ROUNDUPG7-Außenminister, Trumps

Trumps Schatten reicht bis nach Quebec

13.03.2025 - 06:12:35

Zeigt der Westen Einigkeit - oder stehen die G7-LĂ€nder nach dem Kursschwenk von US-PrĂ€sident Donald Trump nicht nur im Umgang mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine vor der Spaltung? Erstmals seit Trumps Amtsantritt treffen sich die Außenminister der wirtschaftsstarken Demokratien.

Im ostkanadischen Charlevoix geht es - im 50. Jahr des Bestehens der G7 - vor allem um die Frage, ob US-Außenminister Marco Rubio als Freund oder Rivale der Gruppe auftritt. Ein gemeinsames Abschlussdokument steht infrage.

Deutschland wird von Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) vertreten. Neben Deutschland gehören die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan zu der Runde.

Hoffnung fĂŒr die Ukraine

Es ist noch keine zwei Wochen her, dass Trump den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras im Weißen Haus mit VorwĂŒrfen ĂŒberzog und Positionen von Kremlchef Wladimir Putin zum Ukraine-Krieg einzunehmen schien. Doch kurz vor Beginn des Außenministertreffens in einem Luxushotel in der kanadischen Provinz Quebec gibt es wieder Grund zur Hoffnung fĂŒr Kiew.

Die Ukraine erklĂ€rte sich nach GesprĂ€chen in Saudi-Arabien zu einer 30-tĂ€gigen Waffenruhe bereit - wenn Russlands mitzieht. Moskau gerĂ€t damit unter Druck, seine Deeskalationsbereitschaft zu beweisen. Einer gemeinsamen harten Haltung gegenĂŒber Russland bei den G7 erteilte Rubio aber schon auf vor Tagen eine Absage: Man werde kein KommuniquĂ© unterzeichnen, das beide Seiten von Verhandlungen abhalte und "antagonistische Sprache" gegenĂŒber Moskau enthalte.

Trump will, dass in der Ukraine die Waffen schweigen - Kritiker meinen, um so gut wie jeden Preis. Es wird befĂŒrchtet, dass Selenskyj unter massivem Druck widerwillig einem Deal zustimmen könnte, der ukrainische Gebiete an Russland abtritt und unzureichende Sicherheitsgarantien bietet. Ein Dorn im Auge sind Trump die hohen Kosten der Ukraine-Hilfe, die die EuropĂ€er seiner Ansicht nach selbst tragen sollten.

Rubio zu Gast im "51. US-Bundesstaat" - Handelskrieg schwelt

Trumps Schatten reicht dabei auch aus einem anderen Grund bis an den eisig kalten Sankt-Lorenz-Strom. Mitten im von Washington entfachten Handelskrieg gegen Kanada und weitere Staaten, der die Börsen international einbrechen ließ, besucht sein Außenminister den "51. US-Bundesstaat", wie Trump den zweitgrĂ¶ĂŸten FlĂ€chenstaat der Welt in den vergangenen Wochen immer wieder nannte. Was zunĂ€chst als respektloser Witz verstanden wurde, nahm zuletzt immer ernstere Formen an: Viele Kanadier fĂŒrchten, dass Trumps Amerika eine Annexion anstrebt.

Premier Justin Trudeau selbst sagte zuletzt, dass die USA Kanada wirtschaftlich mit ihren Strafzöllen zerstören wollten, um es sich leichter einverleiben zu können. Trump betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass ein Anschluss an die USA wirtschaftlich große Vorteile fĂŒr die Kanadier hĂ€tte. Das Land reagierte auf die Bedrohung durch Trump mit scharfer Rhetorik und Ablehnung. Viele boykottieren US-Produkte, das Land und seine Bevölkerung scheinen geeint wie selten zuvor.

Rubio betonte vor seiner Anreise, dass die weitreichende Zusammenarbeit mit Kanada unter anderem im militĂ€rischen Bereich nicht unter dem Handelsstreit leiden sollte. Auf eine Frage, ob auch ĂŒber den US-kanadischen Grenzvertrag geredet werden soll, den Trump kĂŒrzlich infrage stellte, sagte Rubio: "Das steht nicht auf der Tagesordnung der G7, das kann ich Ihnen versichern." Der Zollkonflikt mit gegenseitigen HandelsbeschrĂ€nkungen zwischen den LĂ€ndern schwelt derweil weiter.

Baerbock und das Lieblingsformat G7

FĂŒr Baerbock ist es die wohl letzte Dienstreise als Außenministerin zu einem internationalen Treffen. In der Vergangenheit hatte sie von der G7-Runde als ihrem Lieblingsformat geschwĂ€rmt. Kleine Tische, Handys draußen: Bei den GesprĂ€chen mit dem damaligen US-Außenminister Antony Blinken und dessen Kolleginnen und Kollegen herrschte oft eine derartige Vertrautheit, dass man offener als ĂŒblich ĂŒber diffizile Themen reden konnte - ob ĂŒber die Ukraine oder auch Israels Vorgehen im Gaza-Krieg.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine galt die G7-Runde Baerbock als "Arbeitsmuskel in der KrisenbewĂ€ltigung: kraftvoll und verlĂ€sslich", wie sie vor der Abreise sagte. Auch mit Blick auf Kriege wie in Gaza oder Chinas Vorgehen im Indopazifik - auch auf der Tagesordnung in Quebec - wĂ€re konstruktives Miteinander fĂŒr Lösungen wichtig.

Das dĂŒrfte nun doch etwas anders sein, gerade angesichts des geĂ€nderten Kurses der Trump-Regierung nicht nur gegenĂŒber der Ukraine, sondern auch angesichts der demonstrativen NĂ€he zum israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu. Mit dem hatte Baerbock wegen dessen hartem Vorgehen in Gaza auch schon lautstarke Auseinandersetzungen gefĂŒhrt.

Es geht auch um Baerbocks politisches VermÀchtnis

Im winterlichen Charlevoix mit Temperaturen von bis zu 20 Grad unter null will die Außenministerin sich trotzdem dafĂŒr einsetzen, dass es nicht zur Spaltung kommt. G7 werde auch weiterhin eine SchlĂŒsselrolle zukommen, erklĂ€rte sie fast beschwörend. "Wir mögen unsere Meinungsverschiedenheiten haben. Gemessen werden wir aber am Ende daran, ob wir Antworten auf die zentralen Sicherheitsfragen unserer Zeit finden." Es geht schließlich auch um so etwas wie ihr politisches VermĂ€chtnis, nach dann 151 Reisen in insgesamt 77 verschiedene LĂ€nder.

@ dpa.de