Preise steigen weniger stark - Niedrigste Inflation seit Juni 2021
31.01.2024 - 15:17:46 | dpa.de(Neu: Weitere Ăkonomenstimmen)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Inflation in Deutschland ist auf dem RĂŒckzug. Die Teuerungsrate lag im Januar nach vorlĂ€ufigen Daten bei 2,9 Prozent. Es war der niedrigste Wert seit Juni 2021 mit damals 2,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Im Dezember 2023 waren die Verbraucherpreise gegenĂŒber dem Vorjahresmonat noch um 3,7 Prozent gestiegen. Volkswirte rechnen mit einem weiteren RĂŒckgang im Laufe des Jahres. Das Tempo könnte allerdings nachlassen.
Friedrich Heinemann, Volkswirt am Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW, sprach von einem "guten Start ins Jahr 2024 fĂŒr mehr PreisstabilitĂ€t". Denn mit der RĂŒckkehr zum regulĂ€ren Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie und routinemĂ€Ăigen Preisanpassungen zum Jahresbeginn habe es durchaus einige Belastungsfaktoren gegeben.
Energie kostete trotz der Anhebung des CO2-Preises im Januar 2,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich um 3,8 Prozent. Der Preisanstieg schwÀchte sich hier weiter ab - nach einem Plus von 4,5 Prozent im Dezember und 5,5 Prozent im November.
Ăkonomen erwarten weiteren RĂŒckgang
Volkswirte rechnen damit, dass die Inflationsrate in diesem Jahr weiter sinken wird. Allerdings wollen nach Daten des MĂŒnchner Ifo-Instituts mehr konsumnahe Unternehmen ihre Preise erhöhen. "Die Inflation dĂŒrfte daher in den kommenden Monaten nur langsam sinken", prognostizierte Ifo-Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user.
Die Preise von Nahrungsmitteln und GetrĂ€nken dĂŒrften den befragten Unternehmen zufolge etwas stĂ€rker anziehen. Gastronomiebesuche und HotelĂŒbernachtungen dĂŒrften teurer werden. Der Preisdruck bei BekleidungshĂ€ndlern habe dagegen etwas nachgelassen. Auch Reiseveranstalter planen der Ifo-Befragung zufolge etwas weniger Preisanhebungen als im Dezember.
Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise den vorlÀufigen Daten des Bundesamtes zufolge im Januar um 0,2 Prozent.
Kampf gegen Inflation nicht gewonnen
Commerzbank DE000CBK1001-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer warnte: "Der Kampf gegen die Inflation ist noch nicht gewonnen". Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) sollte nach seinem DafĂŒrhalten der Versuchung widerstehen, ihre Leitzinsen zu frĂŒh zu senken.
Die Notenbank strebt fĂŒr den Euroraum insgesamt mittelfristig stabile Preise bei 2,0 Prozent Inflation an. Um die Teuerung zu dĂ€mpfen, setzten die WĂ€hrungshĂŒter seit Sommer 2022 zehnmal in Folge die Leitzinsen nach oben. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Teurere Kredite sind aber eine Last fĂŒr die Wirtschaft, weil sich kreditfinanzierte Investitionen verteuern.
Nach EinschĂ€tzung von EZB-VizeprĂ€sident Luis de Guindos könnte die Teuerungsrate im Euroraum schneller zurĂŒckgehen als im Dezember von der Notenbank erwartet. In jĂŒngster Zeit habe es bei der Inflation "eher positive Ăberraschungen" gegeben, sagte de Guindos der Wochenzeitung "Die Zeit" auf die Frage, wann der EZB-Zielwert von zwei Prozent erreicht sein werde: "Meine persönliche EinschĂ€tzung ist, dass sie etwas niedriger ausfĂ€llt als zuletzt von uns prognostiziert."
Im Dezember hatte die EZB fĂŒr dieses Jahr eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent prognostiziert. FĂŒr 2025 rechnete die Notenbank seinerzeit mit einer Rate von 2,1 Prozent. Die nĂ€chste Prognose veröffentlicht die EZB im MĂ€rz.
Teuerung belastet Verbraucher
Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Sie können sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten. Die Belastung der Menschen durch die Inflation war auch im vergangenen Jahr vergleichsweise hoch. Zwar fiel die Rate im Jahresschnitt mit 5,9 Prozent niedriger aus als 2022 mit damals 6,9 Prozent. Es war aber immer noch der zweithöchste Jahreswert seit der Wiedervereinigung. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 hatten sich vor allem Energie und Lebensmittel sprunghaft verteuert und die Inflation insgesamt angeschoben.
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