Starker Stellenzuwachs und höhere Löhne
07.06.2024 - 16:06:51(Neu: EinschÀtzung von Analysten.)
WASHINGTON (dpa-AFX) - In den USA hat ein unerwartet starker Anstieg der BeschĂ€ftigung und ein ĂŒberraschend krĂ€ftiger Lohnzuwachs einmal mehr die robuste Lage auf dem Arbeitsmarkt bekrĂ€ftigt. Die Hoffnung auf Zinssenkungen schwindet damit in den USA. Im Mai stieg die Zahl der BeschĂ€ftigten auĂerhalb der Landwirtschaft um 272 000, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Der Markt hatte im Schnitt nur mit 180 000 neuen Jobs gerechnet. Analysten sprachen von einem starken Arbeitsmarktbericht, der die Spekulation auf eine baldige Zinssenkung in den USA dĂ€mpfte.
Zwar wurde der BeschĂ€ftigungsaufbau in den beiden Vormonaten um insgesamt 15 000 Stellen nach unten revidiert. Ein ĂŒberraschend starkes Lohnwachstum deutet aber weiter auf eine robuste Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt der gröĂten Volkswirtschaft der Welt hin.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenĂŒber dem Vormonat um 0,4 Prozent, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Im Vormonat hatte das Wachstum lediglich 0,2 Prozent betragen. Analysten hatten im Schnitt einen Zuwachs um 0,3 Prozent erwartet.
Viele US-Firmen klagen seit lĂ€ngerer Zeit ĂŒber einen Mangel an ArbeitskrĂ€ften, weshalb die Löhne anziehen. Auch im Jahresvergleich zog der Lohnauftrieb an. Zum Vorjahresmonat stiegen die Löhne um 4,1 Prozent, nach revidiert 4,0 (zunĂ€chst 3,9) Prozent im Monat zuvor. Erwartet wurde fĂŒr den Mai ein Plus von 3,9 Prozent.
Dagegen ist die Arbeitslosenquote im Mai ĂŒberraschend gestiegen. Sie legte um 0,1 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent zu und erreichte den höchsten Stand seit Anfang 2022. Im lĂ€ngeren Vergleich bleibt die Arbeitslosigkeit aber weiterhin niedrig.
"Der US-Arbeitsmarktbericht fĂŒr den Mai zeigt sich erneut sehr stark", kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Das hohe Zinsniveau scheint derzeit an der amerikanischen Wirtschaft abzuprallen.
Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gilt als mitentscheidend fĂŒr die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Ein robuster Arbeitsmarkt kann zu deutlicheren LohnzuwĂ€chsen fĂŒhren und den allgemeinen Preisanstieg verstĂ€rken. "Wir halten aktuell eine Senkung des Leitzinsbandes bei der Sitzung des geldpolitischen Rates in der nĂ€chsten Woche fĂŒr nahezu ausgeschlossen", sagte Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-ThĂŒringen (Helaba). Die Zinssenkungserwartungen werden auch fĂŒr den weiteren Jahresverlauf nochmals gedĂ€mpft.
Die US-Notenbank wird an diesem Mittwoch ihre Zinsentscheidung veröffentlichen. Vor dem Hintergrund einer weiter hartnĂ€ckigen Inflation in den USA wird allgemein keine Zinssenkung erwartet. Nach EinschĂ€tzung des Analysten Dirk Chlench von der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg ist der starke Arbeitsmarktbericht fĂŒr die US-Notenbank einen Grund mehr fĂŒr eine eher zögerliche Zinswende.
An den FinanzmÀrkten haben die Arbeitsmarktdaten die Spekulation auf weiter hohe Zinsen in den USA verstÀrkt, was dem US-Dollar krÀftigen Auftrieb verlieh. Der Euro geriet im Gegenzug unter Druck und fiel auf ein Tagestief bei 1,0821 US-Dollar. Eine starke Reaktion zeigte sich auch bei US-Staatsanleihen. Hier legten die Renditen kurz vor dem Wochenende krÀftig zu.

