Reiche Staaten sollen 1.000 Milliarden zahlen
11.11.2024 - 14:42:12Mindestens 1.000 Milliarden US-Dollar pro Jahr erwarten allein die 45 Ă€rmsten EntwicklungslĂ€nder von den Industriestaaten, um die Erderhitzung einzudĂ€mmen und ihre fatalen Folgen abzumildern. Klima-StaatssekretĂ€rin Jennifer Morgan sagte dazu in Baku, Deutschland stelle sich grundsĂ€tzlich der Verantwortung. Doch mĂŒssten alle Staaten zahlen, "die es sich leisten können".
Aus EU-Sicht stehen unter anderem China und die reichen Golfstaaten in der Pflicht, Klimahilfen zu zahlen. Nach der jahrzehntealten UN-Logik sind sie aber als EmpfÀngerlÀnder eingestuft.
Wahlsieg von Trump ĂŒberschattet Verhandlungen
Knapp 200 Staaten beraten in der Ex-Sowjetrepublik zwei Wochen lang ĂŒber die EindĂ€mmung der Klimakrise und die Abfederung ihrer Folgen - also hĂ€ufigere und heftigere Ăberschwemmungen wie jĂŒngst in Spanien und Westafrika, verheerende WirbelstĂŒrme wie an der US-KĂŒste oder gesundheitsgefĂ€hrdenden Hitzewellen wie in SĂŒdeuropa.
Ăberschattet wird der Gipfel vom Wahlsieg Donald Trumps. Der designierte US-PrĂ€sident hat schon angekĂŒndigt, aus dem zentralen Klima-Abkommen von Paris auszusteigen und den Klimaschutz in seinem Land zurĂŒckzudrehen, um die Ăl- und Gasförderung zu erleichtern.
Vergangene zehn Jahre die wÀrmsten seit Beginn der Aufzeichnungen
Gleich zum Auftakt der zweiwöchigen Mammutkonferenz COP29 in Aserbaidschan rief die Weltwetterorganisation die "Alarmstufe Rot" aus: Die vergangenen zehn Jahre seien die wĂ€rmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres warnte, die drohende Klimakatastrophe gefĂ€hrde die Gesundheit von Millionen Menschen, vergröĂere die Ungleichheiten und erschĂŒttere so die Grundlagen des Friedens. "Die SchwĂ€chsten sind am stĂ€rksten betroffen."
"Wann legt ihr Geld auf den Tisch?"
Auch Umweltorganisationen erwarten, dass die reichen Industriestaaten jĂ€hrlich mindestens eine Billion US-Dollar fĂŒr EntwicklungslĂ€nder mobilisieren - zehnmal mehr als die aktuell zugesagten 100 Milliarden pro Jahr. Zur Finanzierung schlagen Klimaaktivisten Vermögenssteuern fĂŒr Reiche oder Abgaben auf die Förderung von Kohle, Ăl und Gas vor. Die Chefin des Climate Action Network (CAN), Tasneem Essop, kritisierte die zögerliche Haltung der GeberlĂ€nder: "Zu dieser Konferenz zu kommen und zu sagen, dass sie nicht ĂŒber das Geld verfĂŒgen, ist inakzeptabel." CAN vereint weltweit Hunderte Klimaorganisationen.
Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer von Fridays for Future sagte in Baku: "Der gröĂte der Teil der Welt guckt auf LĂ€nder wie Deutschland und fragt: Wann legt ihr Geld auf den Tisch?" Oxfam Australien machte darauf aufmerksam, dass allein die Zahl der von Klimakatastrophen im Pazifik betroffenen Menschen im letzten Jahrzehnt im Durchschnitt um 700 Prozent gestiegen ist.
Nach der ersten Plenumssitzung auf dem GelĂ€nde rund um das Olympiastadion folgen am Dienstag und Mittwoch Reden Dutzender Staats- und Regierungschefs. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat seine Reise zur Klimakonferenz nach dem Aus fĂŒr seine Ampel-Regierung abgesagt. Ebenfalls nicht da: Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Brasiliens PrĂ€sident Lula da Silva - von Noch-US-PrĂ€sident Joe Biden und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping ganz zu schweigen.
Das wÀrmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen
Der Handlungsdruck ist groĂ: In diesem Jahr hat sich der Planet erstmals um mehr als 1,5 Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit - es wird nach Berechnungen des EU-Klimadienstes wohl das wĂ€rmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das 2015 auf der Pariser Klimakonferenz vereinbarte Ziel, die Erhitzung möglichst auf 1,5 Grad zu deckeln, gilt aber noch nicht als verfehlt, denn dafĂŒr sind lĂ€ngerfristige Durchschnittswerte maĂgeblich. Aber: Selbst wenn alle KlimaschutzplĂ€ne der Staaten wirklich umgesetzt werden, steuert der Planet bis zur Jahrhundertwende auf eine Erhitzung um 2,6 bis 3,1 Grad zu - was erhebliche Teile der Welt unbewohnbar machen wĂŒrde.

