WDH: Russland zerstört neun Gigawatt Kraftwerksleistung in der Ukraine
04.06.2024 - 16:53:33(Wiederholung: Der erste Satz wurde prÀzisiert und angepasst.)
KIEW (dpa-AFX) - Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge nach dem russischen Einmarsch 2022 durch Raketen- und Drohnenangriffe mehr als neun Gigawatt Kraftwerksleistung verloren. "Die Situation ist sehr ernst", sagte der ukrainische MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal am Dienstag bei einer Regierungssitzung. Der Netzbetreiber Ukrenerho sei aufgrund des Energiemangels zu planmĂ€Ăigen Stromsperren gezwungen. In Kiew wurde am Nachmittag in mehreren Stadtbezirken wegen Ăberschreitung der zulĂ€ssigen Höchstverbrauchsmenge der Strom auĂerplanmĂ€Ăig abgeschaltet.
Neun Gigawatt entsprechen einem Sechstel der ukrainischen StromkapazitÀten bis zum Jahr 2014. Zu dem Zeitpunkt konnte die Ukraine noch Kraftwerke der dann von Russland annektierten Halbinsel Krim und in den ostukrainischen Gebieten Luhansk und Donezk nutzen oder auch das kurz nach der Invasion von den Russen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja, das mit sechs Gigawatt leistungsstÀrkste AKW in Europa.
Die Hauptaufgaben der Regierung seien nun eine bessere Flugabwehr und Reparaturarbeiten an den beschĂ€digten Anlagen, sagte Schmyhal. Das Energiesystem mĂŒsse dezentraler und die Energienutzung effizienter werden. "Unser Ziel ist es, auf allen Ebenen zu sparen: von den GroĂunternehmen bis zu kleinen HĂ€usern und Wohnungen", erklĂ€rte der Regierungschef.
Die Einfuhr von Generatoren, Solarzellen und kleineren Kraftwerksanlagen soll gefördert werden. Kiew setzt dabei auch auf eine stÀrkere Hilfe der internationalen Partner. "Wir arbeiten an einer Ausweitung des Imports aus Europa auf 2,2 Gigawatt", sagte Schmyhal.
Die Ukraine wehrt seit ĂŒber zwei Jahren eine russische Invasion ab. Seit MĂ€rz greift das russische MilitĂ€r gezielt WĂ€rme- und Wasserkraftwerke im Nachbarland an. Die Grundlast der ukrainischen Stromerzeugung wird dabei von den drei noch unter Regierungskontrolle stehenden Atomkraftwerken sichergestellt. Bis zu 1,7 Gigawatt können zusĂ€tzlich derzeit aus den angrenzenden EU-Staaten und Moldau importiert werden. FĂŒr die meisten Ukrainer gehören stundenlange Stromabschaltungen dennoch zum Alltag.

