WDH / ROUNDUP: Kallas ruft Partner zu höheren Verteidigungsausgaben auf
20.03.2024 - 11:49:41(In der Meldung vom 19. MĂ€rz, 15.30 Uhr, wird am Ende des zweiten Absatzes ein Hinweis ergĂ€nzt: Kallas zitierte den frĂŒheren Bundeskanzler Adenauer.)
BERLIN (dpa-AFX) - Die estnische MinisterprĂ€sidentin Kaja Kallas hat die Partner in Europa und der Nato aufgerufen, angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine mehr Geld fĂŒr Verteidigung auszugeben. Estland investiere mehr als 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung, sagte Kallas am Dienstag in Berlin. Die Partner sollten das Gleiche tun, denn ansonsten provoziere man Russland durch SchwĂ€che. "Wenn sie glauben, dass sie gewinnen können, werden sie einen Schritt machen. Wenn sie verstehen, dass wir stark genug sind, werden sie den Schritt in Richtung Nato nicht wagen", ergĂ€nzte sie. "Deshalb mĂŒssen wir diese gemeinsame Anstrengung wirklich gemeinsam unternehmen", forderte Kallas.
Es sei schwierig, der Bevölkerung zu erklĂ€ren, dass man mehr in die Verteidigung investieren mĂŒsse, rĂ€umte Kallas ein. Womöglich habe man derzeit nicht wirklich das GefĂŒhl, dass dies notwendig sei. "Aber wenn Sie das GefĂŒhl haben, dass es notwendig ist, wird es zu spĂ€t sein. Das ist das Problem mit der Verteidigung." Auf eine Frage zu den Gedankenspielen von SPD-Fraktionschef Rolf MĂŒtzenich, den Krieg in der Ukraine einzufrieren, zitierte Kallas den frĂŒheren Bundeskanzler Konrad Adenauer: "In einer Welt voller Gewalt wĂ€re Pazifismus Selbstmord - ganz einfach ausgedrĂŒckt."
Im Anschluss sollte Kallas fĂŒr ihre Verdienste fĂŒr die europĂ€ische VerstĂ€ndigung und ihre klare Haltung zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine mit dem Walther-Rathenau-Preis ausgezeichnet werden.
Mit dem Preis zeichnet das Walther-Rathenau-Institut Menschen fĂŒr ein herausragendes auĂenpolitisches Lebenswerk aus. Erster PreistrĂ€ger war im Jahr 2008 der frĂŒhere AuĂenminister Hans-Dietrich Genscher, spĂ€ter folgten unter anderem die frĂŒhere US-AuĂenministerin Hillary Clinton, die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Holocaust-Ăberlebende Margot FriedlĂ€nder. Rathenau war AuĂenminister der jungen Weimarer Republik. Der liberale jĂŒdische Politiker wurde am 24. Juni 1922 von Rechtsextremen im Berliner Grunewald auf dem Weg ins AuswĂ€rtige Amt erschossen.

