Wohngeld-Kürzungen: Bis zu 500.000 Haushalte könnten den Anspruch verlieren
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 00:22 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Deutsche Mieterbund hat die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen beim Wohngeld scharf kritisiert. Durch die vorgesehene Reform könnten bis zu 500.000 Haushalte ihren Anspruch auf den staatlichen Zuschuss verlieren.
In einer öffentlichen Anhörung des Bundestagsausschusses für Wohnen warnten Sachverständige und Verbände vor zunehmender Armut. Zuspruch für die Einsparungen kam hingegen von kommunalen Spitzenverbänden wie dem Deutschen Landkreistag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund.
Drastische Ausgabenkürzungen ab 2027
Nach Angaben des Deutschen Mieterbundes sollen die staatlichen Wohngeldausgaben ab dem Jahr 2027 um rund 40 Prozent sinken. Die Bundesregierung veranschlagt Einsparungen in Höhe von 1,156 Milliarden Euro für das Jahr 2027 sowie 1,486 Milliarden Euro im Jahr 2028. Vorgesehen sind unter anderem die Aussetzung der regulären Wohngelderhöhung zum 1. Januar 2027, eine Halbierung der 2023 eingeführten Heizkostenkomponente sowie eine Anpassung der Wohngeldformel.
Auch das Bundesbauministerium schätzt, dass rund ein Drittel der bisherigen Empfängerhaushalte durch die Reform den Anspruch verlieren könnte. Nach Angaben des Mietervereins München sollen die Neuregelungen für Anträge gelten, die ab Januar 2027 eingereicht werden, während laufende Bescheide mit einer Laufzeit von bis zu 24 Monaten ihre Gültigkeit behalten. Ziel sei es, die Zahl der Bezieher von 1,3 Millionen auf rund eine Million zu senken.
Sorge vor Verlagerung in die Grundsicherung
Kritik entzündet sich vor allem an den sozialen Folgen. Nach Berechnungen im Gesetzentwurf würden rund 143.000 Haushalte infolge der Streichungen auf Grundsicherung angewiesen sein; Verbände in der Ausschussanhörung bezifferten diese Zahl sogar auf bis zu 163.000 Haushalte.
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Nach Angaben des Mieterbundes handelt es sich bei 93 Prozent der Wohngeldhaushalte um Mieter. Zudem leben in 51 Prozent der geförderten Haushalte Rentner, rund 40 Prozent sind Familien. Demnach treffen die geplanten Einschnitte insbesondere Haushalte mit Kindern, wobei der Paritätische Wohlfahrtsverband darauf verweist, dass in 70 Prozent der Wohngeldhaushalte Kinder leben.
Der Gesetzentwurf mit der Nummer 21/8284 hatte seine erste Lesung im Bundestag am 8. Oktober 2026. Der Bundesrat kritisierte die Schwächung einkommensschwacher Haushalte und forderte einen finanziellen Ausgleich für zusätzliche Belastungen der Kommunen. Städte wie Ludwigshafen, Kaiserslautern, Zweibrücken und Trier befürchten ebenfalls eine Kostenverlagerung auf die kommunale Ebene.
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Auch der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland sprach sich gegen eine Absenkung des Leistungsniveaus aus und betonte, die zielgenaue Subjektförderung solle Vorrang vor anderen Instrumenten behalten, wenngleich digitale Verfahren und Nachweiserleichterungen zu begrüßen seien.
Der Deutsche Mieterbund forderte die vollständige Rücknahme der Kürzungspläne und verlangte, das Wohngeld weiterhin an den tatsächlichen Miet- und Energiekosten auszurichten.
