KORREKTUR/ ROUNDUP 3: Harte KĂ€mpfe bis zum Schluss - Einigung im Bahn-Tarifstreit
26.03.2024 - 16:49:50 | dpa.de(Weselsky ist seit fast 16 Jahren Bundesvorsitzender, nicht seit fast 12)
BERLIN (dpa-AFX) - Vier Warnstreiks, vier Streiks, Tausende ausgefallene ZĂŒge, Millionen betroffene FahrgĂ€ste: Rund ein Jahr lang hielten nacheinander zwei Tarifkonflikte bei der Bahn Kunden und den Konzern in Atem - erst mit der Gewerkschaft EVG und zuletzt mit der GDL. Nun gibt es auch mit ihr einen Abschluss. Das monatelange Ringen zwischen Bahn-Personalvorstand Martin Seiler und GDL-Chef Claus Weselsky hat ein Ende. Beide Seiten traten am Dienstag getrennt vor die Kameras und Mikrofone, um den Kompromiss vorzustellen. "Allein das spricht BĂ€nde", sagte Weselsky. FĂŒr ihn war es die letzte Tarifrunde vor seiner Rente.
Keine weiteren Streiks
FĂŒr rund ein Jahr haben FahrgĂ€ste nun vor weiteren ArbeitskĂ€mpfen bei der Bahn Ruhe. Ende MĂ€rz 2025 lĂ€uft der Tarifvertrag mit der gröĂeren EVG aus. Warnstreiks sind ab diesem Zeitpunkt wieder möglich. Mit der GDL muss die Bahn hingegen erst 2026 wieder an den Verhandlungstisch. Der am Dienstag beschlossene Vertrag sieht eine Friedenspflicht bis einschlieĂlich Februar 2026 vor.
Claus Weselsky, der fast 16 Jahre lang das Gesicht der LokfĂŒhrergewerkschaft war, wird die Verhandlungen nicht mehr fĂŒhren. Er plant, in diesem Jahr in Rente zu gehen. Sein designierter Nachfolger heiĂt Mario ReiĂ. Ob er die Tarifverhandlungen mit der Bahn mit der gleichen Heftigkeit fĂŒhren wird wie sein VorgĂ€nger, ist unklar.
Harte "Fights"
Trotz seiner langjĂ€hrigen Erfahrung war es fĂŒr Weselsky eigenen Worten zufolge die hĂ€rteste aller Tarifrunden. "Es sind bis zum Schluss harte Fights um jede einzelne Regelung gewesen." Das habe vor allem auch an den eigenen Forderungen gelegen, rĂ€umte er ein. Er meint damit vor allem die Kernforderung nach einer Absenkung der Wochenarbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden. Diese wird nun in Form eines Wahlmodells stufenweise bis 2029 eingefĂŒhrt.
FĂŒr die insgesamt sechs ArbeitskĂ€mpfe der GDL im Tarifstreit machte Weselsky hingegen die Bahn verantwortlich. "Es ist die Arbeitgeberseite gewesen, die diese Auseinandersetzung so lang gezogen hat und die sie so provokant gefahren hat."
Die Regelungen im Einzelnen
* Wochenarbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter: Die Absenkung kommt stufenweise und in Form eines Wahlmodells. Die erste Verringerung um eine Stunde folgt ab 2026 automatisch, sollten die BeschĂ€ftigten nicht widersprechen. Anfang 2027 gibt es eine optionale Reduzierung auf 36 Stunden, ab 2028 auf 35,5 Stunden und ab 2029 dann 35 Stunden. Dabei können die BeschĂ€ftigten entscheiden, ob sie die jeweiligen Stufen mitgehen, bei ihrer bisherigen Arbeitszeit bleiben oder mehr arbeiten wollen. Wenn sie weniger arbeiten, folgen daraus keine Gehalts- oder LohneinbuĂen. Wenn sie bei ihrer bisherigen Arbeitszeit bleiben oder auf bis zu 40 Stunden erhöhen, erhalten sie fĂŒr jede nichtreduzierte beziehungsweise zusĂ€tzliche Arbeitsstunde 2,7 Prozent mehr Geld.* Entgelt: Alle BeschĂ€ftigten mit gĂŒltigem GDL-Tarifvertrag erhaltenin zwei Stufen 420 Euro mehr im Monat. Die erste Erhöhung von 210 Euro pro Monat kommt im August dieses Jahres. Die zweite Stufe in selber Höhe gibt es im April 2025. Hinzu kommt eine steuer- und abgabenfreie InflationsausgleichsprĂ€mie, die ebenfalls in zwei Schritten gezahlt wird. 1500 Euro sollen noch im MĂ€rz ausgezahlt werden. Weitere 1350 Euro gibt es Mai.* Laufzeit: Der Tarifvertrag lĂ€uft 26 Monate, rĂŒckwirkend vom 1.November 2023 bis Ende Dezember 2025. Danach soll es eine zweimonatige Verhandlungsphase mit Friedenspflicht geben. Zudem sollen dabei ModalitĂ€ten fĂŒr eine mögliche Schlichtungsvereinbarung besprochen werden - fĂŒr den Fall, dass die GesprĂ€che erneut scheitern.* Keine TarifvertrĂ€ge fĂŒr BeschĂ€ftigte der Infrastruktur: Damit istdie GDL bei einer Kernforderung gescheitert, fĂŒr weitere Berufsgruppen bei der Bahn TarifvertrĂ€ge abzuschlieĂen.
In den vergangenen Monaten hatte die GDL bereits mit 29 weiteren Unternehmen einen Tarifabschluss getroffen, der eine weitergehende 35-Stunden-Regelung vorsah. Diese VertrÀge wird die Gewerkschaft nun nach und nach an den Bahn-Kompromiss anpassen.
Auseinandersetzung ums TEG
FĂŒr die FahrgĂ€ste ist der Tarifstreit damit vorbei, doch versöhnlich gab sich Weselsky am Dienstag nicht. "Die Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn AG ist noch lange nicht zu Ende", betonte er. Die Gewerkschaft werde sich weiter gegen das Tarifeinheitsgesetz wehren. Dieses sieht vor, dass in einem Unternehmen mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstĂ€rkeren Arbeitnehmervertretung zur Anwendung kommt.
Die juristischen Auseinandersetzungen laufen weiter. Diese drehen sich derzeit vor allem um die ZĂ€hlweise, mit der festgestellt werden soll, welche Gewerkschaft in welchem Betrieb die Mehrheit hat. Bisher wendet die Bahn die GDL-TarifvertrĂ€ge in 18 von rund 300 Konzernbetrieben an. "Das bedeutet fĂŒr Zehntausende Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, dass sie die mit uns gemeinsam erkĂ€mpften Tarifverbesserungen nicht erhalten sollen", sagte Weselsky. Gerichte sollen nun klĂ€ren, wie gezĂ€hlt wird und wie die MehrheitsverhĂ€ltnisse tatsĂ€chlich sind. Auswirkungen auf den Bahnverkehr hat dieser Rechtsstreit nicht.
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