ROUNDUP, Winterrezession

Deutsche Wirtschaft wÀchst minimal - 'Winterrezession droht'

22.11.2024 - 15:58:58 | dpa.de

WIESBADEN - Mini-Erholung statt Trendwende in der Wirtschaftskrise: Nach einem hauchdĂŒnnen Wachstum der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal und herab korrigierten Raten im Jahresverlauf droht Deutschland nach EinschĂ€tzung von Ökonomen eine Rezession im Winter.

(neu: BDI, Bosch)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Mini-Erholung statt Trendwende in der Wirtschaftskrise: Nach einem hauchdĂŒnnen Wachstum der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal und herab korrigierten Raten im Jahresverlauf droht Deutschland nach EinschĂ€tzung von Ökonomen eine Rezession im Winter. Zwar sorgten etwas ausgabefreudigere Verbraucher und gestiegene Staatsausgaben im Sommerquartal fĂŒr ein kleines Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent.

Doch mit dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA haben sich die Aussichten fĂŒr die Konjunktur eingetrĂŒbt, wĂ€hrend in Deutschland nach dem Bruch der Ampel-Koalition noch Monate bis zu einer neuen handlungsfĂ€higen Regierung vergehen. Ökonomen senken bereits ihre Wachstumsprognosen fĂŒr das kommende Jahr.

"Deutschland befindet sich in einer quĂ€lend langen Stagnationsphase", schreibt DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Auf den strukturellen Problemen bleibe man so lange sitzen, "bis die Politik den großen (Reform-)Wurf wagt". Zwar sei ein Schrumpfen der Wirtschaft im Sommer ausgeblieben, meint Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING Deutschland, "aber es droht eine Rezession im Winter".

Deutsche Wirtschaft am Rande der Rezession

Im dritten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft schwĂ€cher als gedacht. In einer zweiten SchĂ€tzung ermittelte das Statistische Bundesamt ein Wachstum von 0,1 Prozent zum Vorquartal - auf Basis vorlĂ€ufiger Daten waren es immerhin 0,2 Prozent. Damit ist die deutsche Wirtschaft noch knapper einer Rezession entkommen als bisher angenommen und schneidet schlechter ab als andere LĂ€nder in Europa. "Das Plus im dritten Quartal dĂŒrfte zunĂ€chst erst einmal nur ein Ausreißer, nicht aber eine Trendwende gewesen sein", sagt Ökonom Sebastian Dullien vom Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung.

Bereits im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt gesunken. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wĂ€re die deutsche Wirtschaft nach Definition von Ökonomen in eine "technische Rezession" gerutscht. Zudem schrumpfte die Wirtschaft im zweiten Quartal nach neusten, herab korrigierten Angaben der Statistiker mit minus 0,3 Prozent stĂ€rker als zunĂ€chst ermittelt (-0,1 Prozent). Die Förderbank KfW erwartet nun ein leichtes Schrumpfen der deutschen Wirtschaft 2024, fĂŒr 2025 halbierte sie ihre Wachstumsprognose auf 0,5 Prozent.

Verbraucher geben etwas mehr Geld aus

Im dritten Quartal stĂŒtzten ausgabefreudigere Verbraucher die Wirtschaft: Nach dem Abebben der Inflation und angesichts steigender Löhne sitzt das Geld bei vielen Menschen wieder etwas lockerer. "So gaben die Verbraucherinnen und Verbraucher unter anderem mehr fĂŒr VerbrauchsgĂŒter aus, beispielsweise fĂŒr Nahrungsmittel und GetrĂ€nke", schreibt das Statistische Bundesamt. Die Exporte sanken dagegen deutlich, auch die Investitionen in AusrĂŒstungen - vor allem in Maschinen, GerĂ€te und Fahrzeuge - gingen zurĂŒck.

Gegenwind fĂŒr SchlĂŒsselindustrien

Die deutsche Wirtschaft bleibt damit in einer SchwĂ€chephase, die nach EinschĂ€tzung der Bundesbank im laufenden Schlussquartal anhalten dĂŒrfte. Immerhin: Eine Rezession "im Sinne eines deutlichen, breit angelegten und lĂ€nger anhaltenden RĂŒckgangs der Wirtschaftsleistung" sah sie zuletzt nicht.

Gegenwind fĂŒr die deutsche Wirtschaft gibt es reichlich: Auf den WeltmĂ€rkten hat China als Wachstumstreiber an Schwung verloren, im Inland steigt die Zahl der Firmenpleiten. Zugleich sind die Exportaussichten fĂŒr die Industrie trĂŒb, vergleichsweise hohe Energiepreise und BĂŒrokratie belasten den Standort Deutschland. SchlĂŒsselindustrien wie Chemie und Autobau stecken in der Krise, der Wohnungsbau schwĂ€chelt. Der Zulieferer Bosch etwa plant den Abbau von rund 3.800 Stellen in Deutschland. Und der Industrieverband BDI erwartet, dass die Produktion der Industrie dieses Jahr um drei Prozent schrumpft.

Helfen dĂŒrften der Konjunktur sinkende Leitzinsen der EuropĂ€ischen Zentralbank, sie machen Kredite fĂŒr Unternehmen und Verbraucher tendenziell gĂŒnstiger. Doch bis sich Zinssenkungen in der Realwirtschaft niederschlagen, vergeht Zeit.

Viel Unsicherheit wegen Trump und Ampel-Aus

Zudem ist die Unsicherheit mit dem Wahlsieg von Trump und dem Ampel-Aus noch gewachsen. Sollte Trump wie angekĂŒndigt die Zölle auf Importe aus Europa auf 10 bis 20 Prozent erhöhen, dĂŒrfte das die exportorientierte deutsche Wirtschaft besonders treffen. Zum Vergleich: In Trumps erster Amtszeit lag der durchschnittliche Zollsatz der USA nach Angaben der Commerzbank DE000CBK1001 bei etwa 3 Prozent. Ökonomen befĂŒrchten Handelskonflikte. Die ZollplĂ€ne von Trump könnten Deutschland ein Prozent der Wirtschaftsleistung kosten, warnt Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel.

Kaum Erholung 2025 erwartet

FĂŒr die deutsche Wirtschaft kommen Trumps PlĂ€ne zu denkbar ungĂŒnstiger Zeit. Die Bundesregierung erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt 2024 das zweite Jahr in Folge leicht schrumpft und erst 2025 um 1,1 Prozent wĂ€chst. Die "Wirtschaftsweisen" dagegen erwarten nur 0,4 Prozent Wachstum im kommenden Jahr.

Umso mehr setzen Ökonomen auf Reformen. ING-Ökonom Brzeski meint: "Die deutschen Wachstumsaussichten werden stark von der FĂ€higkeit der neuen Regierung abhĂ€ngen, die heimische Wirtschaft angesichts eines möglichen Handelskriegs und einer noch strengeren Industriepolitik in den USA zu stĂ€rken."

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