'Der Gang in den Supermarkt ist gĂŒnstiger geworden' - Inflation sinkt
02.04.2024 - 15:59:56(Neu: Ăkonomen-Stimmen)
WIESBADEN (dpa-AFX) - Gesunkene Nahrungsmittelpreise entlasten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkaufen. Die Inflation in Deutschland ist weiter auf dem RĂŒckzug. Nach vorlĂ€ufigen Daten des Statistischen Bundesamtes lag die Jahresteuerungsrate im MĂ€rz bei 2,2 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit April 2021 mit damals 2,0 Prozent. Im Februar war noch eine Inflationsrate von 2,5 Prozent verzeichnet worden und im Januar von 2,9 Prozent.
FĂŒr Nahrungsmittel zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher im MĂ€rz 0,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Erstmals seit Februar 2015 lagen die Nahrungsmittelpreise den vorlĂ€ufigen Daten zufolge damit unter dem Niveau des Vorjahresmonats. "Damit ist der Gang in den Supermarkt effektiv gĂŒnstiger geworden. Dies setzt auf den positiven Inflationstrend noch das i-TĂŒpfelchen", sagte VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel.
Energie verbilligte sich den vorlÀufigen Daten zufolge trotz der zu Jahresanfang ausgelaufenen Energie-Preisbremsen und der Anhebung des CO2-Preises auf 45 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) um 2,7 Prozent zum Vorjahresmonat.
Dienstleistungen verteuerten sich hingegen voraussichtlich um 3,7 Prozent. Teurer wurde unter anderem der Besuch von GaststĂ€tten und Restaurants, wie aus Daten Statistischer LandesĂ€mter hervorgeht. Seit dem 1. Januar 2024 gilt fĂŒr Speisen in der Gastronomie wieder der regulĂ€re Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Auch die Preise fĂŒr Pauschalreisen und FlĂŒge stiegen den LandesĂ€mtern zufolge im Osterreisemonat zum Vorjahresmonat.
GegenĂŒber dem Vormonat Februar stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,4 Prozent.
Inflation könnte im Sommer unter 2 Prozent sinken
Das Ifo-Institut erwartet einen weiteren RĂŒckgang der Teuerung. Die Inflation dĂŒrfte im Sommer unter die Zwei-Prozent-Marke sinken, sagte der Konjunkturchef des MĂŒnchner Instituts, Timo WollmershĂ€user. Zu dieser EinschĂ€tzung trugen auch die neuesten, von den Wirtschaftsforschern erhobenen Daten bei, denen zufolge immer weniger Unternehmen die Preise fĂŒr ihre Produkte erhöhen wollen.
Commerzbank DE000CBK1001-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer mahnte hingegen: "FĂŒr eine Entwarnung an der Inflationsfront ist es zu frĂŒh - ebenso fĂŒr EZB-Zinssenkungen." Nach EinschĂ€tzung von KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib könnte es auf den letzten Metern zum Inflationsziel holprig werden. "Schon im April ist durch das Ende der Mehrwertsteuerabsenkung mit einem Preisschub bei der Gas- und WĂ€rmeversorgung zu rechnen."
Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) strebt fĂŒr den Euroraum und Deutschland mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde hatte nach der Serie von Zinserhöhungen im Kampf gegen die zeitweise hohe Inflation zuletzt eine Senkung der Leitzinsen im Juni angedeutet. Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Inflationsraten entgegenwirken kann. Teurere Finanzierungen sind aber zugleich eine Last fĂŒr Unternehmen und private Investoren.
Sorge vor erneuten Preissteigerungen
Im Schnitt des laufenden Jahres erwarten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation in Deutschland auf 2,3 Prozent nach 5,9 Prozent im vergangenen Jahr.
Dennoch Ă€uĂerten viele Menschen bei einer Umfrage Mitte Februar die Sorge vor erneuten EnergiepreissprĂŒngen und allgemeinen Preissteigerungen. Die groĂe Mehrheit (83 Prozent) der rund 1000 Befragten versucht daher nach eigenen Angaben, bei den Ausgaben auf die Bremse zu treten, wie aus der Schufa-Umfrage hervorging. 75 Prozent geben demnach beim Einkaufen bewusst weniger aus. "Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen, dass die Stimmung in vielen deutschen Haushalten weiterhin sehr angespannt ist - und sich dies auch im alltĂ€glichen Konsumverhalten der Menschen niederschlĂ€gt", erlĂ€uterte Schufa-Vorstand Ole Schröder.
Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Die Menschen können sich fĂŒr einen Euro weniger leisten. Im vergangenen Jahr setzten viele Verbraucher daher den Rotstift an. Der Privatkonsum fiel als wichtige KonjunkturstĂŒtze aus.

