Trump will an Gerichtsanhörung zur ImmunitÀts-Frage teilnehmen
08.01.2024 - 13:09:37(neu: Aktualisiert, mehr Details.)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Ex-US-PrĂ€sident Donald Trump will an diesem Dienstag zur Anhörung eines Berufungsgerichts zur KlĂ€rung seiner ImmunitĂ€t im Zusammenhang mit einer Anklage wegen versuchten Wahlbetrugs erscheinen. Er werde persönlich an der Verhandlung in Washington teilnehmen, schrieb er in der Nacht zu Montag auf der von ihm mitbegrĂŒndeten Plattform Truth Social.
Trump ist der erste Ex-PrĂ€sident in der US-Geschichte, der sich wegen mutmaĂlicher Straftaten vor Gericht verantworten muss. In einer Anklage geht es um mutmaĂliche Straftaten wĂ€hrend seiner Amtszeit im WeiĂen Haus. Bevor die Anklage vor Gericht verhandelt werden kann muss geklĂ€rt werden, wie weit die ImmunitĂ€t eines US-PrĂ€sidenten reicht. Die Frage ist in diesem Fall, ob Trump wegen seines Verhaltens nach der Wahl und vor dem Machtwechsel in Washington vor drei Jahren auf Bundesebene ĂŒberhaupt strafrechtlich verfolgt werden kann oder ob er durch seine ImmunitĂ€t als PrĂ€sident geschĂŒtzt war.
Was war geschehen? Nach seiner Wahlniederlage im November 2020 hatte Trump vor der BestĂ€tigung des Wahlergebnisses im Kongress am 6. Januar 2021 seine AnhĂ€nger mit einer Rede aufgewiegelt. Trump behauptete, der Wahlsieg sei ihm durch massiven Betrug gestohlen worden. AnschlieĂend stĂŒrmten die AnhĂ€nger den Parlamentssitz in Washington. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Infolge der Krawalle starben fĂŒnf Menschen. Seitdem hat Trump die Behauptung des Wahlbetrugs unzĂ€hlige Male wiederholt und macht auch derzeit Wahlkampf damit.
Trumps AnwĂ€lte hatten beantragt, dass die Anklage fallengelassen wird. Sie sind der Ansicht, dass der Republikaner nicht rechtlich fĂŒr Handlungen belangt werden könne, die sie zu seinen Pflichten als PrĂ€sident zĂ€hlen. Die zustĂ€ndige Richterin in dem Verfahren hatte den Antrag allerdings abgelehnt.
Gegen diese Entscheidung legte Trumps Team wiederum Berufung ein - deshalb ist nun ein Berufungsgericht am Zuge. Sonderermittler Jack Smith, der Trump unter anderem wegen seiner Versuche angeklagt hat, das Wahlergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu kippen, hatte versucht, das Berufungsgericht zu umgehen. Er wandte sich dafĂŒr direkt an den Obersten Gerichtshof und bat diesen darum, die Frage schnell zu klĂ€ren. Diese Bitte lehnte der Supreme Court aber im Dezember ab.
Deshalb muss die Berufung ihren Weg durch die Instanzen gehen, was sich hinziehen kann. Es ist davon auszugehen, dass der Fall nach der Entscheidung des Berufungsgerichts wieder beim Supreme Court landen wird. Es wĂ€re das erste Mal, dass sich das Oberste Gericht der USA mit der Frage beschĂ€ftigt, ob Ex-PrĂ€sidenten ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung auf Bundesebene genieĂen. Ein Prozessbeginn Anfang MĂ€rz in Washington gegen Trump ist damit unwahrscheinlich, da auf die höchstinstanzliche Entscheidung gewartet werden muss.
Trump machte seine Sicht der Dinge auf Truth Social klar: NatĂŒrlich habe er als PrĂ€sident der USA und Oberbefehlshaber Anspruch auf ImmunitĂ€t gehabt. Er habe als PrĂ€sident lediglich sein Land verteidigt, schrieb er.
Trump, der noch mit weiteren strafrechtlichen Anklagen konfrontiert ist, will fĂŒr die Republikaner noch einmal ins WeiĂe Haus einziehen. Der 77-JĂ€hrige fĂŒhrt in parteiinternen Umfragen mit Abstand - die Vorwahlen fĂŒr die Kandidatur beginnen in wenigen Wochen. Bisher deutet alles auf eine Neuauflage des Wahlkampfs zwischen Trump und Amtsinhaber Biden hin.
Trump setzt darauf, die Prozesse gegen ihn bis nach der Wahl zu verzögern. Sollte er gewinnen, könnte er seinen Justizminister auffordern, die Ermittlungen auf Bundesebene gegen ihn einzustellen.

