GESAMT-ROUNDUP, Biden

GESAMT-ROUNDUP 2: Biden verzichtet auf Kandidatur und schlÀgt Harris vor

21.07.2024 - 23:05:31

WASHINGTON - US-PrĂ€sident Joe Biden will bei der Wahl im November nicht lĂ€nger fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten und hat seine Stellvertreterin Kamala Harris als Ersatzkandidatin vorgeschlagen.

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WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Joe Biden will bei der Wahl im November nicht lĂ€nger fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten und hat seine Stellvertreterin Kamala Harris als Ersatzkandidatin vorgeschlagen. Obwohl es seine Absicht gewesen sei, sich um eine Wiederwahl zu bemĂŒhen, glaube er, dass es im besten Interesse seiner Partei und des Landes sei, wenn er sich zurĂŒckziehe und ausschließlich auf sein Amt konzentriere, schrieb der Demokrat in einer ErklĂ€rung. Harris erklĂ€rte, dass sie PrĂ€sidentschaftskandidatin werden wolle.

In den vergangenen Wochen war der 81-JĂ€hrige wegen seines mentalen Zustandes in der eigenen Partei massiv unter Druck geraten. Bidens RĂŒckzug so kurz vor der Wahl ist eine dramatische Wende und verursacht weiteres Chaos in einem ohnehin historischen US-Wahljahr.

Biden stellt sich hinter Vize Harris

Biden kĂŒndigte an, die Nation im Laufe der Woche ausfĂŒhrlicher ĂŒber seine Entscheidung informieren zu wollen. Er teilte seinen RĂŒckzug in den sozialen Medien X, Facebook und Instagram mit. Kurz darauf schrieb er, dass die 59-jĂ€hrige Harris seine volle UnterstĂŒtzung habe, als Kandidatin der Demokraten bei der anstehenden Wahl anzutreten. Die Demokraten mĂŒssen nun in kĂŒrzester Zeit umsatteln und die Nachfolge regeln. Sie nominieren ihren PrĂ€sidentschaftskandidaten offiziell bei einem Parteitag in Chicago Mitte August.

Harris war an der Seite Bidens bislang blass geblieben, bekam angesichts der SchwĂ€che ihres Chefs zuletzt allerdings die UnterstĂŒtzung einer ganzen Reihe wichtiger Parteimitglieder. Sie teilte nun mit: "Ich fĂŒhle mich geehrt, die UnterstĂŒtzung des PrĂ€sidenten zu haben, und ich habe die Absicht, diese Nominierung zu verdienen und zu gewinnen." Harris ist die erste Schwarze, die den Eid als US-VizeprĂ€sidentin abgelegt hat. Sie ist 19 Jahre jĂŒnger als der PrĂ€sidentschaftskandidat der Republikaner, Donald Trump.

Trump schimpft auf Biden

Der 78-JĂ€hrige war beim Parteitag der Republikaner in Milwaukee vergangene Woche offiziell zum Kandidaten seiner Partei gekĂŒrt worden. Als Vizekandidat der Republikaner geht der Senator J.D. Vance ins Rennen. Trump schrieb unmittelbar nach Bidens AnkĂŒndigung auf seinem Sprachrohr Truth Social, dass Biden nicht in der Lage sei, fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten zu kandidieren. Er sei auch "ganz sicher" nicht in der Lage, das Amt zu bekleiden und sei es auch nie gewesen, schrieb Trump weiter. "Wir werden den Schaden, den er angerichtet hat, sehr schnell beheben."

Die Krise der vergangenen Wochen

Biden war nach einem desaströsen Auftritt bei einem Fernsehduell gegen den Ex-PrĂ€sidenten Trump Ende Juni extrem in die Kritik geraten. WĂ€hrend des Schlagabtauschs verhaspelte sich der mĂ€chtigste Mann der Welt regelmĂ€ĂŸig, verlor den Faden, starrte mit offenem Mund ins Leere und konnte hĂ€ufig seine SĂ€tze nicht richtig beenden. Schon vorher hatte es innerhalb der Demokratischen Partei und in der Bevölkerung wegen Bidens Alter Vorbehalte gegen seine Wiederwahlambitionen gegeben. Doch nach dem Duell entflammte die Debatte ĂŒber die Eignung des Bidens als PrĂ€sidentschaftskandidat der Demokraten in ganz neuem Ausmaß - und in aller Öffentlichkeit.

Nach der Debatte hatten sich Bidens Umfragewerte noch mal deutlich verschlechtert. Und in seiner eigenen Partei wagten sich einer nach dem anderen vor, um öffentlich Bidens RĂŒckzug aus dem Rennen um die PrĂ€sidentschaft zu fordern. Der PrĂ€sident selbst versuchte zunĂ€chst, sich herauszureden. Seinen schwachen Auftritt begrĂŒndete er mit MĂŒdigkeit in Folge anstrengender Auslandsreisen. Er habe nicht aus seine Berater gehört und sich ĂŒbernommen. Bei diversen Auftritten gab er sich trotzig und versicherte ein ums andere Mal, er werde sich nicht zurĂŒckziehen. Doch es folgten weitere Patzer. Und am Ende wurde der Druck aus den eigenen Reihen zu groß.

Coronainfektion und RĂŒckzug nach Delaware

In den vergangenen Tagen hatte sich Biden nach einer Infektion mit dem Coronavirus in sein Privathaus in Rehoboth Delaware zurĂŒckgezogen und keine öffentlichen Termine absolviert. WĂ€hrend seiner Zwangspause fasste er nun den Entschluss, sich dem Druck seiner Parteikollegen zu beugen.

Der fĂŒhrende Demokrat im US-Senat, Chuck Schumer, zollte Biden seinen Respekt. Biden sei nicht nur ein großartiger PrĂ€sident, sondern auch ein wirklich bemerkenswerter Mensch. "Seine Entscheidung war gewiss nicht leicht, aber er hat wieder einmal sein Land, seine Partei und unsere Zukunft an die erste Stelle gesetzt", schrieb Schumer in einer Stellungnahme. Der heutige Tag zeige, dass Biden "ein wahrer Patriot und großer Amerikaner" sei. First Lady Jill Biden kommentierte den RĂŒckzug ihres Ehemannes mit zwei Herzen auf der Plattform X. Die 73-JĂ€hrige gilt als engste Vertraute Bidens.

Ein Wahljahr wie keines zuvor

Schon vor dieser grĂ¶ĂŸtmöglichen Komplikation war dieses US-Wahljahr eines, das auf allen Ebenen heraussticht, vor allem mit Blick auf den republikanischen Kandidaten. Mit Trump bewirbt sich ein verurteilter StraftĂ€ter um das höchste Amt im Staat. Als erster Ex-PrĂ€sident der Vereinigten Staaten wurde der Republikaner in einem Strafverfahren schuldig gesprochen - wegen der Verschleierung einer Schweigegeldzahlung an eine Pornodarstellerin. Im Wahlkampf hat das dem 78-JĂ€hrigen bislang nicht geschadet. Es laufen noch andere Strafverfahren gegen ihn - allerdings dĂŒrfte es vor dem Wahltag in diesen FĂ€llen nicht mehr zum Prozess kommen.

Zu einer Eskalation im Wahlkampf kam es vor gut einer Woche, als ein SchĂŒtze auf einer Wahlkampfveranstaltung Trumps im Bundesstaat Pennsylvania vergangene Woche das Feuer eröffnete. Trump wurde bei dem Attentat am Ohr verletzt, ein Zuschauer kam ums Leben, zwei weitere wurden verwundet.

Bereits das jĂŒngste US-Wahljahr 2020 war chaotisch gewesen. Trump akzeptierte seine Wahlniederlage gegen Biden damals nicht, sondern versuchte mit drastischen Mitteln, den Wahlausgang umzukehren. Sein Feldzug gipfelte damals in einem gewaltsamen Angriff seiner AnhĂ€nger auf das US-Kapitol, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen.

@ dpa.de