Wohnungsneubau: LEG-Chef warnt vor Folgen des Zinsanstiegs
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 06:28 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Wohnungskonzerns LEG Immobilien, Lars von Lackum, warnt vor zusätzlichen Belastungen für den Wohnungsneubau durch den jüngsten Zinsanstieg. Der Anstieg von rund 100 Basispunkten verteuert nach seinen Worten sowohl die Finanzierung privater Bauherren als auch die Kalkulation professioneller Entwickler.
Höhere Kosten für Bauherren und Entwickler
Für private Bauherren verschlechterten sich die Finanzierungsmöglichkeiten, sagte von Lackum dem „Handelsblatt“. Viele Interessenten könnten sich dadurch weniger leisten als ursprünglich erhofft.
Auch bei professionellen Entwicklern gerieten die Kalkulationen ins Wanken. „Für den Neubau sind das schlechte Nachrichten“, sagte der LEG-Chef.
LEG erwartet zehn Millionen Euro Mehrkosten
Die LEG selbst werde die höheren Finanzierungskosten ab dem kommenden Jahr spüren. Da der Konzern jährlich rund eine Milliarde Euro refinanzieren müsse, rechnet von Lackum mit Mehrkosten von rund zehn Millionen Euro pro Jahr.
Für die LEG seien die zusätzlichen Kosten zwar „unschön“, aber verkraftbar. Zugleich beobachtet der Vorstandschef eine Abkühlung am Immobilienmarkt.
Transaktionsmarkt verliert an Dynamik
Nach einem deutlichen Plus im ersten Halbjahr stagniere das Transaktionsvolumen nach neun Monaten auf dem Niveau des Vorjahres, sagte von Lackum. „Dem Markt geht etwas die Puste aus“, so der LEG-Chef.
Für das Gesamtjahr erwartet er einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Vor allem große Immobilientransaktionen dürften weiterhin selten bleiben.
Warnung vor Folgen der Berliner Debatte
Von Lackum verwies außerdem auf mögliche Folgen der Vergesellschaftungsdebatte in Berlin. Sollten die Risikoaufschläge bei Pfandbriefen deutlich steigen, weil das Grundpfandrecht in Berlin aus seiner Sicht an Sicherheit verliere, müssten nach seiner Einschätzung alle Kreditnehmer von Hypothekendarlehen die höheren Kosten tragen.
Steigende Zinsen wirken im Wohnungsmarkt über mehrere Kanäle. Für private Bauherren erhöhen sie die monatliche Belastung eines Kredits und senken damit bei gleichem Einkommen den finanzierbaren Kaufpreis. Projektentwickler müssen zusätzlich höhere Finanzierungskosten in ihre Kalkulation einbauen. Werden die erwarteten Verkaufspreise nicht entsprechend angehoben, geraten Renditen und Baubeginne unter Druck.
Die von Lars von Lackum genannte Größenordnung macht die Wirkung für die LEG konkret: Bei einer jährlichen Refinanzierung von rund einer Milliarde Euro würden 100 Basispunkte Mehrkosten von etwa zehn Millionen Euro pro Jahr bedeuten. Für einen großen Bestandshalter ist das verkraftbar, für kleinere Unternehmen oder einzelne Neubauprojekte kann derselbe Zinsimpuls jedoch stärker ins Gewicht fallen.
Finanzierung prägt auch den Transaktionsmarkt
Höhere Zinsen beeinflussen nicht nur Neubauten, sondern auch die Preise bestehender Immobilien. Käufer benötigen mehr Eigenkapital oder akzeptieren geringere Kaufpreise, während Verkäufer ihre Preisvorstellungen oft nur verzögert anpassen. Das kann Transaktionen verlangsamen und insbesondere große Übernahmen erschweren.
Zusätzliche Bedeutung hat die Debatte um eine mögliche Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin. Sie berührt die Einschätzung politischer und rechtlicher Risiken im Immobiliensektor. Steigende Risikoaufschläge bei der Refinanzierung würden nicht nur einzelne Wohnungsunternehmen treffen, sondern könnten über höhere Kreditkosten auch private Immobilienkäufer und andere Unternehmen belasten.
