagen gegen amerikanische Unternehmen und vieles mehr".

Zölle sind auch fĂŒr Trump riskantes Spiel

RegelmĂ€ĂŸig wirft er den EuropĂ€ern vor, die USA "abzuzocken" und will mit höheren Zöllen auf Einfuhren in die Vereinigten Staaten mehr Gleichgewicht im Welthandel erzwingen. Ob diese Strategie aufgeht, ist offen. Auch innenpolitisch sind die Zölle riskant fĂŒr den Republikaner, denn sie könnten die Preise in die Höhe treiben. Ein Importzoll funktioniert Ă€hnlich wie eine Steuer. Die Abgabe muss vom importierenden Unternehmen an den Staat gezahlt werden - in diesem Fall also von Firmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben.

Kurz vor seiner Drohung gegen die EU setzte der US-PrĂ€sident auch einen Beitrag ab, der sich an Apple US0378331005 richtete - auch hier ging es um Zölle. Er habe Apple-Chef Tim Cook schon vor langer Zeit darĂŒber informiert, dass er erwarte, dass das Unternehmen iPhones, die in den USA verkauft wĂŒrden, in den USA hergestellt und gebaut wĂŒrden, "nicht in Indien oder sonst wo", schrieb Trump. "Wenn das nicht der Fall ist, muss Apple einen Zoll von mindestens 25 Prozent an die USA zahlen."

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