EZB lÀsst Leitzinsen unverÀndert - Sorgen wegen US-Zöllen
24.07.2025 - 14:28:23Der fĂŒr Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Die Notenbank erklĂ€rte, das Umfeld sei "nach wie vor auĂergewöhnlich unsicher, vor allem aufgrund von Handelskonflikten". Zuvor hatte die EZB die Leitzinsen siebenmal in Folge gesenkt. Der Einlagenzins fĂŒr Gelder, die Banken kurzfristig bei der EZB parken, wurde seit Juni 2024 halbiert.
Inflationswelle gebrochen
Fachleute hatten mit dem Abwarten der EZB gerechnet, denn der Zollstreit sorgt fĂŒr Unsicherheit und die Inflationsrate im Euroraum ist deutlich zurĂŒckgegangen. Im Juni lag die Teuerung laut Statistikamt Eurostat bei 2,0 Prozent und damit genau im mittelfristigen Ziel der EZB. Damit ist es der Zentralbank gelungen, die Inflationswelle nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs in den Griff zu bekommen - wenngleich Verbraucher das höhere Preisniveau im Alltag spĂŒren.
Niedrigere Leitzinsen stĂŒtzen die Konjunktur, da Kredite fĂŒr Unternehmen und Verbraucher damit tendenziell gĂŒnstiger werden. Sparer sind dagegen im Nachteil: Bekommen Banken weniger Zinsen fĂŒr bei der EZB geparkte Gelder, senken sie meist die Tages- und Festgeldzinsen fĂŒr ihre Kundschaft.
Dem Vergleichsportal Verivox zufolge brachten Tagesgelder zuletzt im Schnitt nur noch 1,17 Prozent Zinsen und Festgelder mit zwei Jahren Laufzeit 1,94 Prozent. Immerhin: Bei zehnjÀhrigen Festgeldern seien die Zinsen wieder leicht gestiegen. Denn Banken stellten sich auf ein nahendes Ende der Zinssenkungsphase bei der EZB ein.
Unsicherheit ĂŒber US-Zölle
Grund fĂŒr die ZurĂŒckhaltung der EZB ist auch der Zollstreit zwischen der EU und den USA unter PrĂ€sident Donald Trump. Die Folgen der teils verhĂ€ngten und teils angedrohten hohen Zölle fĂŒr Konjunktur und Inflation lassen sich nur schwer abschĂ€tzen. Zwar hĂ€lt sich die Wirtschaft im Euroraum robuster als angenommen, doch spurlos geht der Handelskonflikt nicht an Unternehmen und Verbrauchern vorbei. Ohnehin erwartet die EZB dieses Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent in der Eurozone.
Zugleich fĂŒrchten Ăkonomen eine steigende Inflation, sollte die EU milliardenschwere Gegenzölle verhĂ€ngen. Trump hatte BrĂŒssel mit einem Zoll auf EU-Importe von 30 Prozent ab 1. August gedroht, bis zur Frist bleiben nur noch wenige Tage fĂŒr Verhandlungen. Mit dem Innehalten gewinnt die EZB Zeit bis zu ihrem nĂ€chsten Zinsentscheid im September.
Gerade deutsche Notenbanker wie EZB-Direktorin Isabel Schnabel und Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel hatten zuletzt fĂŒr ein Abwarten plĂ€diert. Andere Notenbanker, etwa aus Frankreich, Ă€uĂerten die Sorge, dass die Inflation unter das EZB-Ziel fallen könnte - auch weil der starke Euro Importe nach Europa tendenziell verbilligt und so den Preisdruck dĂ€mpft.
Sorge vor zu niedriger Inflation
Die Inflation im Euroraum dĂŒrfte nach jĂŒngster EZB-Prognose dieses Jahr bei 2,0 Prozent liegen. 2026 könnte die Teuerung mit 1,6 Prozent das Ziel der Notenbank deutlich unterschreiten.
Hauptziel der EZB sind stabile Preise. Je höher die Inflation, umso geringer die Kaufkraft der Menschen, weil sie sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten können. Aber auch dauerhaft sinkende Preise wollen Zentralbanken vermeiden: Dann könnten Firmen und Verbraucher Investitionen in der Hoffnung auf noch niedrigere Preise aufschieben - das wĂŒrde die Konjunktur bremsen.

