Zippel-Übernahme, Cosco

Zippel-Übernahme durch Cosco: Bund stoppt Verkauf der Hamburger Logistikfirma

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 14:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung untersagt der chinesischen Staatsreederei Cosco den Kauf von 80 Prozent der Hamburger Zippel-Gruppe. Sie begründet den Schritt mit Sicherheitsbedenken und möglichen Risiken für deutsche und europäische Lieferketten.

  • Cosco-Containerschiffe laufen regelmäßig Hamburg an. (Archivbild) - Bild: Christian Charisius/dpa
    Cosco-Containerschiffe laufen regelmäßig Hamburg an. (Archivbild) - Bild: Christian Charisius/dpa
  • Das Logistikunternehmen Zippel hat seinen Hauptsitz in einem Hamburger Industriegebiet.  - Bild: Gerald Wintzer/dpa
    Das Logistikunternehmen Zippel hat seinen Hauptsitz in einem Hamburger Industriegebiet. - Bild: Gerald Wintzer/dpa
Cosco-Containerschiffe laufen regelmäßig Hamburg an. (Archivbild) - Bild: Christian Charisius/dpa Das Logistikunternehmen Zippel hat seinen Hauptsitz in einem Hamburger Industriegebiet.  - Bild: Gerald Wintzer/dpa

Die Bundesregierung hat der chinesischen Staatsreederei Cosco den Kauf von 80 Prozent des Hamburger Logistikunternehmens Zippel untersagt.

Sicherheitsbedenken der Bundesregierung

Das Bundeswirtschaftsministerium begründete die Entscheidung mit Sicherheitsbedenken. Der Verkauf hätte nach Einschätzung der Bundesregierung Abhängigkeiten vertieft und die Stabilität der Lieferketten in Deutschland und der Europäischen Union gefährdet.

Deutschland heiße ausländische Investitionen als größte Volkswirtschaft Europas grundsätzlich willkommen, teilte das Ministerium mit. Zugleich könne es Investitionen geben, die die Sicherheit des Landes gefährdeten. Die Behörde kündigte einen Untersagungsbescheid an.

Logistik für Ostdeutschland

Die Zippel-Gruppe transportiert Container und Stückgut wie Paletten, Maschinen und Möbel von den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven zu Industrie- und Handelszentren in Ostdeutschland und ins europäische Ausland. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben 350 Mitarbeiter.

An Terminals in Berlin, Schkopau in Sachsen-Anhalt und Elsterwerda in Brandenburg soll Zippel laut einem früheren Bericht einen Umschlagsanteil zwischen 35 und 90 Prozent haben.

Geschäftsführer bedauert das Verbot

Zippel-Geschäftsführer Axel Plaß erklärte, er nehme den Beschluss zur Kenntnis. Das Unternehmen hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht und halte die unternehmerische Entscheidung weiterhin für richtig. Das Tagesgeschäft laufe unverändert weiter; für Kunden und Beschäftigte ändere sich nichts.

Plaß wollte nach dem geplanten Verkauf 20 Prozent der Anteile behalten und Geschäftsführer bleiben. Cosco sollte 80 Prozent übernehmen. Eine Stellungnahme der chinesischen Reederei lag zunächst nicht vor.

Cosco bereits am Hamburger Hafen beteiligt

Cosco gehört zu den größten Linienreedereien der Welt und liegt beim Transportvolumen auf Rang vier, vor der deutschen Reederei Hapag-Lloyd. Die Reederei ist bereits mit 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort beteiligt.

Über diesen Einstieg war 2022 in der Bundesregierung heftig gestritten worden. Ursprünglich wollte Cosco 35 Prozent übernehmen, zugelassen wurde schließlich ein Anteil unter 25 Prozent. Der Vertrag wurde im Juni 2023 unterzeichnet.

Unterschiedliche Prüfungen

Das Bundeskartellamt hatte den Verkauf im Februar aus wettbewerblicher Sicht gebilligt. Sicherheitspolitische Aspekte wurden dabei nicht geprüft. Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde bewegte Zippel nur einen Bruchteil der Ladung in Hamburg und Bremerhaven.

Ende April waren Bedenken des Bundesamts für Verfassungsschutz gegen die Übernahme bekanntgeworden. Der Inlandsnachrichtendienst soll vor kumulativen Erwerbsvorhaben des chinesischen Staatskonzerns in Deutschland und der Europäischen Union gewarnt haben.

Bund prüft ausländische Beteiligungen

Die Bundesregierung kann den Erwerb deutscher Unternehmen untersuchen, wenn dadurch voraussichtlich die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährdet wird. Nach Angaben des Ministeriums werden jährlich durchschnittlich rund 300 Fälle geprüft; in acht Fällen sei ein Kauf untersagt worden.

Schutz kritischer Lieferketten

Die Entscheidung betrifft nicht nur einen einzelnen Firmenverkauf. Zippel verbindet die Seehäfen Hamburg und Bremerhaven mit Industrie- und Handelszentren in Ostdeutschland sowie im europäischen Ausland. Damit liegt der sicherheitspolitische Blick auf einer Logistikstruktur, deren Bedeutung sich aus ihrer regionalen Vernetzung ergibt.

Der Fall zeigt zugleich die unterschiedliche Reichweite von Wettbewerbs- und Investitionskontrolle. Das Bundeskartellamt prüfte, ob der Zusammenschluss den Wettbewerb beeinträchtigen würde, und hatte keine Bedenken. Die Bundesregierung bewertet dagegen mögliche Folgen für öffentliche Sicherheit, Abhängigkeiten und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten. Beide Prüfungen verfolgen unterschiedliche Ziele und können deshalb zu verschiedenen Ergebnissen führen.

Signal im Umgang mit China

Besonders sensibel ist die geplante Beteiligung, weil Cosco bereits mit 24,99 Prozent am Containerterminal Tollerort beteiligt ist. Die Bundesregierung hatte diesen Einstieg 2022 nach heftiger Debatte unterhalb der Schwelle von 25 Prozent erlaubt; der Vertrag wurde 2023 unterzeichnet. Das jetzige Verbot macht deutlich, dass Beteiligungen an mehreren Gliedern einer Transportkette gemeinsam betrachtet werden können.

Für Zippel ändern sich nach Angaben des Geschäftsführers das Tagesgeschäft, die Arbeitsplätze und die Kundenbeziehungen zunächst nicht. Offen bleibt, wie die Eigentümerstruktur nach dem untersagten Verkauf neu geordnet wird. Für Unternehmen und Kunden in den betroffenen Regionen ist entscheidend, dass Transportkapazitäten und Verbindungen zu den Seehäfen stabil bleiben.

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