RivalitÀt mit China: EU-Kommission plant Risikoanalyse
03.10.2023 - 15:54:50 | dpa.de
Angesichts der wachsenden RivalitĂ€t mit China sollen in der EU vier sicherheitsrelevante Technologiebereiche bis Jahresende einer umfassenden Risikoanalyse unterzogen werden. Nach Angaben der BrĂŒsseler Behörde geht es um Technik und Wissen fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (KI) und moderne Halbleiterprodukte sowie um Bio- und Quantentechnologien.
Je nach Ausgang der Analyse sollen dann in weiteren Schritten SchutzmaĂnahmen veranlasst werden. Dies könnten zum Beispiel Exportkontrollen sein, aber auch BemĂŒhungen, die AbhĂ€ngigkeit von bestimmten Zulieferern zu reduzieren.
Es gehe darum, die strategischen Interessen und die Sicherheit der EU zu bewahren, sagte der zustĂ€ndige EU-Kommissar Thierry Breton in StraĂburg. Auch Partnerstaaten wie die USA, GroĂbritannien, Australien und Japan gingen Ă€hnlich vor.
AusgewĂ€hlt wurden die vier Technologiebereiche nach Angaben der Kommission auf Grundlage einer Liste konkreter Kriterien. Zu ihnen gehört das Potenzial, dass die Technologien fĂŒr grundlegende VerĂ€nderungen der Wirtschaftswelt haben. Zudem geht es um die Frage, inwiefern die betreffenden Technologien auch militĂ€risch oder zur EinschrĂ€nkung von Grundrechten wie der MeinungsĂ€uĂerungsfreiheit genutzt werden könnten.
Als ein Beispiel fĂŒr den missbrĂ€uchlichen Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz gelten Instrumente, die ĂŒber soziale Netzwerke und das Internet die öffentliche Meinung in WahlkĂ€mpfen manipulieren könnten.
Die Risikoanalyse soll gemeinsam mit Experten aus den Mitgliedstaaten vorgenommen werden. Geplant sind den Angaben zufolge auch Konsultationen mit Akteuren aus der Privatwirtschaft - unter Zusicherung absoluter Vertraulichkeit.
Von der Leyen: Abkopplung von China nicht machbar
Die vorgestellten PlĂ€ne sind Teil einer Strategie fĂŒr wirtschaftliche Sicherheit. Ăber sie sollen Risiken minimiert werden, die sich im Kontext zunehmender geopolitischer Spannungen und eines beschleunigten technologischen Wandels ergeben. Zugleich soll sie aber ein HöchstmaĂ an wirtschaftlicher Offenheit und Dynamik wahren.
KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hatte zuletzt wiederholt den Standpunkt vertreten, dass sich die Politik der EU gegenĂŒber China Ă€ndern mĂŒsse. Das Land hat sich demnach wegbewegt von einer Reform- und Ăffnungspolitik hin zu einer Sicherheits- und Kontrollpolitik, auf die reagiert werden muss.
Zugleich betont von der Leyen immer wieder, dass eine Abkopplung von China aus ihrer Sicht weder machbar noch im Interesse Europas ist. Deswegen sollte man zum einen die KommunikationskanÀle offen halten und mit China bei Themen wie Klimawandel, Pandemie-Vorsorge und FinanzstabilitÀt zusammenarbeiten. Zum anderen gehe es darum, dass die EU unabhÀngiger werde und wirtschaftliche Risiken, etwa in Lieferketten europÀischer Firmen, minimieren.
Handelskonflikte: EU-Parlament fĂŒr Abschreckung
Teil des gröĂeren Konzepts ist auch ein neues Sanktionsinstrument, dem das Europaparlament zustimmte. Es soll zum Beispiel Strafzölle gegen DrittlĂ€nder ermöglichen, die mit wirtschaftlichen MaĂnahmen in unzulĂ€ssiger Weise in die politischen Entscheidungen der EU oder der EU-Mitgliedstaaten einzugreifen versuchen.
Grund fĂŒr die EinfĂŒhrung des neuen Instruments ist, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten in den vergangenen Jahren zum Ziel bewussten wirtschaftlichen Drucks geworden sind. So verhĂ€ngte beispielsweise China HandelsbeschrĂ€nkungen gegen Litauen, die aus europĂ€ischer Sicht nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar waren und sich auch auf andere Ausfuhren aus dem EU-Binnenmarkt auswirkten.
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