Weniger Zustelltage fĂŒr Briefe? Post reagiert zurĂŒckhaltend
12.06.2023 - 17:42:07In der Debatte um die Reform des veralteten Postgesetzes hat der Chef der Bundesnetzagentur angedeutet, mit der Streichung des Montags als Briefzustelltag einverstanden zu sein. «Noch ist die Post verpflichtet, sechs Tage die Woche zuzustellen. Aber unsere Gesellschaft und unser Kommunikationsverhalten haben sich geĂ€ndert», sagte der PrĂ€sident der Bundesnetzagentur, Klaus MĂŒller, der Funke Mediengruppe. In anderen LĂ€ndern seien Zustellzeiten von zwei, drei oder vier Tagen normal. «Ich bin offen, dass so etwas auch hier möglich wird», so MĂŒller. Die Entscheidung liege aber beim Bundestag.
Der Behördenchef sagte dies mit Blick auf die anstehende Reform des veralteten Postgesetzes, das in diesem Jahr erstmals nach einem Vierteljahrhundert umfassend novelliert und dem Digitalzeitalter angepasst werden soll.
Die Bundesnetzagentur ist als einflussreiche Regulierungs- und Aufsichtsbehörde fĂŒr verschiedene Bereiche der deutschen Infrastruktur zustĂ€ndig. Dazu zĂ€hlt neben Energie, Telekommunikation und Eisenbahnen auch die Post.
Noch vor einigen Jahren hatte die Post durchblicken lassen, dass sie eine Reduzierung der Zustelltage von sechs auf fĂŒnf pro Woche positiv sĂ€he. Montags werden relativ wenige Briefe ausgetragen, weil Firmen am Wochenende normalerweise nichts losschicken und die Taschen der BrieftrĂ€ger zum Wochenauftakt daher recht leer sind.
Der Paketbote kommt sowieso
Inzwischen hat sich die Lage aber etwas geĂ€ndert, da die Post immer stĂ€rker auf die sogenannte Verbundzustellung setzt. Hierbei bringt der Zusteller nicht nur Briefe, sondern auch Pakete. Angesichts der Konkurrenz am Paketmarkt dĂŒrfte die Deutsche Post DHL kĂŒnftig auch montags Pakete zustellen wollen. Eine Streichung der Briefzustellung an Montagen wĂŒrde der Post daher wenig bringen, schlieĂlich sind die Zusteller vielerorts ohnehin unterwegs mit den Paketen.
Die Post reagierte zurĂŒckhaltend auf MĂŒllers ĂuĂerung. «Eine VerĂ€nderung der gesetzlich vorgegebenen Anzahl der Zustelltage pro Woche steht derzeit nicht im Fokus unserer Forderungen», sagte ein Firmensprecher. Zugleich betonte er die Bedeutung einer Ănderung einer anderen Vorschrift: Derzeit muss die Post mindestens 80 Prozent der eingeworfenen Briefe am nĂ€chsten Werktag zustellen. WĂŒrde dieser Wert gesenkt, hĂ€tte die Post weniger Zeitdruck - was bei vielen Briefen, deren Erhalt im Digitalzeitalter lĂ€ngst nicht mehr zeitkritisch ist, wohl verschmerzbar wĂ€re. Mit einer neuen Vorgabe könnte das Briefnetz effizienter ausgelastet werden, so die Post. Das wiederum wĂŒrde Preissteigerungen entgegenwirken.Briefporto
Post will Porto vor Januar 2025 anheben
Separat zur Postgesetz-Reform hat der Bonner Konzern ein Verfahren bei der Bundesnetzagentur eingeleitet, um das Porto schon vor Januar 2025 anheben zu dĂŒrfen. Die Firma begrĂŒndet das mit höheren Kosten in Inflationszeiten. Bei diesem Thema verwies Behördenchef MĂŒller auf die Vielzahl an Beschwerden, welche die Bundesnetzagentur seit vergangenem Sommer erreichen. Zuletzt sank die Monatszahl zwar, sie liegt aber noch immer ĂŒber dem Niveau des Vorjahreszeitraums. «Ob man in dieser Situation das Porto erhöht, muss man sorgfĂ€ltig prĂŒfen», sagte MĂŒller. «Es gibt legitime Interessen der Post, aber wir mĂŒssen auch die Kunden im Blick haben.»
Die Gewerkschaft Verdi unterstrich im Rahmen der Reformdebatte die Bedeutung der Sechs-Tage-Briefzustellung. GÀbe es weniger Zustelltage, fielen tarifgebundene ArbeitsplÀtze weg, warnte Verdi.


