Wirecard-AktionÀre, Geld

50.000 Wirecard-AktionĂ€re dĂŒrfen auf ein wenig Geld hoffen

25.09.2024 - 15:29:17

Zehntausende Wirecard-AktionĂ€re haben im Insolvenzverfahren Forderungen angemeldet, bisher mit niedrigen Chancen. Dank des OLG MĂŒnchen dĂŒrfen sie nun hoffen - zumindest bis zum nĂ€chsten Urteil

Nach einer neuen Entscheidung des Oberlandesgerichts MĂŒnchen können gut 50.000 Wirecard-AktionĂ€re vorerst auf EntschĂ€digung im Insolvenzverfahren hoffen. Der fĂŒnfte OLG-Senat hat entschieden, dass die Wirecard-AktionĂ€re ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anmelden können. Gegen den Insolvenzverwalter Michael JaffĂ© geklagt hatte die Vermögensverwaltung Union Investment, die von 2015 bis 2020 Wirecard-Aktien fĂŒr 33 ihrer Kunden gekauft hatte. Zuerst berichtete die «SĂŒddeutsche Zeitung».

Abgeschlossen ist der Fall nicht. Es handelt sich um ein sogenanntes «Zwischenurteil», die Richter entschieden in dem Fall weder ĂŒber die BegrĂŒndung noch ĂŒber die Höhe der von Union Investment angemeldeten Schadenersatzforderungen. 

In der ersten Instanz hatte das Landgericht MĂŒnchen die Klage noch abgelehnt. Das nĂ€chste Wort wird nun der Bundesgerichtshof (BGH) haben. Insolvenzverwalter JaffĂ© will in Karlsruhe höchstrichterlich klĂ€ren lassen, ob die Forderungen von AktionĂ€ren den gleichen Rang haben wie die AnsprĂŒche von GlĂ€ubigern, denen ein Pleiteunternehmen Geld schuldet. Das bestĂ€tigte ein Sprecher JaffĂ©s. Auch das OLG verweist in seinem Zwischenurteil darauf, dass bislang höchstrichterlich nicht entschieden ist, ob SchadenersatzansprĂŒche von AktionĂ€ren Insolvenzforderungen nach Insolvenzordnung sind.

In Summe geht es um sehr viel Geld: Laut OLG haben etwa 50.000 Wirecard-AktionĂ€re SchadensersatzansprĂŒche in Höhe von an die 8,5 Milliarden Euro angemeldet. Insgesamt fordern die Wirecard-GlĂ€ubiger 15,4 Milliarden Euro. Bislang hat Insolvenzverwalter JaffĂ© 650 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse gesichert. Sofern nicht noch ĂŒberraschend fehlende Milliarden auftauchen, werden die GlĂ€ubiger also in jedem Fall nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen bekommen.

Der Insolvenzverwalter sieht die Forderungen von GlĂ€ubigern vorrangig. Der Grund: Wirecard schuldet sowohl kreditgebenden Banken als auch ehemaligen Angestellten viel Geld. AktionĂ€re hingegen haben zwar Kursverluste erlitten, dem Konzern aber weder Geld geliehen noch sonstige Leistungen erbracht, bei denen Wirecard die Zahlung schuldig geblieben wĂ€re. HĂ€tten die AktionĂ€re gleichrangige AnsprĂŒche, bliebe fĂŒr die GlĂ€ubiger sehr viel weniger Geld ĂŒbrig, argumentiert JaffĂ©.

Der Kollaps des Dax-Konzerns im Sommer 2020 hatte neben dem Strafverfahren hunderte von Zivilklagen zur Folge. Bei einem Großteil dieser Klagen handelt es sich um Schadenersatzklagen frĂŒherer Wirecard-AktionĂ€re und -Anleger gegen den seit Sommer 2020 in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Vorstandschef Markus Braun und die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft EY, die die mutmaßlich falschen Wirecard-Bilanzen testiert hatte.

@ dpa.de