Wohnungsbau, Fertigstellungen

Wohnungsbau: 206.000 Fertigstellungen verfehlen das Ziel von 400.000 deutlich

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 17:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
2025 entstanden 206.000 Wohnungen; mehrere Projekte liegen auf Eis, während die Kosten geplanter Gebäuderegeln offenbleiben.
Rohbau einer modernen Wohnbaustelle mit unverputzten Betonwänden und gestapelten Ziegelsteinen bei bewölktem Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Eine Debatte über die Wechselwirkungen von Klimaschutzzielen, Bauvorschriften und Wohnkosten gewinnt an Schärfe. In einer Kolumne der Frankfurter Rundschau wird dargelegt, dass übermäßige gesetzliche Vorgaben und gestiegene Komfortansprüche das Bauen drastisch verteuern und notwendige ökologische Sanierungen erschweren.

Demnach schlagen Bauen und Wohnen mit 50 % des nationalen Rohstoffverbrauchs, 35 % der CO2-Emissionen sowie 55 % des gesamten Abfallaufkommens zu Buche. Gleichzeitig bestehe ein deutliches Missverhältnis auf dem Wohnungsmarkt: Für 30,9 Mio. Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte stünden lediglich 16,5 Mio. Wohnungen mit einem, zwei oder drei Zimmern zur Verfügung.

Die Pro-Kopf-Wohnfläche liege bei 55 Quadratmetern. Als ein Beispiel für überzogene Komfortanforderungen nennt der Beitrag den Umstand, dass eine Drei-Zimmer-Wohnung inzwischen auf bis zu 47 Steckdosen komme.

Zielverfehlungen beim Wohnungsbau und Debatte um Standards

Die Auswirkungen der Kostenentwicklung spiegeln sich in den Fertigstellungszahlen wider. Statt der politisch erhofften 400.000 Wohnungen wurden im Jahr 2025 laut der Kolumne lediglich 206.000 Einheiten fertiggestellt.

Um das Bauen wieder erschwinglicher zu machen, wird häufig der sogenannte Gebäudetyp E ins Spiel gebracht. Dieser könne das Bauen nach Einschätzung des Beitrags jedoch nur dann spürbar günstiger machen, wenn er als verbindlicher Basisstandard etabliert werde, statt lediglich eine wahlfreie Option zu bleiben.

Zusätzliche Unsicherheit herrscht hinsichtlich der finanziellen Dimensionen künftiger Regelungen. Die Bundesregierung bezifferte die Kosten des geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes in der Antwort auf eine Grünen-Anfrage nicht und erklärte dazu, entsprechende Prognosen seien mit großen Unsicherheiten behaftet.

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Baustopps und Planungsänderungen in den Kommunen

Die Problematik ausufernder Kosten führt auf kommunaler Ebene bereits zu konkreten Konsequenzen für Neubauprojekte. In Kleinmachnow stellte die kommunale Wohnungsgesellschaft gewog ihre Pläne für 34 neue Wohnungen an der Förster-Funke-Allee trotz vorliegender Baugenehmigung vollständig zurück.

Geschäftsführerin Katja Schmidt begründete diesen Schritt mit den massiv gestiegenen Baukosten der letzten Monate, durch die eine wirtschaftliche Umsetzung nicht mehr zu verantworten sei. Die Mieten hätten nach Angaben des Unternehmens sonst astronomische Höhen erreichen müssen.

Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht mehr; stattdessen werden nun kleinere Zuschnitte, geringere energetische Standards sowie alternative Finanzierungs- und Betreibermodelle geprüft, während die Gemeinde parallel andere Grundstücke in den Blick nimmt.

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Ein vergleichbares Bild zeigt sich beim Wohnpark Aichach: Dort verfolgt die Baugenossenschaft Aichach gemeinsam mit der Stadt und der Eleonore-Beck-Stiftung ein Vorhaben mit rund 140 Wohnungen, darunter 33 Sozialwohnungen, bis auf Weiteres nicht weiter.

Auf dem 1,6 Hektar großen Areal besteht seit 2024 Baurecht, doch nachdem sich der Stadtrat im April in nicht öffentlicher Sitzung gegen ein Erbbaurecht zu wirtschaftlich darstellbaren Konditionen ausgesprochen hatte, wird es keinen Baubeginn im Jahr 2027 geben.

Die Stiftung halte daran fest, ihre 99 Wohnungen zu errichten, sei dafür jedoch auf Partner angewiesen, erklärte Beirat Thomas Kantenwein mit Verweis auf die Notwendigkeit sinkender Kosten oder externer Unterstützung.

Auch in Österreich bleibt die Sanierungsrate unterdessen deutlich hinter den politischen Zielen zurück, woraufhin Bundesinnungsmeister Robert Jägersberger verlässliche wirtschaftliche Anreize anmahnte.

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