Zippel, Cosco

Zippel-Verkauf an Cosco: Bundesregierung stoppt Übernahme aus Sicherheitsgründen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesregierung stoppt den Verkauf von 80 Prozent der Hamburger Logistikfirma Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco. Ausschlaggebend seien Sicherheitsbedenken und die Gefahr größerer Abhängigkeiten in wichtigen Lieferketten.

Die Reederei Cosco gehört nach der Transportmenge zu den größten der Welt. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
Die Reederei Cosco gehört nach der Transportmenge zu den größten der Welt. (Archivbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa

Die Bundesregierung untersagt den Verkauf von 80 Prozent der Anteile des Hamburger Logistikunternehmens Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco.

Sicherheitsbedenken geben den Ausschlag

Das sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums nach einer Kabinettssitzung. Das Ministerium werde im Anschluss den Untersagungsbescheid erlassen.

„Grund für die Untersagung sind Sicherheitsbedenken. Der Erwerb hätte Abhängigkeiten vertieft und die Resilienz von Lieferketten Deutschlands und der EU gefährdet“, erklärte der Sprecher. Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas heiße ausländische Investitionen willkommen. Gleichzeitig könne es Investitionen geben, die die Sicherheit des Landes gefährdeten.

Prüfung nach Außenwirtschaftsrecht

Die Bundesregierung kann nach Angaben des Ministeriums auf Grundlage des Außenwirtschaftsgesetzes und der Außenwirtschaftsverordnung den Erwerb eines deutschen Zielunternehmens durch einen ausländischen Investor im Einzelfall prüfen. Maßstab sei, ob der Erwerb voraussichtlich die öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährde.

Kartellamt hatte Übernahme erlaubt

Das Bundeskartellamt hatte im Februar mitgeteilt, dass Cosco die 80 Prozent der Zippel-Anteile aus wettbewerblicher Sicht übernehmen dürfe. Ende April wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Bedenken gegen die Übernahme hatte.

Zippel transportiert mit Zügen, Schiffen und Lastwagen Waren, die unter anderem an den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven ankommen. Das Unternehmen hat nach früheren Angaben rund 350 Beschäftigte.

Cosco bereits am Hamburger Terminal beteiligt

Cosco gehört gemessen an der Transportmenge zu den größten Reedereien der Welt. Die chinesische Staatsreederei hält bereits 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort.

Über diese Beteiligung war in der damaligen Bundesregierung 2022 heftig gestritten worden. Das Kabinett beschloss schließlich, einen Anteilserwerb von Cosco unterhalb von 25 Prozent zuzulassen.

Prüfung aus Wettbewerbssicht und Sicherheitsinteressen

Der Fall zeigt, dass die Freigabe eines Unternehmenskaufs durch das Bundeskartellamt nicht automatisch bedeutet, dass eine Übernahme vollzogen werden darf. Das Kartellamt bewertet vor allem mögliche Folgen für Wettbewerb und Marktmacht. Daneben kann die Bundesregierung bei ausländischen Investitionen prüfen, ob öffentliche Ordnung oder Sicherheit betroffen sind.

Bei Zippel steht nicht nur das einzelne Unternehmen im Mittelpunkt. Der Logistiker verbindet Schienen-, Schiffs- und Straßentransporte und arbeitet mit Warenströmen über die wichtigen deutschen Seehäfen Hamburg und Bremerhaven. Eine Beteiligung an einem solchen Knotenpunkt kann deshalb aus sicherheitspolitischer Sicht anders bewertet werden als ein gewöhnlicher Unternehmenskauf.

Signal für kritische Infrastruktur

Die Untersagung fällt zudem in einen seit Jahren angespannten politischen Umgang mit chinesischen Beteiligungen an deutscher Infrastruktur. Cosco ist bereits mit 24,99 Prozent am Hamburger Containerterminal Tollerort beteiligt. Die damalige Entscheidung für eine Beteiligung unterhalb von 25 Prozent sollte einen begrenzten Einstieg ermöglichen, beseitigte aber die grundsätzliche Debatte über Abhängigkeiten in Lieferketten nicht.

Für Unternehmen und Investoren bedeutet der Vorgang, dass wirtschaftliche Vorteile und sicherheitspolitische Risiken stärker gemeinsam betrachtet werden. Für die Logistikbranche kann dies zusätzliche Prüfungen und längere Verfahren bedeuten. Für Deutschland und die EU rückt zugleich die Frage in den Vordergrund, wie widerstandsfähig zentrale Transportwege bleiben, wenn einzelne Akteure an mehreren Stellen der Lieferkette beteiligt sind.

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