Wirecard-Prozess: Richter rĂŒcken Braun mit hĂ€rterer Linie nĂ€her an Haftstrafe
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Im MĂŒnchner Wirecard-Prozess rĂŒckt fĂŒr Ex-Chef Markus Braun eine hohe Haftstrafe nĂ€her.
Richter verwerfen Brauns Opferthese
Die Strafkammer hat die Darstellung des frĂŒheren Vorstandschefs, er sei selbst Opfer der TĂ€uschung gewesen, ausdrĂŒcklich als Spekulation bewertet. Nach Ansicht des Gerichts ergaben sich trotz umfangreicher Ermittlungen keine Anhaltspunkte fĂŒr Brauns zentrale Version des Geschehens.
Keine Hinweise auf echte DrittpartnergeschÀfte
Auch fĂŒr die von der Verteidigung behaupteten echten GeschĂ€fte mit Drittpartnern sieht das Gericht keine tragfĂ€hige Grundlage. Die Kammer geht davon aus, dass die in den Bilanzen verbuchten MilliardenumsĂ€tze ĂŒber Jahre frei erfunden waren und vor allem ĂŒber Konstrukte in Dubai, Singapur und auf den Philippinen liefen.
Millionen-Einziehung steht im Raum
ZusĂ€tzlich weist das Gericht darauf hin, dass im Fall einer Verurteilung auch der Einzug von MillionenbetrĂ€gen möglich ist. Bei Braun geht es um knapp 39 Millionen Euro, bei Kronzeuge Oliver Bellenhaus um gut sechs Millionen Euro und beim frĂŒheren Chefbuchhalter E. um mehr als 600.000 Euro.
Der Prozess, der im Dezember 2022 begonnen hat, nÀhert sich damit seiner Schlussphase. Braun sitzt seit Juli 2020 in Untersuchungshaft.
Warum der Prozess jetzt in die entscheidende Phase geht
Der MĂŒnchner Wirecard-Prozess zĂ€hlt zu den gröĂten Wirtschaftsstrafverfahren in Deutschland. Mit der richterlichen ZurĂŒckweisung der Opferthese verliert Markus Braun eine zentrale Verteidigungslinie, wĂ€hrend das Verfahren zugleich auf die Schlussphase zusteuert.
Die juristische Bedeutung der Millionensummen
Besonders relevant ist der Hinweis auf die mögliche Einziehung von Tatlohn. Sollte das Gericht Braun und den Mitangeklagten die Bereicherung aus dem Betrug zuschreiben, könnte das Urteil nicht nur Freiheitsstrafen, sondern auch erhebliche finanzielle Folgen haben.
Signal fĂŒr den weiteren Verlauf
FĂŒr den Fall wĂ€re das auch ein Signal ĂŒber den Einzelfall hinaus: Die Kammer deutet an, dass sie die behauptete Trennung zwischen angeblich echten GeschĂ€ften und angeblicher Veruntreuung nicht trĂ€gt. Damit verdichtet sich der Eindruck, dass das Gericht den milliardenschweren ScheinumsĂ€tzen und den daraus abgeleiteten VermögensflĂŒssen wenig Glauben schenkt.
