Verbraucher knausern bei Weihnachtsgeschenken
13.11.2023 - 16:21:46 | dpa.de
Die EinzelhĂ€ndler in Deutschland brĂ€uchten dringend ein kleines Weihnachtswunder. Nach einem schwierigen Jahr fĂŒr die Branche wĂ€ren umsatzstarke Wochen zum Jahresende besonders wichtig. In einigen Branchen wie Spielwaren, BĂŒcher, Schmuck und Unterhaltungselektronik betrĂ€gt der Anteil der Monate November und Dezember immerhin ein Viertel des Jahresumsatzes. Doch die vorweihnachtliche Vorfreude im Handel ist getrĂŒbt.
Denn zurzeit kommt zu viel zusammen, was die Aussichten auf ein gutes WeihnachtsgeschĂ€ft dĂ€mpft. Wie schon im Vorjahr drĂŒcken erneut wirtschaftliche Unsicherheit, Inflation und Kriege auf die Konsumstimmung der Verbraucher. Fast 80 Prozent der HĂ€ndler gehen laut einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) davon aus, dass viele Kunden in den kommenden Wochen nur zurĂŒckhaltend einkaufen.
Dieses Jahr durchschnittlich 295 Euro fĂŒr Geschenke
Bereinigt um Preissteigerungen rechnet der HDE im November und Dezember deshalb mit einem Umsatzminus von 5,5 Prozent im Vergleich zu 2022. Durchschnittlich 295 Euro wollen Verbraucher laut einer reprĂ€sentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des HDE in diesem Jahr fĂŒr Weihnachtsgeschenke ausgeben. Der reprĂ€sentativen Befragung zufolge plant fast jeder Zweite so viel Geld fĂŒr Geschenke ein wie im Vorjahr, 28 Prozent weniger und nur 10 Prozent mehr als im Vorjahr.
Laut einer Studie des PrĂŒfungs- und Beratungsunternehmens EY sinkt das Geschenkbudget von 252 auf 250 Euro und damit auf den niedrigsten Wert seit 2014. Unter BerĂŒcksichtigung der hohen Inflation sei das ein Einbruch. Noch im Jahr 2019, also vor der Pandemie, wollten die Verbraucher 281 Euro ausgeben. «Die Menschen haben ihr Konsumverhalten an die gestiegenen Preise angepasst, sie kaufen schlicht weniger ein», stellt auch Ole Schröder, Vorstand der Schufa, fest. Die meisten Menschen in Deutschland mĂŒssten nach eigener EinschĂ€tzung mit weniger Geld auskommen. So habe etwas mehr als die HĂ€lfte (55 Prozent) der Befragten angegeben, seit Jahresbeginn ĂŒber weniger Einkommen zu verfĂŒgen, geht aus einer Schufa-Verbraucherumfrage hervor.
Bundesweite Warnstreiks drohen in der Weihnachtszeit
Der Einzelhandel muss im WeihnachtsgeschĂ€ft mit weiteren HĂŒrden rechnen. So hat der Dezember nicht nur zwei Verkaufstage weniger. Und im Tarifkonflikt der Branche hat die Gewerkschaft Verdi angekĂŒndigt, die bundesweiten Warnstreiks in der Weihnachtszeit fortzusetzen. Wegen des Krieges in Nahost fĂŒrchten die HĂ€ndler, dass auch groĂe Demonstrationen die Menschen vom Weg in die InnenstĂ€dte abhalten könnten. Die Lust darauf, ist ohnehin nicht mehr besonders stark ausgeprĂ€gt: Laut EY-Umfrage ist nur noch 39 Prozent der Menschen das vorweihnachtliche Einkaufserlebnis in den InnenstĂ€dten wichtig - 2019 lag der Anteil noch bei 59 Prozent.
Die Mehrheit der Verbraucher sucht die Geschenke nicht mehr beim klassischen Stadtbummel, sondern im Internet. UnverĂ€ndert beliebt sind bei den Verbrauchern vor allem Gutscheine, Spielwaren, BĂŒcher und Kosmetikprodukte. Aber auch die Aussichten beim E-Commerce sind nicht besonders gut. Preisbereinigt erwartet der HDE im WeihnachtsgeschĂ€ft ein Minus von 4,3 Prozent im Vorjahresvergleich. Immerhin vorsichtig optimistisch sind die Erwartungen beim VersandhĂ€ndler Otto. Demnach gĂ€ben die Kunden pro Bestellung zwar etwas weniger aus als im Vorjahr, dennoch sei die Anzahl der Bestellungen um 14 Prozent gestiegen.
«Wir hoffen, dass das WeihnachtsgeschĂ€ft besser wird als erwartet. Die Lage ist oft besser, als sie subjektiv wahrgenommen wird. Entscheidend ist das BauchgefĂŒhl der Menschen», sagt HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth. Die HĂ€ndler setzen dabei auch auf den emotionalen Faktor. Sie wĂŒnschen sich, dass Winterwetter, festliche Beleuchtung und die WeihnachtsmĂ€rkte dazu beitragen, dass die Menschen in die InnenstĂ€dte kommen und sich etwas gönnen.
Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung - so lautet die Devise der EinzelhĂ€ndler nicht nur bis Ende Dezember. Auch darauf, dass die Inflation 2024 wieder zurĂŒckgeht und sich die Lage endlich wieder normalisiert.
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