Weinernte 2026: Statistikamt erwartet 8,0 Millionen Hektoliter
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 11:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchÀtzungen zur Weinlese 2026
- Das Statistische Bundesamt erwartet 8,0 Millionen Hektoliter und damit mehr als im Vorjahr mit 7,7 Millionen.
- Das Deutsche Weininstitut veranschlagt die Ernte auf rund 20 Prozent unter dem zehnjÀhrigen Durchschnitt von 8,7 Millionen Hektolitern.
- Rheinhessen und die Pfalz liefern voraussichtlich 56 Prozent der deutschen Lesemenge.
- Etwa 70 Prozent der erwarteten Ernte entfallen auf weiĂe Rebsorten, 30 Prozent auf rote Trauben.
Die Weinlese in Deutschland ist nach dem heiĂen und trockenen Sommer bis auf wenige Ausnahmen abgeschlossen.
QualitÀt trotz geringerer Menge
Die Winzerinnen und Winzer rechnen 2026 mit einer geringeren Ausbeute als in einem Durchschnittsjahr, erwarten aber einen qualitativ guten Jahrgang. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden und das Deutsche Weininstitut im rheinhessischen Bodenheim kommen bei der Menge zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Statistikamt erwartet moderates Minus
Das Statistische Bundesamt geht von einer Ernte aus, die vier Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025 liegt. Das entsprĂ€che einem RĂŒckgang von etwa 30 Millionen Litern und einer Gesamtmenge von voraussichtlich 8,0 Millionen Hektolitern.
Damit lĂ€ge die Ernte ĂŒber dem Vorjahreswert von 7,7 Millionen Hektolitern. Grundlage der SchĂ€tzung war eine Erhebung zum 20. September.
Weininstitut sieht niedrigsten Wert seit 2010
Das Deutsche Weininstitut prognostiziert dagegen eine Menge von rund 20 Prozent unter dem zehnjÀhrigen Durchschnitt von 8,7 Millionen Hektolitern. Nach dieser EinschÀtzung wÀre die Ernte so niedrig wie seit 16 Jahren nicht mehr; 2010 waren 7,1 Millionen Hektoliter gelesen worden.
Die Abweichung zwischen den Prognosen kann mit den besonders kleinen Trauben zusammenhĂ€ngen, die sich infolge von Hitze und Sonne gebildet haben. Die aktuellere DWI-SchĂ€tzung berĂŒcksichtigt nach Angaben des Instituts die geringere Saftausbeute beim Pressen.
Rebenalter beeinflusst den Ertrag
Die Ertragslage fĂ€llt innerhalb der Anbaugebiete unterschiedlich aus. Ăltere Reben hĂ€tten die Trockenheit dank ihrer tiefen Wurzeln teilweise gut ĂŒberstanden, wĂ€hrend jĂŒngere Weinberge und Anlagen auf leichten Böden stĂ€rker unter der Wasserknappheit gelitten hĂ€tten.
Riesling und Dornfelder mit ZuwÀchsen
Rheinhessen kommt voraussichtlich auf 2,4 Millionen Hektoliter, die Pfalz auf 2,1 Millionen. Ein weiteres knappes Viertel der deutschen Ernte entfĂ€llt auf Baden und WĂŒrttemberg.
Bei den Rebsorten entfallen rund 70 Prozent der Ernte auf WeiĂmost und 30 Prozent auf rote Trauben. ZuwĂ€chse werden vor allem bei Riesling und Dornfelder erwartet, wĂ€hrend GrĂŒner Silvaner und Blauer Portugieser etwas geringere Mengen liefern.
Ertrag und QualitÀt entwickeln sich auseinander
Die deutsche Weinernte 2026 steht fĂŒr ein Muster, das in vielen landwirtschaftlichen Bereichen an Bedeutung gewinnt: Hohe Temperaturen und viel Sonnenschein können die Reife fördern, zugleich aber Wasserreserven und BeerengröĂe begrenzen. FĂŒr Winzer zĂ€hlt deshalb nicht allein der Traubenbehang, sondern auch, wie viel Saft sich tatsĂ€chlich aus den Trauben gewinnen lĂ€sst.
Die beiden Prognosen zeigen zudem, wie stark das Ergebnis vom Messzeitpunkt und von der Methode abhĂ€ngt. Eine frĂŒhere SchĂ€tzung kann den Bestand im Weinberg abbilden, wĂ€hrend eine spĂ€tere EinschĂ€tzung die Verarbeitung und die tatsĂ€chliche Saftausbeute stĂ€rker berĂŒcksichtigt. Die endgĂŒltige Erntemenge wird damit erst nach Abschluss der Auswertung belastbar einzuordnen sein.
Regionale Unterschiede bleiben entscheidend
Rheinhessen und die Pfalz tragen den gröĂten Teil der deutschen Weinproduktion. Zugleich können Bodenbeschaffenheit, Rebalter und verfĂŒgbare Wasserspeicher die ErtrĂ€ge innerhalb eines Anbaugebiets deutlich auseinanderlaufen lassen. Tief wurzelnde Ă€ltere Reben sind unter trockenen Bedingungen hĂ€ufig im Vorteil, wĂ€hrend junge Anlagen auf leichten Böden empfindlicher reagieren.
FĂŒr Verbraucher bedeutet ein kleinerer Ertrag nicht automatisch eine schlechtere WeinqualitĂ€t. Ein qualitativ guter Jahrgang kann bei geringerer Menge entstehen, allerdings können knappe Ernten den wirtschaftlichen Druck auf Betriebe erhöhen. Neben dem Wetter bleibt daher entscheidend, wie sich Preise, Nachfrage und die Kosten fĂŒr BewĂ€sserung, Pflege und Verarbeitung entwickeln.
