ROUNDUP, Gewalt

Wieder Gewalt und TrÀnengas bei Schulprotesten in Frankreich

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Schulproteste in Paris und anderen französischen GroßstĂ€dten sind erneut mit massiven PolizeieinsĂ€tzen und Gewalt zu Ende gegangen.

In Paris ging die Polizei nach eigenen Angaben mit Wasserwerfern und TrĂ€nengas gegen Randalierer im Umfeld eines Demonstrationszuges vor, die sie mit GegenstĂ€nden beworfen sowie GeschĂ€fte und CafĂ©s beschĂ€digt hatten. Außerdem hĂ€tten Demonstranten BrĂ€nde entfacht und versucht, Barrikaden zu errichten sowie ein Seil ĂŒber den Boden gespannt, um das VorrĂŒcken der Polizeibeamten zu behindern. Ein geparktes Auto wurde in Brand gesetzt.

Auch aus der Großstadt Lyon berichtete die Polizei von Angriffen auf EinsatzkrĂ€fte sowie auf GeschĂ€fte und eine Tankstelle durch eine sehr aggressive Gruppe an der Spitze eines Demonstrationszuges. Die Kundgebung wurde aufgelöst und die Polizei setzte auch hier TrĂ€nengas ein. Mehrere Beamte wurden verletzt. Auch in Straßburg kam es zu ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizisten, die TrĂ€nengas einsetzten. In Nantes setzten Beamte ebenfalls TrĂ€nengas gegen Demonstranten ein, Rangeleien gab es auch in Rennes.

Kleine extrem gewalttÀtige Minderheit

Die massive Gewalt ging dabei zumeist nicht von den protestierenden SchĂŒlern, sondern von aggressiven Gruppierungen teils schwarz gekleideter Angreifer aus, wie Medien berichteten. Bildungsminister Édouard Geffray sprach im Parlament von einer "kleinen, extrem gewalttĂ€tigen Minderheit", die die SchĂŒlerbewegung "verfĂ€lschten".

An den Demonstrationen anlĂ€sslich eines zweiten landesweiten Aktionstags fĂŒr eine bessere Ausstattung von Schulen und bessere Lernbedingungen beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums 161.500 Menschen, wobei alleine bei zwei ProtestzĂŒgen in Paris 41.500 Menschen dabei waren. Die Gewerkschaften sprachen von landesweit 480.000 Teilnehmern. An einem Aktionstag vor einer Woche hatten sich noch 266.000 Menschen landesweit beteiligt, davon 56.000 in Paris.

UnterstĂŒtzung erhielten die SchĂŒler und Studenten bei ihren Protesten von Bildungsgewerkschaften. Landesweit seien 214 Gymnasien blockiert worden, berichtete das Bildungsministerium, das von einem schrumpfenden RĂŒckhalt fĂŒr die seit mehr als zwei Wochen andauernden Proteste sprach. Einem Streikaufruf im Bildungsbereich seien nur wenige BeschĂ€ftigte gefolgt.

Greta Thunberg unterstĂŒtzt Schulprotest

Die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mischte sich im Pariser Vorort Saint-Denis unter die Demonstranten. "Unsere Zukunft wird uns geraubt. Und wie wir hier gesehen haben, erhalten die Schulen nicht die Investitionen, die sie benötigen, was jungen Menschen einfach signalisiert, dass sie in unserer Gesellschaft keine PrioritÀt haben", sagte Thunberg vor Journalisten.

Die jungen Menschen aber wĂŒrden nicht aufgeben und fĂŒr ihre Zukunft kĂ€mpfen. "Deshalb bin ich unglaublich stolz auf die französischen SchĂŒler." Der französischen Polizei warf Thunberg ein extrem gewalttĂ€tiges Auftreten gegenĂŒber den Demonstranten vor. "Eigentlich sollten sie junge Menschen schĂŒtzen. Eigentlich sollten sie deren Menschenrechte schĂŒtzen."

Die SchĂŒler wollen eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr LehrkrĂ€fte und bessere Lernbedingungen. Konkret geht es um fehlende Vertretungslehrer, heruntergekommene Schulen mit kaputten Fenstern und herabfallenden Decken sowie zu vollgestopfte StundenplĂ€ne. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fĂŒhlen sich viele junge Leute als Menschen zweiter Klasse und mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.

Regierung steht unter Sparzwang

In Paris zogen die Demonstranten in die NĂ€he des Sitzes des Premierministers, wĂ€hrend in der Nationalversammlung die Beratungen ĂŒber den kommenden Haushalt anlaufen. Die jungen Leute pochen auf Mehrausgaben von zehn Milliarden Euro fĂŒr den Bildungsbereich. Bislang sind im Budget fĂŒr das kommende Jahr 1,2 Milliarden Euro an Mehrausgaben vorgesehen. Außerdem sagte die Regierung kurzfristig den Einsatz von mehr als 3.000 Vertretungslehrern zu, um den Ă€rgsten Unterrichtsausfall zu bekĂ€mpfen. Den Protestierenden und den Gewerkschaften reicht das aber nicht.

Dabei sieht die Regierung sich mit den Forderungen nach mehr Geld fĂŒr die Bildung in einem Ă€ußerst ungĂŒnstigen Moment konfrontiert. Premier SĂ©bastien Lecornu hatte vor einigen Tagen erst einen Sparhaushalt fĂŒr 2027 vorgelegt, in dem erhebliche Milliardeneinsparungen vorgesehen sind. Denn Frankreichs Staatsverschuldung ist auf den höchsten Stand seit 1946 gestiegen und alleine die Zinskosten verschlingen Summen, die fĂŒr andere Ausgaben fehlen. In dieser Lage noch auf die Schnelle einige Milliarden locker zu machen, um die protestierenden SchĂŒler zufriedenzustellen, dĂŒrfte ein Kraftakt werden.

Schwere Ausschreitungen ĂŒberschatten Proteste

Die Proteste haben in Frankreich nicht nur wegen ihrer LĂ€nge fĂŒr Aufsehen gesorgt, sondern vor allem wegen der mitunter gewalttĂ€tigen Ausschreitungen. 147 SchulbeschĂ€ftigte wurden seit Start der Proteste verletzt, wie das Bildungsministerium mitteilte.

Entsetzen herrschte auch, als die Eingangshalle eines Gymnasiums in Nantes brannte und ein Feuerwehrauto in Marseille in Brand gesetzt wurde. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde in einigen StĂ€dten wegen der Proteste eingeschrĂ€nkt. Die Behörden warfen jungen Menschen SachbeschĂ€digung und Gewalt vor, die SchĂ€den gehen inzwischen in die Millionen. Das Innenministerium beklagte, die Lage habe nichts mehr mit dem legitimen Äußern von Forderungen zu tun. Vielmehr erfĂŒlle sie alle Eigenschaften von stĂ€dtischer Unruhe.

Zugleich wurde das Vorgehen der Polizei als rabiat kritisiert und es gab den Vorwurf von Polizeigewalt. Tausende junge Leute wurden bei den Protesten festgenommen. Mittlerweile laufen Dutzende interne Verfahren gegen Beamte - etwa weil ein 15-JĂ€hriger durch eine Blendgranate seine Hand verlor und ein Polizist einem anderen Demonstranten sein Knie ins Gesicht gerammt haben soll.

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