141 Orte haben keine Postfiliale, obwohl es eine geben muss
09.09.2024 - 04:45:36Die Deutsche Post hat noch immer weniger Filialen auf dem Land als sie haben mĂŒsste. Im Juli habe es 141 sogenannte unbesetzte Pflichtstandorte gegeben und damit 16 mehr als im Februar, teilte die Bundesnetzagentur auf dpa-Anfrage mit. Einer gesetzlichen Regel zufolge muss die Post in Gemeinden, die mehr als 2000 Einwohner haben, mindestens eine Filiale haben. In Gemeinden mit mehr als 4000 Einwohnern darf die Entfernung zur Filiale in zusammenhĂ€ngenden Wohngebieten nicht mehr als zwei Kilometer betragen.Â
Mit knapp 13.000 Postfilialen - meistens Kioske und andere EinzelhĂ€ndler mit Post-Schalter - ist der Bonner Konzern bundesweit zwar stark vertreten, eine staatliche Pflicht von insgesamt 12.000 Filialen wird ĂŒbertroffen. Aber auf dem Land und am Stadtrand hĂ€lt die Post besagte Entfernungsregeln nicht immer ein.
Strukturwandel auf dem Land ist ProblemÂ
Im Oktober 2023 waren es den Angaben zufolge nur 73 unbesetzte Pflichtstandorte und damit nur circa halb so viele wie im Juli dieses Jahres. Allerdings ist kein Trend auszumachen, der Wert schwankt vielmehr seit langem - im Januar 2023 waren es mit 174 mehr als zuletzt.Â
Grund fĂŒr die Schwierigkeiten des Logistikers ist der Strukturwandel auf dem Land: Wenn in einem Dorf der letzte Supermarkt oder KrĂ€merladen dichtmacht und kein anderer EinzelhĂ€ndler mehr als Partner bereitsteht, bleibt der Filialstandort unbesetzt. Manchmal dauert es dann auch einfach etwas, bis sich doch noch ein Partner findet.
Ein Post-Sprecher wies darauf hin, dass die Einrichtung von Filialen «insbesondere in lĂ€ndlichen Gebieten mit wenig ausgeprĂ€gter Einzelhandels-Infrastruktur sehr herausfordernd ist und wir immer wieder mit GeschĂ€ftsaufgaben von Filialpartnern rechnen mĂŒssen». Es sei daher nicht ungewöhnlich, dass die Zahl der Vakanzen gestiegen sei. «Wir werden auch weiterhin mit Hochdruck und im engen Dialog mit den BĂŒrgermeistern in den betreffenden Kommunen daran arbeiten, an allen "Pflichtstandorten" prĂ€sent zu sein», so der Sprecher des Post-Konzerns DHL, dessen nationales BriefgeschĂ€ft unter Deutsche Post firmiert.
Automaten werden wichtiger
Das Problem dĂŒrfte im nĂ€chsten Jahr entschĂ€rft werden. Denn zum Jahreswechsel greifen neue Regeln des Postgesetzes, das unlĂ€ngst novelliert worden war. Dann werden unter bestimmten UmstĂ€nden auch sogenannte Poststationen bei der ErfĂŒllung der Pflichtvorgabe angerechnet, bislang ist das nicht der Fall. An Poststationen können Briefmarken gekauft, Pakete frankiert sowie Briefe und Pakete abgeben werden, auĂerdem gibt es eine Videoberatung. Ein Vorteil: Die Automaten sind rund um die Uhr verfĂŒgbar, bei Postfilialen mĂŒssen sich die Kunden hingegen an die Ăffnungszeiten halten.
Von den 141 unbesetzten Pflichtstandorten im Juli hatten 27 Standorte einen Automaten - dort war es also durchaus möglich, postalische Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Das zeigt, dass der Wert im kommenden Jahr vermutlich sinken wird. Allerdings muss sich die Post hierbei mit Kommunalvertretern abstimmen und sie braucht bei der Anrechnung eines Automaten auf die Filialpflicht die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Es wĂ€re eine Ăberraschung, wenn die Behörde sich bei dem Thema querstellt: Dessen Chef Klaus MĂŒller hatte sich unlĂ€ngst grundsĂ€tzlich positiv ĂŒber die Automaten geĂ€uĂert.
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