Wohnungskrise, Bayern

Wohnungskrise in Bayern: Fertigstellungszahlen brechen um 14 Prozent ein

05.05.2026 - 19:13:16 | boerse-global.de

Die Zahl neuer Wohnungen in Bayern fiel 2025 um 14 Prozent. VerbÀnde warnen vor einer weiteren VerschÀrfung der Wohnungskrise bis 2027.

Wohnungskrise in Bayern: Fertigstellungszahlen brechen um 14 Prozent ein - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Wohnungskrise in Bayern: Fertigstellungszahlen brechen um 14 Prozent ein - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Nur 47.359 Wohnungen wurden 2025 fertiggestellt – ein RĂŒckgang von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. BranchenverbĂ€nde warnen vor einer weiteren Verschlechterung bis 2027.

Besonders hart trifft es Oberbayern. In der wirtschaftlich starken Region sank die Zahl der Baufertigstellungen um ein Viertel auf 15.575 Objekte. Einzig die Oberpfalz verzeichnete ein leichtes Plus von 5,6 Prozent auf 5.101 fertiggestellte Wohnungen.

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Der Verband der bayerischen Wohnungswirtschaft (VdW Bayern) schlĂ€gt Alarm. „Im Freistaat fehlen mittlerweile rund 200.000 Wohnungen“, sagt Verbandsvorsitzender Hans Maier. Eine kurzfristige Besserung? Fehlanzeige. Auch fĂŒr 2026 und 2027 rechnet der Verband mit keiner Erholung. HauptgrĂŒnde: hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und zunehmende BĂŒrokratie.

Mietrechtsreform verunsichert private Vermieter

Das Bundeskabinett beschloss Ende April 2026 das sogenannte Mietrechtspaket II. Die Neuerungen im Überblick:

  • MöblierungszuschlĂ€ge mĂŒssen kĂŒnftig am Zeitwert orientiert sein oder auf maximal zehn Prozent der Nettokaltmiete begrenzt werden
  • In angespannten WohnungsmĂ€rkten sind Vermieter verpflichtet, diese ZuschlĂ€ge offenzulegen
  • Indexmieten: Steigerungen ĂŒber drei Prozent jĂ€hrlich dĂŒrfen nur noch zur HĂ€lfte weitergegeben werden
  • KurzzeitmietvertrĂ€ge sind auf sechs Monate begrenzt, VerlĂ€ngerungen auf acht Monate nur unter bestimmten Voraussetzungen

Die Reaktion der EigentĂŒmer fĂ€llt deutlich aus. Eine Befragung von Haus & Grund unter knapp 14.000 Mitgliedern zeigt: 60,5 Prozent der privaten Vermieter erwĂ€gen, ihre TĂ€tigkeit aufzugeben und Wohnraum zu verkaufen. Der Verband vertritt rund 80 Prozent des privaten Mietwohnungsbestands in Deutschland.

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WĂ€hrend der Mieterbund die Reformen begrĂŒĂŸt, warnen Marktbeobachter vor einem drohenden RĂŒckzug dringend benötigten Kapitals aus dem Markt.

Internationale Investoren entdecken neue Segmente

Trotz der Krise am Bau zeigen sich unterschiedliche Preisentwicklungen. In Augsburg stiegen die Preise fĂŒr HĂ€user und Wohnungen 2025 wieder, nachdem sie zwischen 2022 und 2024 gefallen waren. In Berlin legten die Preise im zweiten Quartal 2025 um 3,2 Prozent zu.

Ein neues PhĂ€nomen: Internationale Großinvestoren dringen in Segmente vor, die bisher privaten KĂ€ufern vorbehalten waren. US-Investoren wie Goldman Sachs erwarben gemeinsam mit einem kanadischen Pensionsfonds ein Portfolio von 491 ReihenhĂ€usern. Ein weiterer US-Investor prĂŒft derzeit den Einstieg in den Markt fĂŒr EinfamilienhĂ€user.

Mietpreiskontrolle offenbart massive VerstĂ¶ĂŸe

In Berlin zeigt die Arbeit der MietpreisprĂŒfstelle erschreckende Ergebnisse. Bei PrĂŒfungen zwischen MĂ€rz 2025 und MĂ€rz 2026 erwiesen sich nur fĂŒnf Prozent der untersuchten Mieten als rechtlich zulĂ€ssig. In fast zwei Dritteln der FĂ€lle lag die Miete mehr als 50 Prozent ĂŒber der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete – ein klarer Hinweis auf Mietwucher.

Trotz ĂŒber 4.300 eingeleiteter Verfahren in zwei Jahren wurden bisher nur sehr wenige Bußgeldbescheide erlassen.

In Hamburg stieg der Anteil möblierter Wohnungen an den Inseraten drastisch: von 3,5 Prozent im Jahr 2014 auf 17,9 Prozent im Jahr 2023. Kritiker sehen darin den Versuch, die Mietpreisbremse durch Kurzzeitmieten und MöblierungszuschlÀge zu umgehen.

Großprojekte binden KapazitĂ€ten

WĂ€hrend der Wohnungsbau leidet, schreiten Infrastrukturprojekte voran. Anfang Mai 2026 wurde das erste von 89 Tunnelelementen des Fehmarnbelttunnels abgesenkt. In Stuttgart verzögert sich die Wiedereröffnung der großen Schalterhalle im Hauptbahnhof aufgrund schlechterer Bausubstanz als erwartet. Diese Großprojekte binden erhebliche KapazitĂ€ten in der Bauwirtschaft.

Ausblick: Bleibt die Wohnungskrise?

Experten gehen davon aus, dass Deutschland bis 2030 jĂ€hrlich mehr als 300.000 neue Wohnungen benötigt. Allein in Berlin wird der Neubaubedarf auf etwa 20.000 Einheiten pro Jahr geschĂ€tzt. Der Bundestag beschloss im Herbst 2025 den sogenannten „Bau-Turbo“ – seine volle Wirkung muss sich jedoch erst zeigen.

FĂŒr Metropolen wie MĂŒnchen prognostizieren Analysten Quadratmeterpreise zwischen 11.500 und 16.800 Euro bis 2040. Der KĂ€ufermix könnte sich drastisch verĂ€ndern: Internationale Investoren könnten dann rund 40 Prozent des Marktes ausmachen, wĂ€hrend der Anteil der Eigennutzer auf etwa 25 Prozent sinkt.

Ob die aktuellen gesetzlichen Maßnahmen den Wohnungsmarkt stabilisieren oder durch den RĂŒckzug privater Vermieter die Krise verschĂ€rfen – diese Frage wird die kommenden Monate dominieren.

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