ROUNDUP, USA

USA fĂŒhren komplexes Zollsystem auf die meisten Importe ein

02.04.2025 - 22:57:44

WASHINGTON - US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒhrt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Importe in die Vereinigten Staaten ein.

(neu: mehr Details, erste Reaktionen von FinanzmÀrkten)

WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒhrt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf die meisten Importe in die Vereinigten Staaten ein. FĂŒr viele LĂ€nder sollen je nach Handelsdefizit höhere Strafabgaben greifen, wie der Republikaner im Rosengarten des Weißen Hauses ankĂŒndigte. Es ist der bisher aggressivste und folgenschwerste Schritt in der Handelspolitik des US-PrĂ€sidenten. Dies trifft die EuropĂ€ische Union hart und dĂŒrfte die Weltwirtschaft im erheblichen Maße belasten. Ein Handelskrieg mit der EuropĂ€ischen Union scheint nun unausweichlich.

Der Republikaner hatte den Tag der VerkĂŒndung vorab als "Tag der Befreiung" angepriesen und die VerhĂ€ngung wechselseitiger Zölle angekĂŒndigt. Das bedeutet im Prinzip, dass die USA ĂŒberall dort ihre Zölle entsprechend im VerhĂ€ltnis anheben, wo sie derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner. Nun will er ein höchst komplexes System einfĂŒhren, das sowohl wechselseitige als auch pauschale Strafabgaben enthĂ€lt.

Trump: Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen

Zölle in Höhe von zehn Prozent sollen universell auf Importe aus allen LĂ€ndern in die Vereinigten Staaten gelten. Jenseits davon soll es individuelle Strafabgaben geben, die je nach Land variieren. Dabei werden besonders jene LĂ€nder ins Visier genommen, die aus Sicht der USA besonders hohe Handelsbarrieren fĂŒr amerikanische Produkte haben. Trump moniert neben Zölle immer wieder andere Handelshemmnisse wie Importvorgaben, Subventionen oder andere Regularien.

"Dieser Tag wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die amerikanische Industrie wiedergeboren wurde, als der Tag, an dem Amerika sein Schicksal zurĂŒckerobert hat, und als der Tag, an dem wir begonnen haben, Amerika wieder reich zu machen", sagte Trump. "Jahrzehntelang wurde unser Land geplĂŒndert, gebrandschatzt, vergewaltigt und ausgeplĂŒndert, von nahen und fernen Nationen, von Freunden und Feinden gleichermaßen." Dies sei nun vorbei. Trump sprach von einem der wichtigsten Tage in der US-Geschichte. Das "goldene Zeitalter" der USA komme zurĂŒck.

Trump setzt seit dem Wiedereinzug ins Weiße Haus - Ă€hnlich wie in seiner ersten Amtszeit - auf Zölle. Er verhĂ€ngte bereits Strafabgaben auf alle Aluminium- und Stahlimporte, brachte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos und Autoteile auf den Weg, fĂŒhrte erhöhte Zölle auf alle Waren aus China ein und nahm seine Nachbarn Kanada und Mexiko ins Visier. Gerade die Autozölle treffen Europa und den deutschen Markt schwer.

An den FinanzmĂ€rkten fielen die ersten Reaktionen unterschiedlich aus. WĂ€hrend die Futures auf verschiedene US-Aktienindizes deutlich nachgaben, sprang ihr japanisches Pendant nach oben. Der Eurokurs EU0009652759 pendelte sich nach einer wilden Achterbahnfahrt etwas unter dem Niveau von vor der AnkĂŒndigung ein. Unmittelbar danach lag die Handelsspanne fĂŒr eine kurze Zeit bei fast einem US-Dollar.

Zölle haben Folgen fĂŒr Verbraucher

Ein Importzoll funktioniert Ă€hnlich wie eine Steuer. Sie muss vom importierenden Unternehmen gezahlt werden - in diesem Fall also von den Unternehmen in den USA. Es gilt als wahrscheinlich, dass die importierenden Unternehmen die höheren Kosten nicht einfach selbst ĂŒbernehmen. Sie dĂŒrften sie an die Verbraucher weitergeben - die Preise steigen so, die Inflation könnte wieder angeheizt werden. Trumps Ziel ist, US-Unternehmen davon abzuhalten, Produkte aus dem Ausland einzufĂŒhren. Das soll langfristig den Produktionsstandort USA fördern.

Da mit Gegenzöllen gerechnet wird und auf die exportierenden Unternehmen Umsatzeinbußen zukommen dĂŒrften, könnte dies zu einem RĂŒckgang der Produktion und möglichen Stellenstreichungen fĂŒhren, was die Wirtschaft insgesamt belasten kann. Ein eskalierender Handelskonflikt zwischen den USA und der EU wird daher auch fĂŒr deutsche Verbraucher deutlich spĂŒrbare Auswirkungen haben.

EU ist Trumps Dauerrivale

Immer wieder wettert Trump bei öffentlichen Auftritten vor allem gegen die EU. GrundsĂ€tzlich ist es Trump ein Dorn im Auge, dass europĂ€ische Unternehmen deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als amerikanische Unternehmen in der EU. Die bereits bekannten US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren sowie Autoimporte hatten den Handelsstreit mit den EuropĂ€ern bereits angeheizt. Die neuen Strafabgaben könnten das Fass zum Überlaufen bringen und zu heftigen Gegenmaßnahmen aus BrĂŒssel fĂŒhren. Denn die Situation schaukelt sich bereits seit Wochen hoch. Dann dĂŒrften einzelne Produkte auch in Deutschland bald teurer werden.

Ansage vor besonderer Kulisse

FĂŒr seine Zoll-AnkĂŒndigung wĂ€hlte Trump nun nicht irgendeinen Ort, sondern den Rosengarten. Es war die erste Veranstaltung des Republikaners in dem berĂŒhmten Garten direkt neben dem Oval Office nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus. Trump hat Zölle in der Vergangenheit als sein Lieblingswort bezeichnet und schon in seiner ersten Amtszeit diverse Strafabgaben eingefĂŒhrt.

Er will mit Zöllen Handelsungleichgewichte korrigieren und mehr Produktion in die USA verlagern. Außerdem dĂŒrfte der US-PrĂ€sident mit der VerhĂ€ngung der Zölle StĂ€rke demonstrieren wollen, denn anderen LĂ€ndern wirft er vor, sein Land auszunutzen. Gleichzeitig könnten die Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen umfassender Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren. Zölle dienen dem Republikaner auch als Druckmittel, um in Verhandlungen mit anderen LĂ€ndern seine Ziele zu erreichen.

@ dpa.de