ROUNDUP, Aluminium

Trump bringt weitere Zölle auf den Weg

11.02.2025 - 06:35:16

WASHINGTON - US-PrÀsident Donald Trump hat Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte in die Vereinigten Staaten auf den Weg gebracht.

(Neu: Weitere Details)

WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Donald Trump hat Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte in die Vereinigten Staaten auf den Weg gebracht. Der Republikaner unterzeichnete dazu zwei Anordnungen im Weißen Haus und sagte, die Zölle sollten ausnahmslos fĂŒr Einfuhren aus allen Staaten gelten.

In den beiden Proklamationen, die die US-Regierungszentrale spĂ€ter veröffentlichte, ist aufgelistet, dass diverse Ausnahmeregeln fĂŒr verschiedene LĂ€nder ab 12. MĂ€rz nicht mehr gelten sollen. Stattdessen soll dann ein einheitlicher Zoll-Satz von 25 Prozent greifen.

"Heute vereinfache ich unsere Zölle auf Stahl und Aluminium, damit jeder genau verstehen kann, was das bedeutet", sagte Trump. "Es sind 25 Prozent ohne Ausnahmen (...). Und das gilt fĂŒr alle LĂ€nder, egal, woher es kommt." Der PrĂ€sident sagte zu seiner Entscheidung: "Das ist eine große Sache." Auf diesem Weg werde Amerika wieder reich.

Obwohl viele Experten sie fĂŒr kontraproduktiv halten, beschreibt Trump Zölle regelmĂ€ĂŸig als eine Art wirtschaftspolitisches Wundermittel. Und er stellte direkt weitere Zoll-AnkĂŒndigungen in Aussicht, etwa mit Blick auf Autos, Computer-Chips und Pharmazeutika. "Das wird großartig fĂŒr unser Land", kĂŒndigte Trump an. Details nannte er dazu aber nicht.

Sorge in Europa und Deutschland

Trump hatte die geplanten Zölle auf Stahl und Aluminium bereits am Sonntag angekĂŒndigt. Die EuropĂ€ische Union warnte den US-PrĂ€sidenten daraufhin vor der EinfĂŒhrung dieser Importzölle. "Die EU sieht keine Rechtfertigung fĂŒr die VerhĂ€ngung von Zöllen auf ihre Exporte", teilte die fĂŒr die Handelspolitik zustĂ€ndige EU-Kommission in BrĂŒssel mit. "Wir werden handeln, um die Interessen europĂ€ischer Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher vor ungerechtfertigten Maßnahmen zu schĂŒtzen."

Auch die Bundesregierung zeigte sich nach Trumps AnkĂŒndigung von Sonntag besorgt. Zölle wĂŒrden die deutsche exportorientierte Wirtschaft treffen, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums vor Journalisten in Berlin. Auf Nachfrage, ob mögliche Gegenmaßnahmen auch diesmal wieder US-Produkte wie MotorrĂ€der oder Whiskey treffen könnten, wie es schon wĂ€hrend Trumps erster Amtszeit der Fall gewesen war, sagte der Sprecher, es gebe keinen Automatismus aufgrund der Erfahrung vom letzten Mal.

Erinnerungen an Trumps erste Amtszeit

Als Trump nach seinem ersten Wahlsieg Zölle auf europĂ€ische Stahl- und Aluminiumimporte einfĂŒhrte, reagierte die EU darauf mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, MotorrĂ€der und Erdnussbutter. WĂ€hrend der Amtszeit seines Nachfolgers Joe Biden wurde ein Stillhalteabkommen geschlossen, das die Zölle entschĂ€rfte.

Laut dem Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl sind die USA der wichtigste Absatzmarkt fĂŒr die europĂ€ische Stahlindustrie. Aus der gesamten EU seien 2023 rund vier Millionen Tonnen in die USA exportiert worden. Allein aus Deutschland seien es jĂ€hrlich rund eine Million Tonnen, zumeist Spezialstahl. Deutschland ist der grĂ¶ĂŸte Stahlproduzent in der EU und steht weltweit an siebter Stelle hinter China, Indien, Japan, den USA, Russland und SĂŒdkorea. BranchenĂŒbergreifend sind die USA fĂŒr deutsche Exporteure der wichtigste Absatzmarkt.

Die USA beziehen ihren Stahl nach jĂŒngsten Angaben des Branchenverbands American Iron and Steel Institute vor allem aus Kanada, Brasilien und Mexiko. Auch Deutschland und China rangieren demnach in den Top 10 der HerkunftslĂ€nder von Stahlimporten.

"Unschön, aber nicht verheerend"

Der frĂŒhere Chef des Kieler Instituts fĂŒr Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, erwartet allerdings ĂŒberschaubare Folgen fĂŒr Europa durch neue US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. "Es ist unschön fĂŒr unsere Volkswirtschaften, aber nicht verheerend", sagte Felbermayr der Deutschen Presse-Agentur. Zudem dĂŒrften die Stahlpreise sinken, wenn mehr Stahl in Deutschland bleibe und andere LĂ€nder statt in die USA mehr nach Deutschland lieferten. Das könne etwa den Bau von WindrĂ€dern gĂŒnstiger machen.

Der heute in Wien tĂ€tige Wirtschaftsprofessor geht zurzeit davon aus, dass die US-Zölle vor allem ein "Drohinstrument" sind. "Auch die USA haben kein nachhaltiges Interesse daran, sich wirklich abzuschotten und Zollmauern zu errichten", sagte er. Europa sei aber heute in einer schwierigeren Position als vor acht Jahren, als ein Deal mit Trump gefunden wurde, um Zölle abzuwenden. Die EuropĂ€er seien mittlerweile abhĂ€ngiger von den USA, etwa wegen der FlĂŒssiggaslieferungen, und sie hĂ€tten den damals versprochenen Abbau von Industriezöllen nicht umgesetzt. "Die Frage ist, wie viel Porzellan wird zerschlagen, bis man wieder den Tisch decken kann."

Aufschub fĂŒr Mexiko und Kanada

Trump nutzt Zölle gern als außenpolitisches Druckmittel, um seine Ziele zu erreichen. Anfang Februar konnte ein nordamerikanischer Handelskrieg mit ungewissen Folgen fĂŒr die Weltwirtschaft gerade noch abgewendet werden. Trump ließ sich nur wenige Stunden vor dem Inkrafttreten angedrohter Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus Mexiko und Kanada auf ZugestĂ€ndnisse der Nachbarn vor allem bei der Grenzsicherung ein. DafĂŒr schob er die HandelsbeschrĂ€nkungen fĂŒr mindestens 30 Tage auf. Neue Zölle gegen China blieben dagegen in Kraft.

Und Trump lĂ€sst keinen Zweifel daran, dass noch einiges an Zöllen mit ihm kommen dĂŒrfte. Als NĂ€chstes, innerhalb der kommenden zwei Tage, werde er reziproke Zölle verkĂŒnden, versprach Trump weiter. Damit sind wechselseitige Zölle gemeint, die dem Zollniveau des jeweiligen Handelspartners angepasst werden. Trump sagte, es sei ganz einfach: "Wenn sie uns etwas berechnen, berechnen wir ihnen etwas." Er wolle anderen LĂ€ndern nicht schaden. "Aber sie haben uns jahrelang ausgenutzt."

@ dpa.de