WTO hebt Prognose für Welthandel 2026 deutlich auf 3,9 Prozent an
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 15:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Welthandelsorganisation (WTO) hebt ihre Prognose für das Wachstum des weltweiten Warenhandels 2026 deutlich von 1,9 auf 3,9 Prozent an.
KI treibt Nachfrage nach Waren
Als zentralen Grund nennt die WTO den starken Anstieg der Investitionen in künstliche Intelligenz. Im ersten Halbjahr seien Halbleiter, Rechenzentren und digitale Infrastruktur für einen Großteil des weltweiten Wachstums im Warenhandel verantwortlich gewesen.
Für 2027 erwartet die Organisation ein Plus von 4,1 Prozent. Im vergangenen Jahr war der Welthandel um 4,6 Prozent gewachsen.
Alternative Lieferwege begrenzen Folgen
Die Belastungen durch den Nahostkonflikt und die zeitweise Sperrung der Straße von Hormus seien erheblich, würden durch den KI-Boom aber mehr als ausgeglichen, teilte die WTO in Genf mit. WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala sagte, die Zahlen belegten die Widerstandsfähigkeit des Handels in der Praxis.
Die Rohölexporte aus dem Nahen Osten gingen im ersten Halbjahr 2026 laut WTO um rund 24 Prozent zurück, die LNG-Exporte um 47 Prozent. Dank anderer Anbieter fiel der Rückgang der weltweiten Ausfuhren demnach auf etwa sechs Prozent beim Rohöl und ein Prozent beim Flüssiggas.
Düngemittel und Containerverkehr
Die weltweiten Importe stickstoffhaltiger Düngemittel lagen den Angaben zufolge nur 2,8 Prozent unter den jüngsten Durchschnittswerten. Handelsströme seien über alternative Häfen und Korridore umgeleitet worden. Der weltweite Containerumschlag stieg bis Juli um 3,9 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn.
Dienstleistungshandel schwächer
Beim Handel mit kommerziellen Dienstleistungen senkte die WTO ihre Prognose für 2026 dagegen von 4,8 auf 3,3 Prozent. Besonders Transport, Reisen und Tourismus litten unter höheren Spritkosten, Flugbeschränkungen und geopolitischen Spannungen.
Für 2027 erwartet die WTO in diesem Bereich eine Erholung auf 6,4 Prozent. Bei den Warenexporten soll Asien 2026 mit 9,9 Prozent am stärksten zulegen, gefolgt von Nordamerika mit 5,7 Prozent, Afrika mit 5,6 Prozent und Südamerika mit 3,4 Prozent. Europas Exportentwicklung dürfte schwach bleiben.
Risiken für 2027
Als Risiken nennt die WTO neben dem Nahostkonflikt eine mögliche Abschwächung der KI-Investitionen und anhaltend hohe Energiepreise.
KI als neuer Wachstumsmotor
Die WTO-Prognose zeigt, wie stark sich die Struktur des Welthandels verschiebt. Investitionen in Halbleiter, Rechenzentren und digitale Infrastruktur erzeugen Nachfrage über viele Lieferketten hinweg. Davon profitieren vor allem Länder mit leistungsfähigen Technologie- und Produktionsstandorten.
Der Aufschwung verteilt sich jedoch ungleich. Asien soll 2026 bei den Warenexporten deutlich stärker wachsen als Europa. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Die globale Nachfrage bleibt ein wichtiger Stützpfeiler, zugleich verschärft sich der Wettbewerb um Chips, Energie, Kapital und industrielle Wertschöpfung.
Resilienz mit neuen Risiken
Die Umleitung von Handelsströmen über alternative Häfen und Korridore begrenzt die Folgen der Störungen im Nahen Osten. Sie macht Lieferketten aber nicht automatisch sicherer oder günstiger. Höhere Transport-, Versicherungs- und Energiekosten können Unternehmen und Verbraucher weiterhin belasten.
Besonders anfällig bleiben Dienstleistungen wie Reisen, Tourismus und Transport. Die deutlich niedrigere WTO-Prognose für diesen Bereich zeigt, dass Warenhandel und Dienstleistungen derzeit auseinanderlaufen. Für 2027 hängen die Aussichten deshalb nicht nur vom KI-Zyklus ab, sondern auch von Energiepreisen, geopolitischer Stabilität und der Fähigkeit der Unternehmen, Lieferwege dauerhaft anzupassen.
