Klimawandel, WaldbrÀnde

Wie der Klimawandel WaldbrĂ€nde begĂŒnstigt - und der Gesundheit schadet

21.10.2024 - 17:04:59

Weltweit kommt es aufgrund der ErderwÀrmung zu mehr WaldbrÀnden - und die damit einhergehende Luftverschmutzung bedroht immer mehr Menschen.

Das sind die Ergebnisse zweier Studien mit Beteiligung des Potsdam-Instituts fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK), die das Fachjournal "Nature Climate Change" veröffentlicht hat.

Der ersten Studie zufolge hat der Klimawandel in den vergangenen Jahrzehnten fĂŒr mehr verbrannte FlĂ€chen gesorgt. Im Zeitraum von 2003 bis 2019 seien knapp 16 Prozent mehr Wald abgebrannt, verglichen mit einem Szenario ohne Klimawandel, schreibt das Team um Seppe Lampe von der Freien UniversitĂ€t BrĂŒssel. Betroffen waren den Forschenden zufolge vor allem Australien, SĂŒdamerika, der Westen Nordamerikas und Sibirien.

Insgesamt nahm die verbrannte FlĂ€che in diesem Zeitraum zwar um 19 Prozent ab. Das liege aber daran, dass immer mehr WaldflĂ€chen fĂŒr Landwirtschaft oder andere Zwecke genutzt worden seien. Dadurch gebe es weniger FlĂ€chen, die abbrennen könnten.

Doch dort, wo es zu BrĂ€nden kommt, sorgt die ErderwĂ€rmung der Studie zufolge fĂŒr besonders große verbrannte Areale. Zwar lösen Hitze und DĂŒrre alleine die BrĂ€nde nicht aus, sie machen WĂ€lder aber anfĂ€lliger fĂŒr diese und sorgen auch dafĂŒr, dass die BrĂ€nde tendenziell stĂ€rker ausfallen. "Unsere Studie zeigt, dass, sobald BrĂ€nde auftreten, der Einfluss des Klimawandels mit trockeneren und wĂ€rmeren Wetterbedingungen immer bedeutsamer wird", wird Co-Autorin Chantelle Burton vom britischen Met Office Hadley Centre in Exeter in einer Mitteilung zur Studie zitiert.

Mehr BrÀnde, mehr Luftverschmutzung

Wie solche BrĂ€nde die Gesundheit schĂ€digen, untersuchte in der zweiten Studie eine Gruppe um Chae Yeon Park vom Japanischen Nationalinstitut fĂŒr Industrie- und Wissenschaftstechnologie in Tsukuba. Denn durch die BrĂ€nde entstehen auch Rauch und damit Feinstaub, der tief in die Lunge gelangen kann. Der Studie zufolge stieg die Zahl der TodesfĂ€lle durch feuerbedingte Luftverschmutzung weltweit von etwa 46.400 pro Jahr in den 1960er Jahren auf rund 98.750 in den 2010er Jahren.

Aufbauend auf die Resultate der ersten Studie gingen demnach in den 2010er Jahren jĂ€hrlich mehr als 12.500 TodesfĂ€lle durch Luftverschmutzung infolge von BrĂ€nden auf das Konto des Klimawandels. In den 1960er Jahren seien es etwa 670 TodesfĂ€lle pro Jahr gewesen, kalkuliert die Gruppe. Betroffen waren vor allem Regionen wie SĂŒdamerika, Australien und auch Europa. "Unsere Forschung verdeutlicht, dass der Klimawandel zunehmend eine Bedrohung fĂŒr die öffentliche Gesundheit darstellt, da Rauch hĂ€ufiger auch dicht besiedelte Gebiete trifft", erklĂ€rt Hauptautorin Park.

Die Studie nennt aber auch Ausnahmen zu dem Trend: In einigen Regionen, wie SĂŒdasien, fĂŒhrte eine Klimawandel-bedingt steigende Luftfeuchtigkeit demnach zu weniger TodesfĂ€llen durch BrĂ€nde.

Bei der Analyse handelt es sich um eine epidemiologische Studie. Epidemiologische Studien ermitteln den statistischen Zusammenhang zwischen Risikofaktoren wie der Feinstaub-Belastung und gesundheitlichen Auswirkungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Solche Studien zeigen Korrelationen, keine KausalitĂ€ten, sagen also nicht unbedingt etwas ĂŒber ursĂ€chliche ZusammenhĂ€nge aus. Das Ergebnis ist eine statistische AbschĂ€tzung, keine exakte Angabe zu klinisch identifizierten TodesfĂ€llen. Der tatsĂ€chliche Wert kann sowohl höher als auch niedriger liegen.

Auch andere Studie kommt zu Àhnlichem Ergebnis

Die Ergebnisse der beiden Studien passen zum Resultat einer Untersuchung, die ein internationales Forschungsteam vergangene Woche im Fachjournal "Science" veröffentlicht hat. Demnach haben sich FlĂ€chenbrĂ€nde zunehmend von tropischen Savannen in WĂ€lder verlagert. Diese wĂŒrden stĂ€rker brennen und dadurch grĂ¶ĂŸere Mengen schĂ€dlichen Rauches freisetzen, schreibt die Gruppe um Matthew Jones von der University of East Anglia in Norwich. Das stelle erhebliche Bedrohungen fĂŒr Menschen dar.

@ dpa.de