Winterhilfe fĂŒr Ukraine - Europa will an Verhandlungstisch
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Wir werden unsere Hilfe fortsetzen, bis dieser Krieg beendet ist", versprach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einem Treffen mit dem ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin.
Beide pochten darauf, dass die EuropĂ€er an den anstehenden GesprĂ€chen zur Beendigung des russischen Angriffskriegs beteiligt werden mĂŒssten. "Wir haben mit Friedrich eine gemeinsame Sicht, dass es keinen stabilen Frieden geben kann, ohne dass die EuropĂ€er in dem einen oder anderen Format zu den Verhandlungen hinzugezogen werden", sagte Selenskyj.
NĂ€chste Woche neue Runde in Abu Dhabi
NÀchste Woche Dienstag und Mittwoch finden unter Vermittlung der USA die ersten direkten GesprÀche zwischen der Ukraine und Russland seit langem statt. In welcher Form die EuropÀer daran beteiligt werden, ist noch unklar. "Europa muss und will in diesem Prozess eine Rolle spielen", betonte Kanzler Merz.
Deutschland ist der wichtigste UnterstĂŒtzer der Ukraine. Merz betonte mehrfach, dass dies in eigenem deutschen Interesse sei. "Der Ausgang dieses Krieges wird die europĂ€ische Sicherheit fĂŒr lange Zeit prĂ€gen", sagte der CDU-Chef.
Bundestag muss 200-Millionen-Paket noch zustimmen
Die zusĂ€tzliche Winterhilfe soll nach Angaben aus Regierungskreisen fĂŒr humanitĂ€re Hilfe und die Sicherung der Energieversorgung verwendet werden und je zur HĂ€lfte aus dem AuswĂ€rtigen Amt und dem Entwicklungsministerium kommen. Der Bundestag muss dem 200-Millionen-Paket noch zustimmen.
Die "Koalition der Willigen" trifft sich in Berlin
FĂŒr den 19. November hat Merz Staats- und Regierungschefs der "Koalition der Willigen" zur UnterstĂŒtzung der Ukraine nach Berlin eingeladen. Der Gruppe gehören etwa 35 LĂ€nder an. Bei dem Gipfel wird es vor allem um weitere MilitĂ€rhilfe fĂŒr den Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland gehen.
Merz betonte, dass Deutschland die Hilfe fĂŒr die Ukraine als gröĂter UnterstĂŒtzer nicht alleine schultern könne. "Alle EuropĂ€er tragen Verantwortung, nicht nur die Deutschen."
Teilweise Waffenruhe und Gefangenenaustausch angestrebt
FĂŒr die anstehenden GesprĂ€che mit Russland nannte Selenskyj drei PrioritĂ€ten:
* Eine Waffenruhe bei Angriffen auf die Energieversorgung und andere kritische Infrastruktur.
* Ein Ende der Blockade von Getreidetransporten ĂŒber das Schwarze Meer. Daran seien auch Russland und andere Staaten in Afrika und Asien interessiert, sagte Selenskyj.
* Ein Gefangenenaustausch. Er sprach von einem Austausch aller gegen alle.
Drei wichtige Gipfel vor Jahresende
An die GesprĂ€che in Abu Dhabi schlieĂen sich dann drei wichtige Gipfeltreffen an:
* Am Rande des Apec-Wirtschaftsgipfels (18. und 19. November) im chinesischen Shenzhen werden sich möglicherweise die PrĂ€sidenten der USA, Chinas und Russlands - Donald Trump, Xi Jinping und Wladimir Putin - zu einem Dreiergipfel treffen. China ist der wichtigste UnterstĂŒtzer Russlands im Ukraine-Krieg. FĂŒhrende westliche Politiker sagen, dass Putin seinen Krieg ohne chinesische Hilfe gar nicht weiterfĂŒhren könnte.
* Etwa zur selben Zeit findet der Gipfel der "Koalition der Willigen" in Berlin statt. Die Ukraine erhofft sich davon weitere Hilfe fĂŒr die Flugabwehr. Das beste Mittel gegen die gefĂ€hrlichen ballistischen Raketen Russlands sind die US-Patriots. Sie sind auch in zahlreichen anderen LĂ€ndern vorhanden, aber schwer entbehrlich. Die Bundeswehr hat schon alle Patriot-Systeme abgegeben, auf die sie verzichten kann, ohne die eigene Luftabwehr zu gefĂ€hrden.
* Vom 13. bis 15. Dezember findet dann in Florida der G20-Gipfel statt. Die spannende Frage: Nimmt Putin erstmals seit der russischen Invasion in der Ukraine wieder teil? Und wenn ja: LĂ€dt Gastgeber Trump dann auch Selenskyj ein? Merz machte klar, dass er sich einen Gipfel mit dem Kremlchef, aber ohne den ukrainischen PrĂ€sidenten nicht vorstellen kann. "Wenn ĂŒber die Ukraine gesprochen wird, dann muss der PrĂ€sident der Ukraine mit am Tisch sitzen", forderte er.
Man solle keine Möglichkeit auslassen, GesprĂ€che zu fĂŒhren und weiter diplomatische Anstrengungen zu unternehmen, betonte Merz. Aber diese mĂŒssten auch wirklich zu einem Ende der Kampfhandlungen, einem Waffenstillstand und einem Friedensabkommen in der Ukraine fĂŒhren. "Alles andere ist nicht akzeptabel", sagte Merz.
Ukraine bittet EU um 70 Milliarden Euro
Auch nach dem Gipfel der "Koalition der Willigen" wird es fĂŒr Merz darum gehen, weitere Hilfe fĂŒr die Ukraine zu organisieren. FĂŒr das kommende Jahr benötigt das Land zusĂ€tzlich 70 Milliarden Euro von den EuropĂ€ern. Diese Summe hat Selenskyj beim letzten EU-Gipfel im Oktober genannt.
Wie man das Geld zusammenbekommen kann, wird bei den in diesem Jahr noch anstehenden EU-Gipfeln Thema sein, bei denen es vor allem um die mittelfristige Finanzplanung der EU gehen wird. Möglicherweise kommt dann wieder die Nutzung des in der EU eingefrorenen russischen Vermögens ins Spiel.
